Austausch der Bevölkerung und Austausch der Ansichten in Kaliningrad?

Austausch der Bevölkerung und Austausch der Ansichten in Kaliningrad?

Seit langem wird im Kaliningrader Gebiet beobachtet, dass die Stammbevölkerung schwindet – also die Bevölkerung, die seit 1946 ansässig ist und die aus den sterblichen Überresten der Stadt Königsberg und des dazugehörigen Gebietes, die moderne Stadt Kaliningrad entwickelt hat.

Dafür kommen Fremde, die das Schwinden der Stammbevölkerung kompensieren und für eine Bevölkerungsentwicklung und wohl auch eine Entwicklung, sprich Wechsel der Ansichten sorgen.

 

 

Russland hat ein generelles Demographieproblem. Und Kaliningrad ist das Spiegelbild des russischen Mutterlandes. Die eigentliche Bevölkerung schwindet, d.h. die Geburtenrate ist rückläufig und die Sterberate zeigt wenig Veränderungen. Es erfolgt ein Zuzug von Migranten aus dem Ausland, der in Russland insgesamt für eine Bevölkerungsstagnation sorgt und in Kaliningrad für einen Bevölkerungszuwachs.

 

 

Zureisen nach Kaliningrad tun Bürger aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, allerdings wohl nur wenige RusslandDeutsche. Und es kommen Bewohner aus dem russischen Mutterland. Alle finden das Leben in Kaliningrad angenehmer als dort, wo sie bisher gewohnt haben.

 

 

Und die Kaliningrader Jugend, die hierzu mehrmals befragt wurde, findet Kaliningrad schrecklich und will so schnell wie möglich weg.

Somit ist klar, dass ein Austausch der Bevölkerung stattfindet und damit einher geht dann auch ein Austausch von Meinungen und Ansichten.

 

 

Die neue Bevölkerung hat weniger Emotionen, weniger Bindungen an die Zeiten nach 1946, als Stadt und Gebiet „auferstanden aus Ruinen“ und sich „der Zukunft zugewandt“ hatten.

Videoausschnitt zum Wiederaufbau der Stadt nach 1946

Die Generation der Veteranen stirbt langsam aus und es kommt die Generation der „Neu-Königsberger“, also derjenigen, die auf das schauen, was in schwierigen und ungewissen Zeiten gebaut wurde, dies als nicht schön empfinden, die dann auf die Vielzahl der schwarz-weißen oder auch schon kolorierten historischen Postkarten schaut und findet: „Königsberg war eine schöne Stadt, schöner als dieses sowjetische Kaliningrad“.

Videobeitrag historisches Königsberg in Farbe

Postkarten sind weltweit schön und zeigen immer nur die schönen Seiten einer Stadt. Und historische Aufnahmen sind immer romantisch und rufen immer Gefühle hervor, die wahrscheinlich die ehemaligen deutschen Bewohner Alt-Königsbergs mit den heutigen russischen, aber auch deutschen Romantikern aus Neu-Königsberg, wohl nicht bereit gewesen wären zu teilen.

Videobeiträge zum Leben in Königsberg vor 1945

Niemand lebt mehr, der den Kaliningradern real mitteilen könnte, wie der Königsberger Arbeiter, der Königsberger Pferdekutscher, die Königsberger Wäscherin, die Königsberger Marktverkäuferin in ihrer dunklen Hinterhof-Mietwohnung, mit einer schön verschnörkelten Fassade, bei Ofenheizung und Klo auf dem Hof oder im Treppenhaus, gelebt hat.

Videobeiträge Königsberg vor 1945

Was war denn wirklich schöner in Königsberg? Das Kopfsteinpflaster? Die engen, dunklen Straßen? Die rumpelnde Straßenbahn? Die wenigen Autos? Die wiehernden Pferde auf der Ostmesse?

Auf den Alt-Königsberger Postkarten ist das alles zu sehen. Alte Videofilme, hinterlegt mit nostalgisch-romantischer Ostpreußenmusikб machen Augen glasig.

Videobeiträge zum Leben in Königsberg vor 1945

Gut, erfüllen wir doch die Forderungen derjenigen, die ihr Königsberg wiederhaben wollen, errichten wir Königsberg wieder! Reißen wir die Heizungskörper aus den Wohnungen und bauen romantische Kachelöfen ein. Pflastern wir die Straßen und behindern damit den Verkehr so, dass die Autofahrer freiwillig auf ihre Wohlstandsattribute verzichten. Schließen wir die Super-Supermärkte und kehren zu den Tante-Emma-Läden zurück, wo die Schlangen dafür garantieren, dass endlich reale Sozialkontakte wieder entstehen und nicht die virtuellen aus dem Internet. Schaffen wir das Gas in den Wohnungen ab und kochen wieder auf dem mit Holz beheiztem Herd. Und schicken wir die Mitarbeiter von Avtotor, der Fahrzeugholding, die ja nun nicht mehr gebraucht wird, in die Landwirtschaft und machen Neu-Ostpreußen zur Kornkammer Russlands.

