Wird Frau Nawalnaja Präsidentin Russlands?

Wird Frau Nawalnaja Präsidentin Russlands?
 
Eine gewagte Überschrift, wenige Stunden vor dem Eintreffen des Mannes, ihres Mannes, der wohl sofort auf dem Airport Wnukowo von den russischen Rechtspflegeorganen verhaftet werden wird. Die Verhaftung und eine langjährige Haft, ist im großen politischen Spiel zwingende Voraussetzung, damit Frau Nawalnaja russische Präsidentin wird.
 
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Priwalowskije Millionen“
 
Vor wenigen Tagen hatte ich Ihnen einen russischen Politologen vorgestellt – Nikolai Starikow. Er hatte mit einem Deutschen ein Gespräch geführt – oder besser: der Deutsche hatte mit ihm ein Gespräch geführt. Es ging um russische Territorien und um die Vorbereitung der Weltbefreiung.
 
Grafik: Nikolai Starikow
 
Das BLOG von Starikow ist so interessant, dass ich nun regelmäßig dort vorbeischaue und nach Meinungen, Ansichten und Informationen schaue, die vielleicht auch für meine deutschen Zuschauer von Interesse sind.
 
Wenige Stunden vor der Rückkehr Nawalnys, an der in Russland, ja eigentlich wohl in der ganzen Welt, niemand mehr zweifelt, stellt Nikolai Überlegungen an, warum dieser Mann zurückkehrt, genau wissend, dass er verhaftet wird und mit großer Sicherheit für viele Jahre ins Gefängnis gehen wird. Und wer geht schon gerne freiwillig ins Gefängnis, wenn es denn dafür nicht triftige Gründe gibt.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „12 Stühle“
 
Und Nikolai Starikow hat triftige Gründe gefunden.
 
Es geht letztendlich um das Jahr 2024, dem Jahr, in dem planmäßig die russischen Präsidentenwahlen stattfinden werden. An sich ist dies verwunderlich, denn die westlichen Medien sind voll mit Vermutungen, um den ernsten Gesundheitszustand von Präsident Putin und einige wissen sogar ganz genau, dass Putin noch im Januar zurücktreten wird. Wenn dem denn so wäre, würde das ganze geplante Politdrama mit Namen „Romeo und Julia“, … äh, „Alexej und Julia“ … nein … „Julia und Alexej“, dessen Premiere zum ersten Akt am Sonntag auf dem Flughafen Wnukowo stattfindet, eben nicht stattfinden.
 
Um was geht es?
 
Erinnern wir uns, dass Nawalny wegen Verletzung der Bewährungsauflagen verhaftet werden soll. Er hat sich nicht bei den russischen Behörden gemeldet, so wie es das Gesetz vorsieht. Nun können einige, die nur oberflächlich informiert sind sagen, dass die Russen wohl nicht ganz normal sind, denn wie kann sich jemand bei den Behörden melden, wenn er doch im Koma oder doch zumindest im Krankenhaus befindet und kurz vor dem Sterben steht.
 
Dem ist aber nicht so, denn im Auftrage der Berliner Charitè wurde in einer, ich glaube französischen Zeitung (warum eigentlich nicht in einem deutschen Medizinerjournal) die Information veröffentlicht, dass Nawalny völlig geheilt entlassen wurde und sich jetzt in Deutschland zur Erholung aufhält? Und es gab eine Reihe von Informationen in Wort, Schrift und Bild, die den „Herrn ohne Namen“ gut gelaunt, plaudernd und spazierengehend an vielen Orten in Deutschland zeigten.
 
Die russische Gesetzgebung sieht aber nicht vor, dass ein Urlauber sich nicht an die Bewährungsauflagen zu halten hat. Und ab diesem Zeitpunkt, also der Veröffentlichung des Beitrages, begann die Fahndung nach Nawalny.
 
Wäre also diese Veröffentlichung nicht gewesen, so würde es jetzt auch keine Fahndung nach Nawalny geben. Ist da in Deutschland ein Fehler passiert? Doch wohl kaum. Es handelt sich bei Nawalny um den persönlichen Gast der Bundeskanzlerin und da kann man davon ausgehen, dass jeder Buchstabe, jede Mitteilung, jede Handlung genau überlegt ist und alle administrativen und Machtinstrumente eingesetzt werden, dass eben keine Panne passiert.
 
