Als wenn es Putin geahnt hätte – Europa verpflichtet Russland zur Homosexualität

Als wenn es Putin geahnt hätte – Europa verpflichtet Russland zur Homosexualität
 
Der Schock erreichte die Russen am Dienstag. Den russischen Medien entnahm man, dass das Europäische Gericht für Menschenrechte Russland verpflichtet hat, gleichgeschlechtliche Ehen vor dem Gesetz zu sanktionieren. Der seit Jahren in Russland kursierende Witz soll nun traurige Wirklichkeit werden.
 
 
Kommt ein Russe zur Migrationsbehörde. Er erklärt, auswandern zu wollen. Er füllt einen Fragebogen aus und beantwortet die Frage nach dem Grund seiner Auswanderung mit: „Wegen der Homosexualität in Russland.“ Der Beamte bittet ihn um Erklärung. Und der Russe erklärt: Vor 150 Jahren stand auf Homosexualität noch lebenslange Verbannung nach Sibirien. Vor 100 Jahren gab es dafür Zuchthaus, vor 50 Jahren noch Gefängnis mit Bewährung. Jetzt ist es straffrei geworden. Aber bevor es zur Pflicht wird, möchte ich unbedingt auswandern.
 
Aber es ist wohl in absehbarer Zeit nicht damit zu rechnen, dass Homosexualität in Russland zur Pflicht wird. Zum einen hat die überwiegende Mehrheit der russischen Gesellschaft eine klare Einstellung zu diesem Thema: Was hinter der Wohnungstür vor sich geht, interessiert niemanden. Was in der Öffentlichkeit passiert, hat den anerkannten gesellschaftlichen Normen, den nationalen Normen, zu entsprechen. Zum anderen ist die kleinste Zelle der Gesellschaft nun mal die Familie. Und Familie wird in Russland definiert mit Mann plus Frau plus Kind oder plus viele Kinder.
 
Vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte hatten drei gleichgeschlechtliche russische Paare gegen Russland geklagt. Russland hatte die Eheschließung verweigert. Einstimmig hat nun das Europäische Gericht für Menschenrechte europäisches Recht gesprochen und Russland verpflichtet, diese Ehen zu registrieren. Begründet wird der Urteilsspruch damit, dass das russische Recht dem Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention widerspricht. Dieser Artikel beinhaltet die Achtung des privaten und Familienlebens. Das Gericht forderte Russland auf, die internationale Gesetzgebung zu beachten, einzuhalten und umzusetzen. Die in den russischen Medien wiedergegebenen Formulierungen zeigen, dass das europäische Gericht von Russland die Änderung der nationalen Gesetzgebung fordert.
 
Das europäische Gericht kommt weiterhin zu der Schlussfolgerung, dass Russland mit seiner Weigerung, gleichgeschlechtliche Ehen zu registrieren alle Grenzen der staatlichen Freiheiten überschritten habe. Es ist die Aufgabe eines Staates Formen zu finden, wie man den Vorstellungen von Bürgern gerecht werden kann.
 
Natürlich meldete sich am Dienstag auch der Pressesprecher des russischen Präsidenten zu Wort. Dmitri Peskow kommentierte, dass Russland den Beschluss des Europäischen Gerichtshofes nicht umsetzen kann, da dieses Urteil der nationalen Gesetzgebung widerspricht. Er erinnerte daran, dass die Verfassung der Russischen Föderation die nationale Gesetzgebung über die internationale Gesetzgebung stellt.
 
Ein weiterer Absatz der russischen Verfassung definiert die Ehe als Gemeinschaft zwischen Mann und Frau.
 
Ebenfalls am Dienstag wurde bekannt, dass Polen, zum Entsetzen deutscher Medien, an einem Gesetzentwurf arbeitet, der das polnische nationale Recht über internationales Recht stellt. Eine interessante Entwicklung innerhalb der Europäischen Union, die sich wohl immer mehr zu einer Union der nationalen Individualitäten entwickelt.
 
Russische Medien berichten aber auch über Entscheidungen in der deutschen Fluggesellschaft „Lufthansa“, die beschlossen hat, ihre Passagiere nicht mehr mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ anzureden. Man will alle Menschen in die Anrede einbinden – man geht also bei der Lufthansa davon aus, dass es nicht nur Damen und nicht nur Herren gibt. Deshalb wird die Anrede zukünftig „Geehrte Gäste“ lauten. Sollte es zu Konfliktsituationen kommen, so wird einfach nur „Herzlich Willkommen“ gesprochen. Die Entscheidung trifft jeweils die Bordbesatzung des Flugzeuges.
 
Vielen Dank, liebe Gäste meines Portals, für Ihre Aufmerksamkeit. Tschüss und Poka aus Kaliningrad.
 

 

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Kommentare ( 2 )

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 17. Juli 2021 01:08 pm

    Jaaa, das ist wahr. Dieser sogenannte Gerichtshof für die Menschenrechte der verschwindenden Minderheiten will die RF zwingen, daß Schwuchtel-Ehen in Rußland zugelassen und auch rechtlich sanktioniert werden. Ähnliches in Ungarn. Dort soll erlaubt sein, daß schon die Kinder versaut werden.
    Sind diese Richter etwa auch vom anderen Ufer oder erledigen sie nur einen aufgetragenen gut bezahlten Job?
    Das Familiengesetzbuch der DDR (etwas vergleichbar fortschrittlich und modernes gibt es in der verstaubten BRD nicht) hatte als Leitfaden und Motto: Die Familie ist die kleinste Zelle der Gesellschaft. "„Familie ist eine Gruppe von Menschen, die durch nahe und dauerhafte Beziehungen miteinander verbunden sind, die sich auf eine nachfolgende Generation hinorientiert und die einen erzieherischen und sozialisatorischen Kontext für die Entwicklung der Mitglieder bereitstellt.“ Nach dieser Erläuterung des Wortes ist eine Partnerschaft ohne Kinder keine Familie. vsjo ponjatno?

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 17. Juli 2021 01:26 pm

    Das erinnert mich an die "Eingaben an den Staatsrat der DDR" . Eigentlich ist es peinlich für den dortigen Gouverneur, der vielleicht gar nichts von seinem "Glück" wußte, daß er es nicht geschafft hat, dieses Problem ohne viel Aufhebens aus der Welt zu schaffen. Aber ich vermute mal, die örtlichen Behörden meinten wohl, so ein Dorf der "Fritzen" ist noch lange nicht dran.
    Ob so oder ähnlich wird es wohl noch viele Probleme geben. Die Einsendungen der Bürger zu den "Sprechtagen" Putins sind doch ein beredter Beweis dafür, daß die Bevölkerung zwar in manchen Gegenden eine ziemliche Wut auf ihre örtlichen Verwaltungen haben, aber noch so viel Zutrauen, daß doch der Präsident was ändern könnte. Was er ja auch mehrfach unter Beweis gestellt hat.
    Ganz ehrlich, ich wüßte momentan keinen oder keine, die mit der manchmal kaum zu ertragenden Gelassenheit auf die Hetze von außen die Probleme und Geschicke des Landes im Inneren lenkt und bei ... nicht ausrastet.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 17. Juli 2021 05:25

      ... der Kommentar scheint zu einem anderen Artikel zu gehören ... dem, wo die Dorfbevölkerung Frau Merkel um Hilfe gebeten hat.

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