Ansturm auf russische Staatsbürgerschaft

Ansturm auf russische Staatsbürgerschaft

Das neue Staatsbürgerschaftsgesetz, welches die Doppelte Staatsbürgerschaft ermöglicht, tritt erst 90 Tage nach der Unterschrift des Präsidenten und der Veröffentlichung in Kraft – also Ende Juli 2020. Die Statistik der Einbürgerungen der letzten fünf Jahre scheint den Autoren des neuen Gesetzes, in all ihren Erwartungen, Recht zu geben.

 

 

Die Autoren des neuen Staatsbürgerschaftsgesetzes hoffen auf einen regelrechten Ansturm von Neubürgern in den kommenden Jahren. Bis zu 10 Millionen Bürger könnten es, bis zum Jahre 2025 werden, meinen Experten.

Dass die russische Staatsbürgerschaft, insbesondere unter den Bürgern der ehemaligen Sowjetunion begehrt ist, ist allgemein bekannt. Aber ohne die Kenntnis genauer Migrationszahlen der Vergangenheit, kamen doch bei den kommentierten Prognosen über den erwarteten Ansturm auf die Staatsbürgerschaft nach dem neuen Gesetz, Zweifel auf.  

Nun wurden die Zahlen der Einbürgerungen der letzten Jahre veröffentlicht und man staunt nicht schlecht über die Dynamik der letzten fünf Jahre.

 

Grafik: Entwicklung der Einbürgerungen seit 2015
 
Bereits im Jahre 2019 gab es fast eine Verdoppelung der Einbürgerungszahlen im Vergleich zu 2018. Geht man davon aus, dass die Ergebnisse des I. Quartals 2020 generell Tendenz sind, so werden in diesem Jahr rund 650.000 Ausländer die russische Staatsbürgerschaft erhalten.
 
Der eigentliche Ansturm wird aber erst im vierten Quartal erfolgen, denn die Bearbeitung eines Antrages auf russische Staatsbürgerschaft nach dem neuen Gesetz und im vereinfachten Verfahren, welches sicher durch die Mehrzahl der Antragsteller genutzt wird, dauert nur noch drei Monate.
 
Den Löwenanteil der Antragsteller der letzten fünf Jahre, stellen mit rund 47 Prozent die Ukrainer. Gerade auf die Ukrainer und auf Weißrussen legt man in Russland wert, denn dies sind Personen, die der russischen Kultur und Lebensauffassung sehr nah stehen. Bürger aus anderen GUS-Ländern, wie Usbekistan und Tadschikistan sind auch willkommen, aber, wie man in Russland formuliert „bes fanatisma, ohne Fanatismus“. Und so gehen Experten davon aus, dass der Zustrom von Migranten aus der Ukraine zunehmen wird und sich zumindest der prozentuale Anteil von Bürgern aus anderen, südlicheren Regionen, damit verringert.
 
Natürlich ist es erfreulich zu sehen, dass Millionen von Menschen sich einen neuen Lebensmittelpunkt in Russland vorstellen können – also ein Leben, welches ihnen mehr bietet, als in ihrem jetzigen Heimatland.

 

Grafik: Bevölkerungsstruktur der Russischen Föderation
 
Andererseits gibt die jetzige Situation natürlich auch Anlass, mit Sorgenfalten auf die Entwicklung zu schauen.
 
Sorgenfalten deshalb, weil die demographische Entwicklung in Russland seit Jahren stagniert und Berechnungen sogar zeigen, dass sich die Bevölkerung bis zum Jahre 2035, von jetzt 147 Mio. auf dann 139 Millionen Bürger rückentwickeln könnte.

 

Grafik: Prognose Bevölkerungsentwicklung Russische Föderation
 
Einerseits ist also die „Ur-Bevölkerung“ rückläufig, andererseits erhöht sich der Anteil der Eingebürgerten. Die Gruppe der „Nicht-Gebürtigen-Russen“ wächst ständig und die Gruppe der „gebürtigen Russen“ ist abnehmend. Bei einer nicht richtigen Bevölkerungspolitik, könnte dies langfristig gesehen, Probleme bringen. Mit anderen Worten, der russische Staat muss große Initiativen aufwenden, um die Neubürger schnell zu adaptieren, so dass diese nicht zu einer oppositionellen, enttäuschten Bevölkerungsgruppe werden, die ihrem neuen Vaterland oppositionell gegenübersteht.
 
Insgesamt ist jedoch die Bevölkerungsentwicklung in Russland schwer zu erklären. Es gilt ein einfacher, für alle verständlicher Grundsatz: Geht es den Menschen schlecht, stimmt das gesellschaftliche Umfeld nicht, gibt es auch weniger Geburten – und umgekehrt: die Geburten nehmen rasant zu, wenn die Familien für sich eine blühende Zukunft sehen.
 
Schauen wir auf das ehemalige Russland im Bestand der Sowjetunion, von der heute behauptet wird, dass diese denkbar schlechte Bedingungen für die Existenz und die Entwicklung des einzelnen Menschen und der Familie bot, so erstaunt doch zu sehen, wie die Bevölkerung sich trotz dieser schlechten Bedingungen, nach dem Krieg, bis zur Auflösung der Sowjetunion, außerordentlich entwickelt hat. Noch im Jahre 1991 hatte man zwei Millionen mehr Bürger, als heute, wo sich das Land, sichtbar seit dem Jahre 2000, positiv entwickelt und die Menschen zu Wohlstand gekommen sind – auch wenn immer wieder das Gegenteil behauptet wird.

 

Grafik: Bevölkerungsentwicklung Russlands im Bestand der Sowjetunion
 
Somit scheint es nur eine einzige Schlussfolgerung zu geben: Den heutigen Russen geht es so gut, dass sie zwar Zeit haben, sich mit Sex zu beschäftigen, aber keine Zeit mehr haben, Kinder zu bekommen und diese aufzuziehen. Alle hängen im Internet rum, machen Spritztouren mit ihren Autos, fahren in den Urlaub … oder beschäftigen sich mit der Instandsetzung der Zweitwohnung. Da helfen dann auch keine großzügigen Familien-Förderprogramme und Mütter- sowie Väterkapital. Und die in großer Anzahl gebauten Kindergärten und Schulen werden mit Neubürgern gefüllt und nicht mit „echten Russen“ oder doch zumindest mit russischen Bürgern.
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