Also war die Veröffentlichung bewusst? Also wollte man, dass die russischen Organe offiziell Kenntnis erhalten, dass Nawalny gesund ist. Also wollte man, dass Russland gezwungen sein wird, eine Fahndung einzuleiten, da Nawalny ja nicht nach Russland zurückgekehrt ist?
 
Ja, genau das will man. Und man will auch, dass Nawalny verhaftet wird. Und Nawalny fährt mit dem vollen Bewusstsein und dem vollen Willen nach Russland, dort verhaftet zu werden. Er ist bereit, für die „große Idee“ für Jahre ins Gefängnis zu gehen und dieses im Jahre 2024 als Märtyrer zu verlassen.
 
Also, was wird passieren?
 
Nawalny kommt in Wnukowo an, wird verhaftet und kann keine politische Tätigkeit mehr ausüben. Seine Idee, der Kampf für Recht und Freiheit und der Sturz des jetzigen Regimes in Russland, muss weiterleben. So nimmt seine Frau Julia seine Stelle ein und erklärt, dass sie den politischen Kampf ihres Mannes fortführen wird. Wir erinnern uns, dass auch sie ja schon im Sommer vergangenen Jahres in Kaliningrad vergiftet werden sollte und somit auch eine Rechnung mit Putin zu begleichen hat.
 
Kommt Ihnen das bisher Gesagte irgendwie bekannt vor? Richtig! In Belarussland hatten wir genau das gleiche Szenarium. Der Mann der Oppositionärin Swetlana Tichanowskaja wurde verhaftet und sie setzte den Kampf im Interesse des Mannes fort – jetzt aus dem Ausland.
 
Nun, vielleicht klappt das ja nun in Russland etwas besser. Schauen wir weiter, was wird.
 
Im September 2021 sind Duma-Wahlen in Russland. Und für diese Duma-Wahlen wird Julia kandidieren. Selbst wenn ihr Mann in Freiheit wäre, wäre eine Kandidatur nicht möglich, da er vorbestraft ist und Vorbestrafte in Russland sich nicht zur Wahl stellen dürfen. Bis zu den Wahlen ist noch ausreichend Zeit, um sich politisch zu profilieren.
 
Die russische Opposition wird bis dahin, unter aktiver Anleitung westlicher Spezialisten, eine politische Organisationsform finden, um am Wahlkampf teilnehmen zu können. Star-Kandidatin ist Julia Nawalnaja.
 
Letztendlich ist es nicht wichtig, ob Julia Nawalnaja in die Duma einzieht oder nicht. Die westlichen Demokratien, unter deren Anleitung Julia Nawalnaja zu agieren hat, haben andere Ziele vor Augen – nämlich das Jahr 2024, dem Jahr der Präsidentenwahl. Und das Jahr 2021 und die Duma-Wahlen sind nur eine Generalprobe. Man will sehen, wie sich Julia gibt, wie sie sich positioniert, wie sie in der Gesellschaft akzeptiert wird. Läuft alles einigermaßen nach Plan, kommt es zum zweiten Akt des Dramas „Julia und Alexej“.
 
Und nun zum Schluss noch eine schockierende Überlegung.
 
Alexej Nawalny wird sich bis zum Jahre 2024 in Haft befinden – er ist zu 3,5 Jahren Freiheitsentzug verurteilt wurden und wird natürlich, wenn Julia Nawalnaja russische Präsidentin wird, begnadigt und in Freiheit entlassen.
 
