Ausländer finden immer weniger Gesprächspartner in Russland

Ausländer finden immer weniger Gesprächspartner in Russland
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Die Zeiten des unkomplizierten Umgangs miteinander in der russischen Gesellschaft sind vorbei. Das tägliche Leben zeigt, dass ein Ausländer in Russland zwar willkommen ist, aber seine Kontakte in die russische Gesellschaft wohlüberlegt sein sollten.

Die aktuelle politische Situation fordert ihren Tribut im täglichen Umgang miteinander. Während in den 90er Jahren, den wilden 90er Jahren, den Jahren der Freiheit, also der Freiheit von Gesetzlichkeit, Disziplin, Ehrlichkeit, Sicherheit, allen und alles Tür und Tor geöffnet war und man problemlos mit jedem Russen, egal welche Stellung er in der russischen Gesellschaft einnahm, Kontakt haben konnte, sind diese Zeiten spätestens seit 2014 vorbei. Man merkt es, wie die Kontakte zwischen den Menschen zwar nicht verboten, aber zumindest erschwert werden.

Nun kann sich der freiheitsverwöhnte Westler natürlich mal wieder darüber aufregen, wie die russische Diktatur ihre eigenen Bürger unterdrückt und bevormundet. Aber der doch etwas loyalere Russlandinteressierte wird vielleicht doch hinterfragen, warum Russland mit gesetzlichen Bestimmungen den Umgang von bestimmten Personengruppen mit Ausländern einschränkt.

Eingeschränkt wird der Umgang mit vielen Beamten aller Ebenen, natürlich auch mit Militärangehörigen und ähnlichen Strukturen und jetzt neuerdings auch mit russischen Wissenschaftlern.

Wer die russischen Medien aufmerksam liest wird bemerkt haben, dass die Fälle von Spionage und Landesverrat in Russland zugenommen haben. Und zu Spionage und Landesverrat kann es eben nur kommen, wenn der Umgang miteinander, auch in sicherheitsrelevanten Bereichen, uneingeschränkt möglich ist. Russland hat somit seit Jahren begonnen, den Umgang von Russen in sicherheitsrelevanten Bereichen mit Ausländern neu zu regeln, d.h. der Umgang ist gestattet, aber es muss darüber informiert werden. Und diese Information der „zuständigen Stellen“, d.h. des eigenen Vorgesetzten, stellt immer eine gewisse Bürokratie dar und dann überlegt sich der Russe schon, ob das Gespräch mit einem Ausländer für ihn so wichtig ist, dass er sich anschließend auch noch der Mühe unterzieht, darüber einen Bericht anzufertigen oder zu seinem Vorgesetzten zu gehen und langatmige Erklärungen abzugeben. Vermutlich wird man in der Mehrzahl der Fälle auf Kontakte mit Ausländern verzichten.

Leider ist es so, dass die internen russischen Regelungen natürlich keinen Unterschied machen zwischen loyalen Ausländern, Ausländern, russophoben Ausländern und ausländischen Journalisten. So spüren insbesondere die Ausländer, die sich schon vielen Jahre in Russland befinden und hier ihr Leben organisiert und einen großen russischen Bekanntenkreis geschaffen haben, dass dieser Bekanntenkreis zu schwinden beginnt. Und so ist es bedauerlich, dass ein Ausländer sich vielleicht zukünftig, schon alleine aus Rücksichtnahme auf betroffene Russen, auf einen Bekanntenkreis beschränkten sollte, der aus den einfachen Mitgliedern der russischen Gesellschaft besteht.

Russische Medien veröffentlichten den Entwurf einer neuen Regelung, die das russische Wissenschaftsministerium plant in Kraft zu setzen.

Darin ist geregelt, dass bei Treffen mit Ausländern, ausländischen Kollegen und ausländischen Organisationen grundsätzlich immer zwei Wissenschaftler anwesend sein müssen. Das Treffen darf nur stattfinden, wenn es vom jeweiligen Vorgesetzten genehmigt wurde. Dazu muss fünf Tage vor dem geplanten Treffen die Genehmigung des Ministeriums eingeholt werden und dem Ministerium muss die genaue Liste der Teilnehmer genannt werden, die an dem Treffen teilnehmen werden. Nach erfolgtem Treffen muss eine schriftliche Berichterstattung erfolgen und es müssen Kopien der Pässe aller Teilnehmer vorgelegt werden.

Weiterhin regelt der geplante Erlass des Ministeriums, dass ausländische Wissenschaftler bei Treffen mit russischen Kollegen in Russland elektronische Aufzeichnungsgeräte nur verwenden dürfen, wenn dies in internationalen Vereinbarungen mit Russland so geregelt ist.

Der geplante Erlass des Ministeriums ist umstritten und wird, analysiert man die Kommentare in den russischen Medien, wohl in dieser Form nicht kommen. Aber Fakt ist, dass Russland sich immer mehr schützt gegen ausländische Versuche, an Informationen zu gelangen, die dazu dienen können, die Entwicklung Russlands zu behindern … wenn nicht sogar mehr.

Leidtragende in dieser ganzen gegenwärtigen Situation sind diejenigen Ausländer, die sich in Russland niedergelassen haben und die auf eine interessante Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in Russland gehofft hatten.

 

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