Überlegungen eines litauischen Ministers zu fremdem Eigentum

Überlegungen eines litauischen Ministers zu fremdem Eigentum
 
Viele westliche Firmen verlassen jetzt Russland. Sie beugen sich damit dem politischen Willen ihres Vaterlandes. Befürchtet werden muss, dass ihnen das Schicksal ihres Unternehmens in Russland und ihrer russischen Mitarbeiter egal ist. Russland will durch Nationalisierung den Schaden vermindern. Aber wer vermindert den Schaden der ausländischen Unternehmer?
 
 
Die Firmen, die Russland jetzt in großer Anzahl verlassen, haben für die russische Wirtschaft eine unterschiedliche Bedeutung. Volkswagen und Mercedes, die in der Nähe von Moskau produzieren, hinterlassen größere Probleme, als BMW mit ein paar tausend zusammengeschraubten Fahrzeugen in Kaliningrader Avtotor-Hallen in der uliza Transportnaja.
 
Irgendein geschlossenes ausländisches Restaurant oder eine ausländische Imbissbude, wird vermutlich nicht auffallen. Die Gaststättenszene in Russland ist seit vielen Jahren äußerst dynamisch.
 
Aber egal, welche Bedeutung die ausländische Firma in der russischen Wirtschaft einnimmt – der Weggang wird immer Folgen haben. Neben dem fehlenden Angebot der produzierten Ware, müssen viele Einzelprobleme geklärt werden. Tausende von Mitarbeitern verlieren vielleicht ihren Arbeitsplatz. Wer bezahlt die Immobiliensteuern, den Strom, Gas und Wasser? Viele andere administrative Dinge müssen täglich geklärt werden – aber der Besitzer ist nicht mehr da und vielen ist das Hemd näher als die Hose. Wenn enden die Sanktionen? Warum soll man Geld in eine Investition im Ausland stecken, wenn man nicht weiß, wie es weitergeht? Die Verluste durch den Produktionsausfall sind so schon gewaltig. Große, solide Firmen mit strategischer Weitsicht, werden ihren „Weggang“ diskret neu regeln. Aber andere, die sogenannten Glücksritter?
 
Russland hat sich entschieden, die verlassenen Unternehmen oder andere Aktiva, zu nationalisieren, ein positives Wort, im Vergleich zum Begriff „Enteignung“. Übergeben werden diese Aktiva an Personen oder russische Unternehmen, die bereits in der Branche tätig sind, Erfahrungen haben und die Arbeit in den Unternehmen fortsetzen, die Angestellten weiter beschäftigen und die Kosten begleichen. Wenn noch Gewinn erarbeitet wird – tja, dann herzlichen Glückwunsch.
 
Soweit zu dem, was Russland anbelangt.
 
Aber die Ausländer, die ihr Eigentum in Russland verloren haben? Egal ob es sich um das VW-Werk in Kaluga oder die deutsche Würstchenbude am Stadtrand von Nowoje Selo handelt? Sie haben alle viel Geld investiert und verlieren dies.
 
Der litauische Minister für Wirtschaft und Innovation hat hierzu am Wochenende eindeutige Aussagen für sein Land getroffen. Er meinte, dass der litauische Staat, der litauische Steuerzahler, keinerlei Kompensationszahlungen an diese Investoren leisten wird. Wer sich in Russland engagiert muss wissen, dass er ein Risiko eingeht. Wenn er sich trotzdem engagiert, so muss er mit den Folgen auch alleine klarkommen.
 
Eine sehr bittere Aussage des litauischen Ministers für die litauischen Unternehmer. Sie verlieren ja ihr Eigentum nicht, weil sie selber unfähig waren, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen und zu führen. Sie verlieren ihr Eigentum, weil es politisch so gewollt ist.
 
Aber ich habe auch Verständnis für den litauischen Minister und seine Ansichten. Wer sich als Unternehmer oder als Investor engagiert, egal wo, trägt immer ein höheres Risiko als ein Arbeitnehmer. Deshalb verdient er auch mehr als ein Arbeitnehmer und wenn alles im Leben gut läuft, kann der Unternehmer und Investor ganz schnell Millionär, vielfacher Millionär werden. Ein einfacher Arbeitnehmer wird niemals Millionär. Aber, um die Bilanz ausgewogen zu halten, gibt es auch wesentlich mehr Risikos für den Unternehmer und Investor. Er kann alles verlieren und ist dann ärmer, als der entlassene Arbeitnehmer.
 
Die jetzige Situation provoziert mich zu einem Vergleich mit dem Zweiten Weltkrieg.
 
In Deutschland wurden viele Häuser und Fabriken zerstört. Hat der deutsche Staat dafür die Eigentümer entschädigt? Es war doch seine Politik diesen Zerstörungskrieg zu führen. Ich kann es nicht sagen, ich weiß es einfach nicht. Aber wenn entschädigt wurde, so ganz bestimmt nicht im wirklichen Wertumfang.
 
