Blockadestadt Kaliningrad beginnt den Widerstand zu organisieren

Blockadestadt Kaliningrad beginnt den Widerstand zu organisieren
 
Am Freitag wurde durch Litauen eine teilweise Transportblockade des Kaliningrader Gebietes verkündet. Dies widerspricht abgeschlossenen Verträgen. Russland beginnt, sich nicht nur mit Worten gegen die aggressiven Handlungen des Westens zu wehren. Die Zeit der Gespräche ist vorbei – war aus offiziellem Mund zu hören.
 
 
Der Kaliningrader Gouverneur hatte noch am Samstag, dem Tag, wo die Blockade bereits in Kraft trat, versprochen, alles in die Wege zu leiten, um Auswege aus der Situation zu finden. Keine 48 Stunden waren vergangen und er konnte am Montag dieser Woche verkünden, dass eine St. Petersburger Firma, die über sechs große Frachtfähren verfügt, diese zur Verfügung stellt. Die erste Fähre wird bereits ab diesem Freitag eingesetzt werden.
 
Um die Logistik so effektiv wie möglich zu gestalten, werden für die Transporte, Be- und Entladearbeiten die Häfen in Baltisk, der Handelshafen und der Fischereihafen in Kaliningrad eingesetzt. Kaliningrad wird somit ab Freitag über fünf Fähren verfügen, vier Eisenbahnfähren und eine Containerfähre. Bei Bedarf können fünf weitere Fähren der St. Petersburger Firma eingesetzt werden.
 
Durch eine Neustrukturierung der Transportprozesse, werden weitere Reserven genutzt. So wird es zukünftig nicht mehr möglich sein, im Seetransport Waren zu transportieren, die nicht auf der Sanktionsliste stehen. Nichtsanktionierte Waren werden auf die Bahn umgelagert. Daraus ergeben sich weitere freie Kapazitäten auf den Fähren für sanktionierte Erzeugnisse.
 
Kaliningrader Medien informieren, dass die bereits auf Linie befindlichen drei Eisenbahnfähren bis Ende Juli zu 100% ausgelastet sind. Die vierte Containerfähre hat noch eine Beladungsreserve.
 
Im Verlaufe des Dienstags wurde die Liste der Waren bekannt, die zukünftig nicht mehr durch Litauen in das Kaliningrader Gebiet transportiert werden dürfen.
 
Bereits jetzt gilt ein Transitverbot für Erzeugnisse aus Guss und Stahl, eine endlos lange Liste von Industrieausrüstungen, Erzeugnisse für den Flugzeugbau und für die Raumfahrt.
 
Ab dem 10. Juli wird die Blockadeliste um Zement, Zementerzeugnisse, Holz, Lacke und Farben, Düngemittel und eine sehr lange Liste mit Baumaterialien, sowie alkoholische Getränke und Kaviar erweitert.
 
Ab dem 10. August darf im Transit keine Kohle mehr nach Kaliningrad gebracht werden.
 
Weiterhin soll ab 10. August ein Transportverbot für Erdölerzeugnisse verhängt werden, d.h. das Kaliningrad keinen Treibstoff mehr erhält.
 
Weitere Transitverbote, anscheinend auch für Individualreisende, betreffen Luxusartikel im Preissegment ab 300 Euro je Stück, alkoholische Getränke aller Art, Parfüm, Bekleidung und Accessoires, Geschirr und Erzeugnisse aus Kristall. Haushaltstechnik ab 750 Euro, sowie Foto- und Videotechnik ab 1.000 Euro dürfen ebenfalls nicht mehr nach Kaliningrad transportiert werden. Eine weitere Verbotsliste schlüsselt Sportgeräte auf.
 
Die vollständige Verbotsliste ist auf der Internetseite des Kaliningrader Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung einzusehen.
 
 
Kaliningrad hat nun begonnen, gemeinsam mit dem russischen Außenministerium, dem Nationalen Sicherheitsrat und der russischen Regierung, über Antwortmaßnahmen gegen Litauen und gegen die Europäische Union nachzudenken.
 
So läuft fast der komplette Import von alkoholischen Getränken nach Russland über die baltischen Länder. Hier wird die Ware zwischengelagert, mit russischen Akzisemarken versehen und mit litauischen oder lettischen Transportfirmen nach Russland weiter transportiert. Der Kaliningrader Gouverneur schlägt nun vor, den Transport von Alkoholika über Gebiete der baltischen Staaten zu verbieten.  Dadurch verliert die Wirtschaft der drei Staaten täglich bis zu 300 Mio. Euro Rubel. Der hohe tägliche Verlust entsteht durch Wegfall der gesamten Logistik, sprich Warenempfang, Lagerung, Etikettierung, Weitertransport des Alkohols durch baltische Transportfirmen.
 