Wollen das diejenigen, die heute das „ach so wunderschöne Königsberg“ bejubeln und das, was sowjetische Generationen von Kaliningrad-Bewohnern aufgebaut haben, diskreditieren?

Einem Teil dieser „Königsberg-Nostalgiker“ geht es wirklich nur darum, in einer schönen, modernen Stadt zu wohnen. Um die Stadt schön und noch moderner zu machen, brauchen wir ein wenig Zeit und auch ein wenig Geld. Und vor allem, es müssen alle mithelfen. Die Fehler und Vernachlässigungen der Vergangenheit können nicht über Nacht beseitigt werden.

Aber einem anderen Teil dieser „Königsberg-Nostalgiker“ geht es nicht wirklich um eine schöne, moderne russische Stadt. Es geht darum eine permanente Unzufriedenheit zu schüren, eine nörgelnde und verbiesterte Bevölkerung zu züchten - beste Voraussetzungen, um irgendwann mal die Frage zu stellen, ob denn ein Leben in Russland für die Bewohner der 39. Region wirklich erstrebenswert, oder ob ein deutsches Königsberg nicht doch das Paradies auf Erden ist.

Videobeitrag Auftritt A. Orschulewitsch (Leiter B.A.R.S) in deutscher Sprache

Und da die Zahl der Neu-Bewohner der Stadt ständig wächst, also der Bewohner, die keinerlei wirkliche Bindungen an Kaliningrad hat, ist es relativ einfach, deren Ansichten mit täglichem KleinKlein zu formatieren. Hierzu braucht man nur einige wenige Iwanows oder Orschulejewitschs, die permanent verkünden: Königsberg ist Europa, Kaliningrad ist Russland. Und diese Neu-Bewohner sind ja aus dem großen Russland ausgereist, weil es ihnen dort nicht gefallen hat … und irgendwann gefällt es ihnen auch nicht mehr, in Klein-Russland zu leben.

 

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Kommentare ( 2 )

  • Dieter Deicke

    Veröffentlicht: 27. August 2019 17:13 pm

    Mit Interesse habe ich ihren Beitrag verfolgt. Die gesellschaftliche Entwicklung in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts zeigt das die Menschen die Errungenschaften die sie haben nach einer gewissen Zeit nicht mehr schätzen und das sie mit sabbernden Lefzen die angeblich so süßen Trauben in anderen Gärten unbedingt haben wollen ohne an die Folgen zu denken.So in der Annektion der DDR,dem Zerfall des RGW und auch dem Zerfall der UdSSR. Das schlimme dabei ist das es erst jetzt , jahrzehnte später wieder möglich wird die Ursachen und folgen beim Namen zu nennen und gesellschaftlich Gehör zu finden.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 27. August 2019 17:25

      ... ja, da ist viel Wahres dran.

  • boromeus

    Veröffentlicht: 27. August 2019 20:14 pm

    Sie können soviel geifern wie Sie wollen.Das Ansehen an unser Königsberg besudeln Sie nicht !
    "dunkler Hinterhof ,Ofenheizung,verschnörkelte Hausfront;immer noch besser als Betonwohnburgen für 50000 Menschen ala Selma oder triste Kruschowtkas bei denen es nur für Häuserfrontenrenovierung reichte
    Verkehrsbehinderung Kopfsteinpflaster verkehrsbehindernd?Auf dem Leninskiprospekt brechen Federbeine, weil man es bisher nicht geschafft hat, ihn grundlegend instandzusetzen.
    Rumpelnde Straßenbahn?13 Linien hat man so verkommen lassen ,das sie abgerissen wurden.Noch!
    rumpelt eine sowjetische
    Schöne Stadt KGD?Was ist daran schön?Beton Hochhäuser!
    Brauchen noch ein bisschen Zeit? Ihr hattet seid 1990, 29 Jahre
    Zeit um Bausünden zu beseitigen.Was haben ihr getan in der Zeit?
    Modern ?Fahren Sie aufs Land, da gibt es heute noch keine Wasser und Abwasserleitung!
    Verbiesterte manipulierte Bevölkerung?Wenn eure Zukunft, die Jugend wegläuft,sagt das alles..
    Nehmt euch ruhig noch etwas mehr Zeit ..

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