Übt Russland falsche Zurückhaltung gegenüber den USA?

Übt Russland falsche Zurückhaltung gegenüber den USA?
 
Vor einigen Tagen hatten die USA umfangreiche Sanktionen gegenüber Russland angekündigt, wenn Russland in die Ukraine einmarschieren sollte. Man hofft mit diesen Sanktionen, das gesamte politische, wirtschaftliche, finanzielle und gesellschaftliche Leben Russlands lahmlegen zu können.
 
 
Während eines Pressemeetings antwortete der Pressesprecher des russischen Präsidenten Dmitri Peskow auf entsprechende Fragen in dem Sinne, dass Moskau äußerst kritisch auf das neue Sanktionspaket der USA schaut. Diese angekündigten Sanktionen erschweren die weiteren Gespräche mit den USA und überschreiten alles bisher Dagewesene.
 
Die diversen Äußerungen zu den geplanten Sanktionen, die man aus amerikanischen Quellen vernimmt, lassen vermuten, dass, selbst wenn Russland nicht in die Ukraine einmarschieren sollte, so wie es anscheinend die USA und die NATO hoffen, die Sanktionen unter einem anderen Vorwand trotzdem verhängt werden.
 
„Moskau hat nicht die Absicht gegenwärtig irgendetwas zu planen. Wir hoffen immer noch auf den Sieg des gesunden Menschenverstandes. Und wir hoffen, dass es sich einfach nur um Kraftmeierei bei diesen Erklärungen handelt, um irgendwie Einfluss auf unser Land zu nehmen.
Die Gasleitung „Nordstream-2“ als Gefährdung der Sicherheit Europas zu bezeichnen, ist absurd. Dies zeugt nur davon, dass es sich um unlauteren Wettbewerb handelt“, - äußerte sich sinngemäß Dmitri Peskow.
 
Journalisten hakten nach und fragten, ob Russland auch Sanktionen gegen den amerikanischen Präsidenten Biden verhängen wird, wenn die USA personengebundene Sanktionen gegen den russischen Präsidenten Putin verhängen.
 
„Die Verhängung von Sanktionen gegen den Leiter eines Staates, gegen den Leiter Russlands – ich wiederhole es nochmal – ist ein beispielloser Schritt, der gleichzusetzen ist mit dem Abbruch der Beziehungen“, antwortete Peskow.
 
In dem neuen Projekt von US-Senatoren sind Sanktionen gegen den russischen Präsidenten und den russischen Premierminister, hochgestellte Militärs und einer ganzen Reihe von großen russischen Banken vorgesehen.
 
Wenn es also Sanktionen gegen Mischustin, dem Premierminister Russlands gibt – defacto stellvertretend für die gesamte russische Regierung – bleibt die Frage, wie eine sanktionierte, also in die Ecke gestellte russische Regierung, noch mit den USA und anderen westlichen Staaten sprechen kann. Nach der einfachen menschlichen Etikette nicht möglich – selbst wenn man auf Sanktionen gegen Putin persönlich verzichtet.
 
Der russische Außenminister Lawrow kommentierte am Donnerstag in der TV-Sendung „Das große Spiel“, dass in den USA wohl die Nerven blank liegen. In ihrer unendlichen Selbstüberschätzung haben diese Menschen wohl einen gewissen psychologischen Punkt erreicht, der schwer zu erklären ist – so Sergej Lawrow. Ich bin erstaunt, all diese Initiativen zu lesen, wie Erwachsene, ernsthafte Politiker, die nicht erst seit gestern aktiv sind, solche Schritte vorschlagen können.
 
So, wie Russland jetzt mit sehr unmissverständlichen Worten den USA und der NATO aufgezeigt hat, welche Wünsche zur Sicherheit Europas man in Moskau hat und, wenn es zu keiner diplomatischen Einigung kommt, man militärisch reagieren will, so sollte auch in diesem Fall eindeutig gesagt werden: Wird es weitere Sanktionen gegen unser Land geben, bevorzugen wir ein „Ende mit Schrecken“ – wir brechen die Beziehungen ab … zu den USA und zu all denen, die die USA in ihrer Sanktionspolitik unterstützen.
 