Der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow kommentierte, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, sich mit Litauen zu einigen. Man brauche einen gemeinsamen Korridor. Jetzt organisieren die Litauer einige böse Dinge gegen uns. So wie wir den litauischen Korridor brauchen, so braucht Litauen den Kaliningrader Korridor. Wenn die Litauer anderer Meinung sind, werden sie mit den Folgen leben müssen. Sind diese Folgen erst einmal beschlossen, gibt es kein Zurück mehr – so der Gouverneur.
 
Am Dienstagmorgen wurde der Botschafter der Europäischen Union in das russische Außenministerium einbestellt. Ihm wurde die Forderung Russlands übergeben, den Transit zum Kaliningrader Gebiet unverzüglich wieder herzustellen. Nach dem Gespräch im russischen Außenministerium bat der Botschafter, die Situation um das Kaliningrader Gebiet nicht zuzuspitzen. Das Problem Kaliningrad müsse auf diplomatischem Wege geklärt werden.
 
Dies sehen allerdings russische Verantwortliche bereits ganz anders.
 
So erklärte die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa, dass Litauen den ganzen Ernst der Lage verstehen muss. Russland werde reagieren. Sie nannte die Handlungen Litauens „feindlich“ und ergänzte: Die Zeit für Gespräche ist vorbei.
 
 
„Mir scheint, es ist wichtig, dass sie folgendes verstehen: Wenn die Russische Föderation etwas über ein anderes Land sagt und dieses Land offen als „feindselig“ charakterisiert, dann ist es nicht mehr möglich zu reden, da finden wir keine Gesprächsformeln mehr, die die Situation dahingehend lenken kann, dass alle so tun können, als sei niemals etwas geschehen“, - so Sacharowa in einer TV-Sendung.
 
Nikolai Patruschew, der sich am Dienstag in Kaliningrad aufhält, um aktuelle Probleme der nationalen Sicherheit Russlands zu besprechen, informierte, dass Russland in kurzer Zeit eine Antwort auf die Handlungen Litauens geben wird. Die Einwohner Litauens werden die Antwort Russlands schmerzlich zu spüren bekommen.

 

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Kommentare ( 4 )

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 21. Juni 2022 18:24 pm

    Da ergibt sich doch noch eine andere Möglichkeit, gegen diese US/Kanada/EU-Sanktionierer vorzugehen. Es geht doch letztendlich darum, diesen Ganoven das Geld wegzunehmen, was sie eigentlich für ihre Wirtschaft oder ihre Kriegskasse brauchen oder ihnen die Wirtschaft entsprechend zu verteuern. Ich denke da an den nördlichen Seeweg, der ja erstens vollendet durch das Hoheitsgebiet Rußlands führt und zum anderen sehr lang ist. Aber viel länger ist doch der Weg durch den Pazifik, Suezkanal oder andersrum Pazifik und Panamakanal.
    Die Hoheitsgewässer der RF gehen ja schließlich ziemlich weit gen Nordpol. Es dürfte ziemlich schwierig werden, diese nördlich zu umschiffen.
    Ein unangekündigter Boykott von für die Feinde Rußlands wichtigen Erzen oder anderen Exportgütern, damit deren Wirtschaft mal so richtig ins Schleudern gerät, damit diese stinkarroganten transatlantischen Russenhasser mal erfahren, daß nicht sie das Sagen haben, wäre wohl die einzige Möglichkeit für ein Nachdenken im Westen.

  • Detlef

    Veröffentlicht: 21. Juni 2022 18:29 pm

    "Die Einwohner Litauens werden die Antwort Russlands schmerzlich zu spüren bekommen."

    .. und die Regierenden der Nato-Länder lachen sich ins Fäustchen. Ihnen sind die Einwohner egal welchen Landes sowieso gleichgültig.

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 21. Juni 2022 18:30 pm

    "Der Vorsitzende der PiS-Partei Jarosław Kaczyński hat die Posten des Vize-Ministerpräsidenten und Vorsitzenden des Ausschusses für nationale Sicherheit und Verteidigung Polens geräumt." RT DE heute

    Wie war das noch mal? Wer ... mit dem Verlassen des sinkenden Schiffs?

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 21. Juni 2022 18:46

      ... man sollte diesen Rücktritt nicht überbewerten. Katshinski hatte öffentlich nur eine nachgeordnete Rolle gespielt, auch wenn er sich Vizepremier nannte. Er war immer die sogenannte graue Eminenz und wird es auch bleiben.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 22. Juni 2022 18:59 pm

    Man unterschätze mal die grauen Eminenzen nicht, besonders nicht in einem erzreligiösen Land, wo schon mal ein sehr frommer, kleiner Werftelektriker, zusammen mit dem Stellvertreter Gottes auf Erden, etwas losgetreten hat, was uns die heutige Misere einbrockte !!!

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