Amerikanisches Erbe oder einfach nur Kriminell oder naiv?

Amerikanisches Erbe oder einfach nur Kriminell oder naiv?
 
Auffällig häufig berichten russische Medien in der letzten Zeit über Gesetzesverletzungen von russischen Staatsangestellten. Betroffen von Verhaftungen sind auch Angehörige der Rechtspflege- und Sicherheitsorgane, deren Aufgabe es doch eigentlich sein sollte, Vorbild für die Gesellschaft zu sein.
 
 
Allen in Russland ist bekannt, dass es keine „Unantastbaren“ gibt. Diejenigen, die Gesetze verletzten, werden vom Gesetz zur Verantwortung gezogen. Minister, Gouverneure, Führungskräfte der Armee und der Sicherheitsdienst, Richter, Staatsanwälte können dies aus eigenem Erleben bestätigen.
 
Allen in Russland ist auch bekannt, wie drastisch das Land gegen diejenigen vorgeht, die sich der Korruption schuldig machen. Wobei das Wort „drastisch“ eigentlich völlig unangebracht ist, denn die Strafen für Korruption sind bekannt und wer sich nicht mit Korruption beschäftigt, braucht auch nicht die Folgen zu fürchten. Wer sich aber damit beschäftigt weiß, dass er mit Freiheitsentzug bestraft wird, mit Geldstrafen bis zum 70fachen der erhaltenen Schmiergeldsumme, mit Berufsverbot und mit Einschränkungen für eine zukünftige Arbeitstätigkeit. Alle wissen: Werde ich erwischt, verliere ich alles, was ich jemals erarbeitet und besessen habe.
 
Und trotzdem versuchen es immer wieder Menschen. Sogar die, die das Rechtspflegesystem kennen, die genau wissen, wie der Apparat zur Aufklärung von Gesetzesverletzungen arbeitet, versuchen sich zu bereichern und werden erwischt.
 
Nachdem ich mich jetzt mit der Geschichte des modernen Russlands, bzw. der sterbenden Sowjetunion beschäftige und erschreckende Details erfahre, steht für mich häufig die Frage, ob es sich bei diesen Leuten, die heute verhaftet werden, um einfache Kriminelle handelt, die glauben, dass sie schlauer sind als  die Rechtspflegeorgane und all die anderen, die vor ihnen schon verhaftet worden sind, ober ob es sich noch um die zehn- und hunderttausenden Kollaborateure handelt, die von den USA 1990/1991 und in den nachfolgenden Jahren in ganz Russland installiert worden sind, um die Gesellschaft auszuplündern und die Festung Russland sturmreif zu schießen.
 
So wurde jetzt durch „Kommersant“ über den Fall eines FSB-Mitarbeiters berichtet, der sowohl in Russland, wie auch im Ausland nicht nur über ein Bankkonto verfügt, sondern es sind bisher 385 Bankkonten entdeckt worden. Alle Bankkonten sind während der Zeit eröffnet worden, wo dieser Mann aktiv im FSB gedient hatte. Jetzt ist er bereits Rentner und der Vorgang wurde auch erst nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst entdeckt.
 
 
Die Untersuchungsorgane versuchen nun die Quellen für das Geld herauszufinden. Neben Geld verfügte der Mitarbeiter auch über zwei hochwertige Wohnungen, die er sich mit seinem Einkommen nicht hätte leisten können. Wie sich herausstellte, ist die Beweisführung, dass es sich um kriminelle Gelder handelt und der FSB-Mitarbeiter sich ungesetzlich verhalten hat, nicht ganz einfach.
 
Bei dem FSB-Mitarbeiter handelt es sich – nach Aussagen von „Kommersant“, um den Leiter der 3.
Unterabteilung der 2. Abteilung des 2. Dienstes der Verwaltung für materiell-technische Versorgung des 7. Dienstes des FSB – eine beeindruckende Strukturbezeichnung.
 