Aber wenn ihm im Gefängnis etwas zustößt, also er wird vergiftet, vielleicht mit Nowitschok oder er kommt in Streit mit irgendeinem Mitgefangenen, der ihn mit einem illegalen Messer von den Lebenden zu den Toten befördert? Dann haben wir den Märtyrer, den der Westen braucht für eine erfolgreiche Politkarriere der trauernden Witwe Julia Nawalnaja.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Kriminelles Talent“
 
Somit ist klar, schlussfolgernd Nikolai Starikow, dass Alexej Nawalny zu den bestbewachten Strafgefangenen der Russischen Föderation wird. Selbst der Friseur, der von Zeit zu Zeit zu ihm muss, wird wohl streng beaufsichtigt werden, damit er ihm ja kein Haar krümmt.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker
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Kommentare ( 3 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 17. Januar 2021 20:57 pm

    "Alexej Nawalny wird sich bis zum Jahre 2024 in Haft befinden ..."
    Uwe Erichowitsch, vermutlich werden Sie sich da irren. Auf diesen Herren - warten - ja noch weitere Verfahren, nur z,B. wegen Unterschlagung von Spendengeldern zur persönlichen Verwendung- sprich Bereicherung - . Und diesmal wird wohl die russische Justiz nicht so kulant mit Ljoscha umgehen. Und ob die Nawalnaja so ungeschoren davonkommt, wage ich zu bezweifeln. Was wußte sie über seine Tätigkeiten zu welchem Zweck und über das geklaute Geld. Naja Aussageverweigerungsrecht! Wie war sie daran beteiligt, dieses Geld wieder "auszugeben"? Das Ding mit dem Stehler und dem Hehler.
    Hat man einmal den Faden des Knäuels, werden sich ganz automatisch weitere Knoten ergeben, sprich Mittäter, die sich jetzt noch Sprecherin, Stabschef, Assistent oder Rechtsanwalt nennen. Ich denke, keine dieser Personen wird wohl ein Päckchen tragen wollen, was nicht ihr gehört. Da werden sehr interessante Verbindungen und Geldströme zu Tage komme

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 17. Januar 2021 21:20

      ... natürlich wird sich vieles in der Praxis anders zeigen. Ich habe nur das Szenario, welches vermutlich ausgedacht wurde, aufgezeigt.

  • Gego Tschetoch

    Veröffentlicht: 17. Januar 2021 22:12 pm

    Dieses Szenario scheint gar nicht so abwägig. Es ist zudem egal, wie man diese "Kiste" nun wendet oder dreht. Sie enthält reichlich Sprengstoff. Denn jetzt kommt zu dem Druck an den Außengrenzen der RF, und zu den wirtschaftlichen Sanktionen auch noch dieser gewaltige innenpolitische Aspekt hinzu. Da werden sich die Medien-Mächte jetzt aber die Hände reiben. Ich bin mir sicher, dass wir im westlichen Teil Europas weiterhin keine guten Meldungen über dieses große und schöne Land und seine gastfreundschaftliche Bevölkerung erhalten werden. Aber es würde mich auch nicht wundern, wenn Moskau dadurch gezwungen wäre, irgendwann sein Mediengesetz zu ändern. Dann aber ist das Geschrei abermals groß. Russland kann also tun und lassen was es will, es wird förmlich in die Isolation getrieben...
    Es ist ein erbärmliches und jämmerliches Schauspiel aller Beteiligten in dieser aufgeklärten Zeit des 21. Jahrhunderts!

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 17. Januar 2021 22:33

      ... ich würde Ihnen ja so gerne widersprechen wollen, aber ich kann es nicht. Es ist leider so, wie Sie es sagen ... so, oder so ähnlich wird sich die Lage entwickeln ... es sei denn, man hat in Moskau eine Strategie, die wir noch nicht sehen ...

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 18. Januar 2021 10:09 pm

    Leider oder zum Glück wurde die Karte von Herrn Navalny gespielt. Jetzt steht er unter der vollen Kontrolle und dem Schutz der Sonderdienste. Und der "Berliner Patient" wird allmählich und dauerhaft aus dem Medienraum verschwinden. Als Beispiel können wir uns daran erinnern, wie sich Chodorkowskys Ansichten während seiner langjährigen Umerziehung verändert haben. Und wir können uns auch an Herrn Platoshkin erinnern, über den seit mehr als einem halben Jahr niemand mehr gesprochen hat ... In Russland gibt es etwas anderes zu besprechen, das Thema Nawalny ist vorbei...

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 18. Januar 2021 11:29

      ... es wäre gut, wenn es denn so kommen würde. Aber irgendwie sagt mir mein Bauch, dass unsere "westlichen Partner" uns nicht die Ruhe geben, die wir brauchen für unsere Pläne zur Entwicklung UNSERER Gesellschaft.

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