Ob es nur zum Abbruch der politischen Beziehungen kommt oder aber mit gleicher Münze heimgezahlt wird – also den Abbruch der wirtschaftlichen Kontakte im vollen Umfang – tja, da sollten wir auf die Weisheit und Erfahrung der russischen Spezialisten und Analysten hoffen, damit diese das Richtige vorschlagen.
 
Dies wird selbstverständlich in Russland zu zeitweiligen Problemen führen, vermutlich zu großen Problemen … eine gute Möglichkeit für die russische Gesellschaft zu zeigen, dass sie an einem souveränen, starken Vaterland interessiert ist.
 
Das Land hat den Großen Vaterländischen Krieg nicht nur überlebt, sondern ist daraus gestärkt hervorgegangen – es ging damals um Leben und Tod.
 
Auch vor Napoleon ist man bis hinter Moskau zurückgewichen … die Hauptstadt hat sogar gebrannt. Es ging damals um Leben und Tod.
 
Werden die Sanktionen, so wie von den USA geplant, verhängt, werden die Geschäfte in Russland innerhalb weniger Monate, vielleicht sogar weniger Wochen leergekauft sein – die Geschäfte, die Elektronik, Hauswirtschaftsgeräte und derartige Dinge verkaufen. Andere Staaten, wie z.B. China, werden die Möglichkeit erhalten, die Lücke zu füllen – wenn vielleicht in vielen Dingen auch in einer anderen Qualität.
 
Russland wird unter Druck – darin hat das Land Erfahrung – seine eigene Wirtschaft, auch auf diesem Gebiet, wieder errichten. Die Industrie ist bewusst und zielgerichtet durch die Amerikaner, über ihre Wirtschaftsberater, in den 90er Jahren vernichtet wurden – eben mit dem Ziel, Russland zu einem Verbrauchermarkt für US-Erzeugnisse umzuformatieren, das Land abhängig zu machen. Wer heute die russischen Geschäfte besucht wird feststellen, dass die USA ganze Arbeit geleistet haben.
 
Wir erhalten also die Chance, im beschleunigten Tempo, so wie im Jahre 1941, als im tiefen Sibirien riesige Industriekomplexe für die Landesverteidigung in Monatsfrist errichtet wurden, unsere Verbraucherindustrie wieder aufzubauen. Die Situation im Jahre 1941 unterscheidet sich kaum noch von der heutigen Situation, die der Präsident mit den Worten: „Für uns ist dies eine Frage von Leben und Tod“ unlängst umschrieb. 1941 wurden massenhaft Panzer T-34 produziert und diese brachten die Deutschen im Winter 1941 vor Moskau zum Stehen. Da muss es doch jetzt möglich sein, mit Hilfe eines nationalen Produktions- und Verbrauchermarktes die Amerikaner zum Stehen zu bringen.
 
Eine interessante Frage wäre zu erfahren, wie viele Staaten in der Welt unter Sanktionen der Amerikaner oder deren Verbündeten leiden. Man könnte doch eine neue Union der Sanktionsgeschädigten gründen, ohne jegliche politische Verpflichtungen. Die Mitglieder der Union der Sanktionsgeschädigten sollten sich auf rein wirtschaftlicher und finanzieller Basis helfen, die Folgen abzuschwächen, vielleicht sogar völlig wirkungslos zu machen.
 
Da die Amerikaner aber auch Sanktionen im Kultur- und Sportbereich verhängen – siehe aktuell die Olympischen Spiele in China, wäre es vielleicht auch eine Überlegung wert, parallele Olympische Spiele der „Neuen Neuzeit“ zu organisieren.
 
Es sei auch daran erinnert, dass die USA Gastgeber der UNO sind. Hier sind defacto alle internationalen Strukturen vertreten. Auch hier missbrauchen die USA ihre Macht und verweigern Diplomaten die Einreise. Wird es nicht langsam Zeit, auch in der UNO darüber nachzudenken, die Strukturen der UNO weltweit zu verteilen, damit möglichst viele Länder von den Vorteilen der Anwesenheit internationaler Organisationen profitieren?
 
Und es gibt natürlich auch die Möglichkeit, eine neue UNO zu schaffen, eine alternative UNO. Es fällt jetzt schon den Menschen weltweit schwer nachzuvollziehen, was denn diese UNO, die jährlich viel Geld der Steuerzahler kostet, denn real leistet.
 