Aber nicht nur die Verfehlungen dieses Herrn wurden aufgedeckt, sondern auch seine Frau, ebenfalls Mitarbeiterin des Dienstes, der für die Sicherheit Russlands verantwortlich ist, hatte Anteil an der Erwirtschaftung zusätzlicher Einkommen. Sie arbeitete in der Kaderabteilung des Dienstes.
 
Man kam dem Ehepaar im Rahmen der Ermittlungen gegen einen russischen Unternehmer auf die Spur. Dieser wurde im vergangenen Jahr für schuldig befunden, im besonders großen Umfang betrogen zu haben. Es ging um Lieferung von Lebensmitteln an die bewaffneten Organe. Um seine Haut zu retten, begann dieser auszupacken – ein Feiertag für die Ermittler, vermute ich mal. Und somit traf es vermutlich dann auch den Mitarbeiter des FSB und seine Gattin. Wobei „Kommersant“ vermutet, dass es noch andere Informanten gegeben haben könnte.
 
Die Ermittlungen ergaben, dass der Ehemann im Zeitraum 2009 – 2020 in 35 Banken 253 Konten eröffnet hatte und seine Frau von 2013 – 2020 132 Konten bei 33 Banken. Auf allen Bankkonten befanden sich Summen zwischen 1,3 bis 4,7 Mio. Rubel und insgesamt nur 43.000 USD auf Valutakonten.
 
Entdeckt wurden diese Informationen zufällig, als bei der FSB-Rentner-Familie im Rahmen der Ermittlungen gegen den russischen Unternehmer, eine Haussuchung durchgeführt wurde. Man fand ein Notizbuch, wo handschriftlich eine Art Buchhaltung durchgeführt wurde und alle Konten aufgeführt waren.
 
Bei seiner Vernehmung gab der FSB-Mitarbeiter an, dass er einen Bruder in der Ukraine habe. Dieser sei dort Unternehmer und er habe ihn gebeten, Geld in Russland auf Bankkonen anzulegen, welches er aus der Ukraine rausbringen wollte. Man erklärte sich einverstanden und glaubte zuerst nur an Bankkonten in überschaubarer Anzahl. Aber letztendlich waren es so viele, dass die Familie die Übersicht verlor – so bekannte der FSB-Mitarbeiter. Er weiß nicht mehr, wo es überall Konten gibt und wieviel Geld sich darauf befindet.
 
Auch die beiden Wohnungen sind mit Geldern des ukrainischen Bruders gekauft, aber auf den Namen der Mutter beider Brüder registriert worden, die auch in der Ukraine lebte. Als die Mutter starb, wurden die beiden Wohnungen auf den FSB-Mitarbeiter überschrieben.
 
Als die ganze Sache aufflog, meldete sich der Bruder aus der Ukraine und forderte das ganze Geld zurück. Ein Gericht wies diese Forderung sofort zurück, da dieser keinerlei Beweise vorbringen konnte, dass er das Geld nach Russland verbracht habe. Somit steht der Fakt, dass der ukrainische Bruder die Transaktionen nicht beweisen kann und der FSB-Bruder ebenfalls nicht beweisen kann, dass er das Geld von seinem Bruder erhalten hat und somit die Quelle des ganzen Geldes nicht vollständig bewiesen ist.
 
Gegenwärtig ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Einige Beschlagnahmungen wurden rückgängig gemacht. Mit ein wenig Glück und anscheinend einem engagierten Rechtsanwalt, kann es dem FSB-Ehepaar gelingen, ihre Unschuld – zumindest teilweise – zu beweisen.
 

 

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Kommentare ( 1 )

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 25. Oktober 2021 17:08 pm

    Wenn man in Deutschland einer über 90-jährigen Schreibkraft eines KZ Leiters einen Prozeß wegen zig-tausendfacher indirekter Beteiligung an Tötungsdelekten einen Prozess macht, dann sollte Rußland FSB- Rentner wegen direkter, staatsgefährdender Tätigkeit schwerstens bestrafen, da dies einen bestehenden Staat betrifft, und die Verfehlungen im Amt sicher nicht verjährt sein können.

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