Über Geld spricht man nicht, Geld hat man

Über Geld spricht man nicht, Geld hat man
 
Würden Sie aller Welt erzählen, wieviel Geld Sie haben? Erzählen Sie wildfremden Leuten, wieviel Geld Ihr Arbeitgeber Ihnen zahlt, wenn Sie in seiner Firma anwesend sind? Geld ist ein heikles Thema und andere sehen meist nur, dass der Nachbar reich ist, wenn dieser ein neues Auto vor der Tür stehen hat.
 
 
Das dieses Auto aber eigentlich gar nicht dem Nachbarn gehört, weil dieser zum Kauf einen Kredit aufgenommen hat, davon erfährt man in der Regel nichts.
 
Eigenartiger Weise ist es auch so, dass die Lieblingskunden der Bank nicht diejenigen sind, die Millionen auf den Konten haben, sondern die, die Millionen an Kreditverpflichtungen unterschrieben haben. Mit anderen Worten: Wer sich verschuldet ist hochangesehen. Eine komische Welt – finden Sie nicht auch?
 
Deutschland ist hochangesehen … und leistet sich somit eine Schuldenuhr. Immerhin muss das Image hochgehalten werden.
 
Videoeinspielung: Schuldenuhr Deutschland, Bund der Steuerzahler
 
Russland ist nicht hochangesehen … Logisch, dass somit Russland auch über keine Schuldenuhr verfügt.
 
Wie die Russen das machen, dass sie keine Schulden haben, ist für Otto-Normalverbraucher nicht erklärlich. Man liest täglich in ausländischen Medien, wie schlecht es dem Land geht, dass es kurz vor dem Zusammenbruch steht, dass die Sanktionen das Land richtig schön beuteln.
 
Vermutlich geben sich deshalb die ausländischen Staatenlenker, Minister und Wirtschaftsbosse die Klinke der Moskauer Stadttore in die Hand, um mit eigenen Augen, direkt vor Ort, zu sehen, wie der Untergang des Russenlandes vor sich geht.
 
Aber anstelle den Staatsbankrott zu erklären, modernisiert Russland seine Armee, schickt sie zu Freundschaftseinsätzen ins Ausland, baut eine der modernsten Zivilschutzorganisationen auf, modernisiert umfassend das Schul- und Bildungswesen, baut in Zeiten der Corona-Krise in Windeseile dutzende von Krankenhäusern, entwickelt als eines der ersten Länder eine Impfung gegen das Virus …
 
Videoeinspielung: Putin zitiert
 
Parallel wird mal schnell eine Regierung ausgewechselt. Wo in anderen Ländern Monate gebraucht werden, um eine neue Regierung zu bilden, braucht Russland eine Woche.
 
Der Staatsapparat wird modernisiert, elektronische Dienstleistungen ohne Schlange stehen, werden mit jedem Tag mehr angeboten. Die vor fünf Jahren eingeführten Bürger-Service-Zentren machen dem Bürger das Bürokratisieren erträglicher.
 
Aber all das kostet doch Geld, viel Geld. Und da fragt man sich, woher die Russen das ganze Geld nehmen? Normalerweise doch vom Erdöl und Erdgas, was die Russen verkaufen. Aber der Westen nimmt immer weniger Öl und Gas ab – sagt der Westen. Und die Preise für Öl und Gas fallen auch ins uferlose. Also, woher nehmen die Russen das Geld?
 
Videoeinspielung: Putin zitiert
 
Der Insider weiß natürlich, dass Putin, als er im Jahre 2000 die Macht von Jelzin übergeben bekommen hat, sich sofort mit den Finanzen beschäftigte. Er hat begonnen, die Auslandsschulden abzutragen – und hierbei nicht nur die russischen, sondern auch die sowjetischen Auslandsschulden.
 
Sowjetische Auslandsschulden gibt es seit 2017 nicht mehr.
 
Grafik: Sowjetische Auslandsschulden in Verantwortung des Rechtsnachfolgers
 
Russische Auslandsschulden sind in einer rein symbolischen Höhe.
 
Grafik: Russische staatliche Auslandsverschuldung
 
Und Putin hat parallel angefangen, Staatsreserven anzulegen – nationale, wie auch internationale. So könnte man vermuten, dass diese jetzt langsam dem Ende zugehen, so wie es eine bekannte deutsche Bank, den Russen zu Beginn der Corona-Krise, vorhergesagt hatte.
 
Videoeinspielung: Putin zitiert
 
Aber eine Umfrage unter Experten internationaler Ratingagenturen ergab, dass diese einstimmig vorhersagen, dass Russland wohl in wenigen Tagen über internationale Reserven in einem Umfang verfügen wird, wie niemals in der Geschichte des Landes – es werden bald 600 Milliarden Dollar sein.
 
Grafik: Internationale Reserven Russlands
 
Im Gegensatz zu uns kleinen Leuten, die gewissenhaft darauf achten, dass niemand erfährt, über welche Reichtümer man verfügt, ist es im staatlichen Sektor anders, denn wer international agieren will, muss seine Bilanzen offenlegen und den internationalen Organisationen, wie z.B. dem Weltwährungsfond oder Ratingagenturen, beweisbare Zahlen liefern. Manipulationen sind also ausgeschlossen.
 
Und so nimmt der erstaunte, hochangesehene BRD-Bürger zur Kenntnis, das Russland zum heutigen Tag 591,8 Milliarden USD internationale Reserven hat – bestehend zu 30,8 Prozent aus Euro, 24,5 Prozent aus US-Dollar und zu 19,5 Prozent aus Gold.
 
Grafik: Entwicklung der Goldreserven Russlands
 
Schauen wir auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes für 2018, so hat die Bundesrepublik Deutschland eine Gesamtverschuldung von 1.917 Milliarden Euro, also rund das Dreifache an Schulden von dem, was Russland an internationalen Reserven hat. Aber der Vergleich ist natürlich Quatsch …
 
Videoeinspielung: Medwedjew zitiert
 
Schauen wir auf das Anwachsen der internationalen Reserven Russlands im letzten Monat, so sehen wir, dass Russland am 1. Juli 2020 über 569 Mrd. USD verfügte und zum 1. August schon über 592 Mrd. USD – also ein Zuwachs von 23 Mrd. USD in nur einem Monat.
 
Wenn Heiko Maas, der Außenminister des hochangesehenen Deutschlands, am 11. August nach Russland kommt, könnte ihm sein Amtskollege Lawrow schon mit hoher Wahrscheinlichkeit vorschlagen, ein Gläschen auf die erreichten 600 Mrd. USD zu trinken.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Kinoklassiker "Priwalowskije Millionen"
 
Und bei der Gelegenheit könnte Lawrow seinem deutschen Partner auch noch mitteilen, dass der „Fond des Nationalen Wohlstandes“, der durch die Mehreinnahmen aus den Öl- und Gasgeschäften gespeist wird, seit 2014, also dem Zeitpunkt wo Russland, nach Meinung des hochangesehenen NATO-Mitgliedslandes Deutschland, die Krim annektiert hat, um mehr als das Doppelte gewachsen ist: Von rund 80 Milliarden USD, auf über 170 Milliarden USD.
 
Grafik: Entwicklung Fond Nationaler Wohlstand
 
Bleibt uns somit nur noch eine Antwort auf die anfänglich gestellte Frage zu finden:
 
„Wie machen die Russen das nur?“
 
Videoeinspielung: Putin zitiert
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