Es ist richtig, dass sich über diesen Weg die Welt teilt. Anscheinend gibt es wohl aber keinen anderen Ausweg aus dieser, bisher von den USA dominierten, unipolaren Welt.
 
 
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Kommentare ( 5 )

  • Eckart

    Veröffentlicht: 14. Januar 2022 01:03 pm

    Zurückhaltung kann man nur ausüben, wenn man über ein starkes und sicheres Selbstwertgefühl verfügt und nicht ständig die eigene Leidensfähigkeit als Charakterstärke ins Feld führt .

    Die Yankees grinsen nur beim Ausdenken ständig neuer Schikanen, weil sie aus Erfahrung wissen, dass die Russen immer nur durch Zurückweichen reagieren und nie das Heft des Handels mal konsequent in die Hand nehmen.

    2014 wäre mal eine Chance gewesen den Yankees zu zeigen wo der Sand am Strand liegt - aber was war? Den Donbass hat man in sträflichster Weise in Stich gelassen, und die Krim hat man ohne Blick auf die Landkarte abgetrennt, sodass der gesamte Norden der Halbinsel für eine landwirtschaftliche Nutzung wegen Wassermangels ausfällt. ------ (aus dem eigens von den Sowjets noch gebauten Dnepr Kanal)

    Die Brücke bei Kerch ist im Ernstfall auch ganz leicht zerstört - und dann ???

    In Kasachstan weicht man auch schon wieder zurück, obgleich die wahren Ursachen noch nicht eliminiert wurde.

  • felix

    Veröffentlicht: 14. Januar 2022 16:30 pm

    Ich bin seit kurzem wieder hier, weil ich mit meinen Kommentaren Russland der westlichen Diplomatie etwas näher bringen wollte, damit es in Verhandlungen usw. endlich etwas erfolgreicher wird - das ließt sich überheblich, das bin ich wirklich nicht, aber ich habe bemerkt daß Russlands diplomatische Erfolge mit dem Westen seit ca. 30 Jahren extrem bescheiden sind.
    Das mein Versuch zu Nichts führen wird, wurde mir hier mitgeteilt, aber ich wollte es probieren.
    Die aktuellen Verhaltensweisen Russlands in den Verhandlungen und darum herum, zeigen leider daß mein Versuch Nichts bewirkt hat, und ich ihn deswegen beende.
    Alles Gute
    felix

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 19. Januar 2022 14:31 pm

    @EckartIn gewisser Weise haben Sie wohl Recht. Aber ich meine, zu kurz gedacht. Wenn man sich mal die Landkarte in größerem Rahmen genauer anschaut und auch die Historie - mit - betrachtet, dann kommt man doch zu dem Ergebnis, daß es auch aus strategischer Hinsicht richtig war, die Krim wieder in die RF aufzunehmen. Wäre es anders gekommen, wäre Sewastopol heute ein US-Navy-Stützpunkt, der das Schwarze Meer mit seinen Nato-Vasallen beherrschen würde, samt dem Bosporus. Die Vorbereitungen zur Übernahme des Hafens durch die US-Navy liefen doch schon. Die russische Schwarzmeer-Flotte wäre bewegungsunfähig in Noworossisk eingesperrt worden. Die Krim wäre ein unsinkbarer Flugzeug- und Raketenstartplatz gegen die RF geworden. Weil das nicht geworden ist und die Oblaste Charkow, Lugansk und Donezk nicht als Aufmarschbasis gegen die RF zusammenhängend zur Verfügung stehen, hat die Ukraine in der Planung der USA ziemlich an Bedeutung verloren.

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 19. Januar 2022 14:58 pm

    Da habe ich doch ein entscheidendes - nicht - hinter Donezk vergessen. Bitte einfügen oder eindenken. Danke!

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 20. Januar 2022 12:59 pm

    Bastian!
    Ihr Satz ist völlig korrekt, und ich teile Ihre Ansicht.
    Wer die Brücke so schnell bauen konnte, der könnte auch aus der Don-Mündung oder weiter südlich Wasser zuführen.
    Natürlich kann man alles zerstören (Eckart), aber eben auch im Umkehrschluß jeden Angreifer!

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