Danke, Frau Tichanowskaja

Danke, Frau Tichanowskaja
Frau Tichanowskaja, die sich gegenwärtig im Ausland befindet, kritisiert die lächerlichen Sanktionen, die die Europäische Union gegen den belarussischen Präsidenten Lukaschenko und dessen Umgebung verhängt hat. Sie fordert mehr und hilft damit wohl eher die Staatenunion mit Russland voranzutreiben.
 
 
Eigentlich liegt es nicht in meinem Interesse, Ereignisse in anderen Ländern zu kommentieren. Aufmerksame Zuschauer meines Kanals werden es vielleicht bemerkt haben – es gibt keine Berichte über die Ukraine, keine über Belarussland. Und es gibt auch keine Berichte über Deutschland. Erwähne ich diese Länder, so steht die Erwähnung in engem Zusammenhang zu Russland – nicht mehr und nicht weniger.
 
 
Somit ist klar, dass mich Frau Tichanowskaja, die selbsternannte, international nicht anerkannte, sich im Exil befindliche Präsidentin Belarusslands, eigentlich nicht interessiert. Auch der mit staatsprotokollarischen Zeremonien durchgeführte Empfang in Deutschland und Polen und die Anerkennung als Staatspräsidentin durch Litauen, ändert nichts an meiner prinzipiellen Meinung.
 
Um was geht es?
 
Frau Tichanowskaja hat der Zeitung „The Sunday Times“ ein Interview gegeben.
 
In dem Interview teilt sie der Welt mit, dass die Sanktionen, die die Europäische Union gegen Lukaschenko und weitere verhängt hat, keinerlei Einfluss haben. Insgesamt sind von den Sanktionen 90 Personen betroffen und die lachen alle darüber. Sie empfahl den westlichen Ländern über finanzielle Sanktionen ihrem Vaterland Schaden zuzufügen, weitere Maßnahmen gegen offizielle Vertreter des Landes zu verhängen und oppositionelle Medien und Menschenrechtler mehr zu unterstützen.
 
Dass die internationale Öffentlichkeit Lukaschenko nicht als Wahlsieger anerkennt, ist eine wichtige Geste – meinte Frau Tichanowskaja – aber auch nicht mehr. Die Länder haben nichts weiter unternommen, um „das Problem“ zu lösen.
 
Am Sonntag hatte Frau Tichanowskaja aus dem Exil heraus erklärt, dass die belarussischen Demonstranten „die Straße verloren haben.“ Die belarussische Opposition hat keine Möglichkeit mit dem gewaltbereiten Staat zu kämpfen. Der hat alles, Waffen, Macht und es scheint, wir haben verloren … so Tichanowskaja.
 
Und warum bedanke ich mich nun bei Frau Tichanowskaja?
 
Ich stelle mir vor, dass der Westen durch den Hilfeschrei der Tichanowskaja beginnt, aktiver gegen Belarussland und Lukaschenko vorzugehen.
 
Lukaschenko ist schon längst klar, dass er die längste Zeit Präsident war und hinter den Kulissen wird der Machtwechsel kulturvoll und gesichtswahrend vorbereitet.
 
Viele Jahre hat sich Lukaschenko gegen einen wirklichen, echten Staatenbund mit Russland gewandt, obwohl dieser schon vor 20 Jahren vertraglich vereinbart worden war. Eine Vereinigung beider Länder hätte für ihn bedeutet, dass er kein Präsident mehr hätte sein können. Jetzt, wo ihm klar ist, dass er in wenigen Monaten zurücktreten wird, laufen die Arbeiten für die Schaffung eines gemeinsamen Staates wohl weniger schleppend. Und in dem Maße, wie der Westen die Forderungen der Tichanowskaja erfüllt und gegen Belarussland und Lukaschenko vorgeht, wird der Prozess der Integration Belarusslands in den Bestand der Russischen Föderation nur beschleunigt. Was hat denn Lukaschenko noch zu verlieren? Höchstens seine Freiheit, wenn es dem Westen gelingt, das Maidan-Szenario in Minsk zu wiederholen.
 
Und wenn es den westlichen Demokratien nicht gelingt, das Programm Maximum umzusetzen, so ist auch eine Teilung des Landes eine durchaus mögliche Variante.  Also treibt die Tichanowskaja mit ihrer Politik Belarussland direkt in die offenen, empfangsbereiten Arme der Russischen Föderation.
 
Und wie hatte man damals, ich glaube es war 1989 oder 1990, im geteilten Deutschland gerufen: „Es wächst zusammen, was zusammengehört.“
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Kommentare ( 1 )

  • Harald Telemann

    Veröffentlicht: 28. Februar 2021 19:05 pm

    Hallo Erichowitsch , die Einschätzung betreff Tixanowskaja und der Prozesse in BY sind nicht so fundiert wie alles ,was die Prozesse in der RF betrifft und durch dich kommentiert wird. Ist für mich eine echte Bereicherung . Deine Einschätzung ihrer Person geht in Richtung schwarz oder weiß . Die Mehrheit der Belarussen wollen nicht an die RF angegliedert werden. Du weißt , daß ic h mich seit 1991 bis 2018 in BY aufgehalten habe und ein Teil meiner Familie noch immer. Alle haben auch belaruss. Wurzeln. Ich saß sozusagen in der 1. Reihe . Das Problem kann man aber nicht bin solch einer Form darlegen und diskutieren. Wenn bis zur Wahl das Verhältnis zu RF 50 zu 50% war , ist es nach dem Handeln und Kommentare der RF unter 30 % abgesackt. Gruß aus Uthleben

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 28. Februar 2021 21:11

      ... jeder hat natürlich seine Meinung und seine Überlegungen zu den jeweiligen Ereignissen. Logisch, dass Du, als der bessere Weißrussland-Spezialist von uns beiden, die Stimmung/Meinung in Weißrussland besser einschätzen kannst. Ich halte mich generell zu den Ereignissen in anderen Ländern, so auch in Weißrussland, zurück - wohl wissend, dass ich eben nicht so kompetent berichten kann, wie aus Russland. Was ich berichte und kommentiere, ist eben meine subjektive Sichtweise, meine russische Sichtweise ... Danke für Deinen Kommentar.

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