Somit hat der Besitzer eines zerstörten Hauses oder einer zerstörten Fabrik seinen Anteil an der Politik des Staates zu tragen. Will er dies nicht, findet er dies ungerecht, so muss er eine andere Regierung wählen, die ihn entweder entschädigt oder eine andere Politik betreibt. Die Deutschen haben damals Hitlers Kriegspolitik mit „Heil“-Rufen unterstützt, die erst am 8/9. Mai 1945 endeten. Sie hatten somit zu bezahlen. Heute, so mein Eindruck, unterstützt ein großer Teil des deutschen Volkes die Politik Deutschlands gegen Russland. Auch die deutsche Wirtschaft, die bald massiv unter dieser Politik leiden wird, lehnt sich nicht auf. „Wer die wirtschaftliche Macht hat, hat auch die politische Macht“, möchte ich an einen Klassiker erinnern. Wenn dem so ist, so ist völlig klar, dass die deutschen Unternehmer, die jetzt aus Russland weggehen, ihre Macht nicht ausnutzen, um auf die Politik des deutschen Staates Einfluss zu nehmen. Sie sind mit der Politik einverstanden und brauchen auf keine Entschädigung hoffen – zumal es sowieso bald keine freien Finanzkapazitäten mehr in deutschen Kassen geben wird – man weiß das nur noch nicht in Deutschland.
 
Deutsche Unternehmer, es sollen einmal 6.000 gewesen sein, die sich in Russland engagiert haben, werden vieles verlieren, manche werden vielleicht sogar Privatinsolvenz anmelden müssen. Es gibt Deutsche, die sich in Russland so eingerichtet haben, dass sie, wenn sie nach Deutschland zurückkehren müssen, keine Übernachtungsmöglichkeiten haben und schlechter dastehen, wie die Flüchtlinge, die jetzt aus der Ukraine gekommen sind. 
 
Ich glaube, dass die zuständigen deutschen Minister wohl mit der Meinung des litauischen Wirtschaftsministers sympathisieren und diese deutschen Unternehmer wohl keinerlei Hilfe vom deutschen Staat erhalten werden. Das ist dann ihr Anteil am Kampf um die Erhaltung des faschistischen Regimes in der Ukraine.
 
Tut mir leid für die vielen deutschen Unternehmer, die sich ihr Leben und arbeiten in Russland anders vorgestellt haben und von der jetzigen deutschen Regierung enteignet werden. Ich kann dies nachvollziehen, denn ich bin auch enteignet worden von einer Regierung, die ich nicht gewählt und gewollt habe, allerdings schon vor vielen Jahren, am 3. Oktober 1990.
 
 
Reklame

Kommentare ( 2 )

  • Eckart

    Veröffentlicht: 21. März 2022 13:20 pm

    Die ausländischen Investoren, die im Rahmen der sgn. Nationalisierung ihr Investment verlieren , werden kein Geld abschreiben müssen, denn für jede Menge US$ auf den Zentralbanken des Westens hat die Agentin Elvira Nabiullina als Chefin der RZB, sehr ausgiebig gesorgt.
    Erst vor einigen Tagen hat die französische Zentralbank hinterlegte 24 Mrd. US$ der RZB "eingefroren".

    Parallel hierzu wird man im Westen einen Entschädigungsfond für die >>>russischen Opfer<<< schaffen, der dann aus dem hinterlegten russischen Geld gespeist wird. ------ Das Geld, was diese Lady so hinterlistig in den Westen geschickt hat, ist für Russland quasi schon auf nimmer Wiedersehen weg.

    Was aus den vielen bereits beschlagnahmten Oligarchen-Yachten und Immobilien wird, bleibt abzuwarten. ----- Es könnte aber durchaus sein, dass sie ihren Zorn dann in Richtung der Führung in Russlands wenden, und dann wird es brandgefährlich, denn beim eigenen Geld hört die Treue zum eigenen Land bei denen garantiert auf.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 21. März 2022 14:29 pm

    Unmittelbar nach dem Krieg bedurfte es schon der eigenen Reflexion, Ursachen, den uns Kinder betreffenden Auswirkungen, richtig zuzuordnen.
    Mehr als zwei Generationen später haben meine Enkel und deren Kinder keinerlei Bezug mehr zu irgend einer Mangelsituation.
    Alles scheint für immer gegeben - kaum was wird hinterfragt.
    Eine sich als Weltverbesserer sehende Generation, die aber selbst noch nichts verbessert hat, stellt alles in Frage, fabuliert über eine rosa-regenbogenfarbige Zukunft, nicht wirklich bemüht, tatkräftig und unter Einsicht in Verzichte, diese zu gestalten.
    Deutschland wurde von den nach dem Krieg in misslichster Lage verbliebenen Menschen wieder aufgebaut, nicht von Auswanderern.

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung