Das reiche Russland soll Pleite gehen. Vornehm nennt der Westen dies Default.

Das reiche Russland soll Pleite gehen. Vornehm nennt der Westen dies Default.
 
Die US-Ratingagentur S&P eilt den Ereignissen voraus und erklärte Russland schon vorzeitig für zahlungsunfähig. Grund ist, dass Russland seinen Verpflichtungen gegenüber den Kreditgebern in Rubel und nicht in Dollar nachgekommen ist.
 
 
Am 4. April waren russische Staatsanleihen fällig, d.h. die Inhaber dieser Anleihen warteten auf ihre Zinsen. Russland zahlte die Zinsen. Eigentlich wären diese Zinsen in USD zu zahlen. Aber die westliche Solidargemeinschaft hatte 300 Milliarden USD russischer internationaler Reserven, die Russland in einem Anflug leichtsinnigen Wahnsinns westlichen Banken anvertraute, gestohlen. Man konnte mit diesem Geld also nicht bezahlen.
 
Dann besitzt Russland noch 340 Milliarden USD im Inland, 190 Milliarden USD im Fond des Nationalen Wohlstandes und man hat auch noch ein paar tausend Tonnen Gold in den Kellern der Staatsbank liegen. Auch das kann alles nicht genutzt werden, weil die USA jede Operation mit USD und auch Euros verboten haben.
 
 
Zielbewusst haben die USA also alles organisiert, um Russland in den Ruin zu treiben. Mit anderen Worten: Ein Mensch sitzt an einer reich gedeckten Tafel und verhungert.
 
Jubelnd erinnert CNN an den ersten echten Default, den Russland gleich nach der Oktoberrevolution erlebte. Damals weigerte sich Genosse Lenin, die Auslandsschulden des Zaren zurückzuzahlen. Der zweite Default war im Jahre 1998, als Russland wirklich zahlungsunfähig war.
 
 
Vergleicht man alle drei Defaults-Ereignisse, so gibt es prinzipielle Unterschiede. Sie bestehen darin, dass Russland 1917 bezahlen konnte, aber nicht wollte. Im Jahre 1998 wollte man bezahlen, konnte aber nicht. Und jetzt, im Jahre 2022 will man bezahlen, kann auch bezahlen, darf aber nicht bezahlen.
 
 
Lassen Sie uns den Begriff „Default“ nochmal kurz und verständlich erklären.
 
Sie haben einen Kredit, also Schulden. Dafür müssen Sie Zinsen zu einem genau festgelegten Termin zahlen. Können Sie dies nicht, sind Sie zahlungsunfähig. Genau so geht es auch einem Staat mit den sogenannten Staatsanleihen.
 
Nun kann es aber durchaus sein, dass Sie förmlich im Geld schwimmen und trotzdem ihren Verpflichtungen nicht nachkommen können. Sie haben die Kreditkarte verloren, oder vergessen, wie Ihre Bank heißt, oder sie sind krank und können nicht sprechen und schreiben. Mit anderen Worten, sie sind bereit zu zahlen, können auch bezahlen, sind aber zeitweilig aus „technischen“ Gründen dazu nicht in der Lage. Dann tritt der technische Default ein.
 
Privat können Sie solche Umstände wohl schnell klären. Bei staatlichen Verpflichtungen ist dies anders. 30 Tage hat man Zeit, um die „technischen Probleme“ zu klären. Nach Ablauf dieser 30 Tage wird aus dem „technischen Default“ ein „souveräner Default“ – der Staat ist also offiziell zahlungsunfähig, er ist pleite.
 
Was bedeutet dies im täglichen Leben?  
 
Vielleicht werden sich einige Leser und Zuschauer noch an das Jahr 1998 erinnern – das Jahr des wirklich echten Defaults in Russland. Das Land war bis über beide Ohren verschuldet und die USA taten alles, damit diese Schulden wuchsen. Sie erinnern sich sicherlich, dass die USA den gesamten russischen Staatsapparat mit ihren „Beratern“ und CIA-Agenten unterwandert hatten. Ziel war, mit einem Default, also einer Staatspleite, den Zerfall Russlands zu beschleunigen.
 
Jelzin hatte noch am Vorabend angekündigt, dass alles getan wird, damit kein Default stattfindet.
 
Video: Jelzin bestreitet einen Default für Russland
 
Und am nächsten Tag krachte es dann. Was passierte real im täglichen russischen Leben?
 
Die Wechselkurse zum Dollar explodierten. Anfang August 1998 kostete ein Dollar sechs Rubel und Ende August 24 Rubel. Die Preise für alle Waren explodierten. Die Regale in den Geschäften leerten sich. Es gab eine Zeit, wo niemand mehr an Geld, egal was für Geld, interessiert war. Ware wurde versteckt oder Ware gegen Ware getauscht. Es war eine wirklich furchtbare Zeit, wo viele Russen vieles verloren. Zwei Jahre später war alles vergessen, Russland existierte weiter, Jelzin trat zurück und Putin nahm das Ruder in die Hand. Eine seiner ersten Aufgaben, die er in die Hand nahm, war der Abbau der Staatsverschuldung im Ausland.
 
Grafik: Entwicklung Auslandsverschuldung
 
Anscheinend hatte sich Russland mit seinen Gläubigern geeinigt und die Folgen, die eigentlich bei einer Staatspleite eintreten müssten, traten nicht ein. Ganz im Gegenteil erhielt Russland noch weitere Gelder und sollte mit diesen Geldern die alten Schulden zurückzahlen. Eine Endlosschraube – in Deutschland nennt man dies wohl die „Schuldenfalle“.
 
Eigentlich müsste dies eine Lehre für jeden sein, der einmal in eine solche Lage geraten ist. Was man sich nicht leisten kann, sollte man sich nicht leisten. Aber viele Privatpersonen, aber auch Staaten, leben mit Schulden ganz ungeniert und wenn es schief geht … nun, Pech gehabt.
 
Russland hat aus dem Default 1998 gelernt, aber wie häufig, nicht bis zur letzten Konsequenz, also in diesem Fall bis zum letzten Cent, denn die Auslandsverschuldung blieb immer mit einer kleinen Summe erhalten. Rund 60 Mrd. USD waren es Ende 2021 – also eine Summe, die ungefähr 10 Prozent der Internationalen Reserven entsprach, über die Russland verfügte, oder 30 Prozent des Fonds für den Nationalen Wohlstand.
 
Völlig unklar ist mir, warum man bei derart riesigen Reserven, internationalen Reserven, dem überquellenden Fond des nationalen Wohlstandes und 2.300 Tonnen Goldreserven, sich noch Geld im Ausland borgt und dafür Zinsen zahlt. Als ständig misstrauischer russischer Staatsbürger, vermute ich überall Korruption und vor allem Verrat. So natürlich auch in diesem Fall.
 
Hätte Russland seine Auslandsverschuldung auf „Null“ gefahren, würden wir heute nicht schon wieder über das Thema „Default“ reden – obwohl, der heute drohende Default hat einen ganz anderen Charakter als der aus dem Jahre 1998 – damals war kein Geld vorhanden, heute schwimmen wir im Geld und doch droht uns die Pleite.
 
Die USA tun alles, um Russland zuerst in den technischen Default und dann in den souveränen Default zu treiben. 300 Milliarden USD liegen im Ausland. Nur wenige Millionen Dollar, konkret sind es 649,2 Millionen USD, sind an Zinsen zu zahlen. Aber Russland kann das Geld nicht nutzen – die westlichen Bankräuber haben es geraubt.
 
Kein Problem, könnte man meinen, denn Russland hat im Inland noch 340 Mrd. USD internationaler Reserven und 190 Mrd. USD im Fond des Nationalen Wohlstandes, mal von den Goldreserven ganz zu schweigen.
 
Aber auch die Gelder dürfen nicht genutzt werden, weil die USA alle Operationen mit dem USD für Russland verboten haben. Dasselbe trifft auf den Euro zu. Gold darf auch niemand von Russland kaufen. Mit anderen Worten: Russland verhungert am reichgedeckten Tisch – und dass deshalb, weil die USA ein perfektes USD-Erpressungssystem in der Welt errichtet haben.
 
Die USA wollen die Staatspleite Russlands erreichen, auch wenn es in diesem Fall eine künstlich erzeugte und nicht wirkliche Pleite ist. Aber sie hat trotzdem Folgen.
 
Für den normalen russischen Bürger dürfte dieser Default, im Gegensatz zu 1998, keinerlei Folgen haben. Aber für Russland als Staat schon, denn die Kreditgeber wollen ja zu ihrem Geld kommen. Somit werden die Kreditgeber überall auf der Welt nach russischem Eigentum suchen, welches natürlich reichlich vorhanden ist – in erster Linie natürlich Immobilien. Diese werden beschlagnahmt und versteigert – natürlich zu einem Preis, dass alle russischen Immobilien in der Welt nicht ausreichen, um die paar Millionen Dollar Schulden zu begleichen. Man raubt Russland also aus, macht also Russland im Ausland „nackich“.
 
Es wird somit im großen Rahmen der Raub fortgesetzt, der jetzt bereits im Zusammenhang mit russischen Privatpersonen, den sogenannten Oligarchen, betrieben wird.
 
Aber es gibt noch andere Folgen. Während sich die USA am russischen Eigentum bereichern und wieder mal der lachende Dritte ist, wird Europa in die nächste Katastrophe schlittern. Obwohl, noch gibt es ja keine erste Katastrophe für Europa, sie steht erst noch bevor. Aber sie wird sich verschärfen, denn Russland wird, als Pleitestaat, nun gar nichts mehr liefern und wird auch für nichts mehr bezahlen. Auch russische Firmen, die im Ausland Verpflichtungen haben, können nichts mehr bezahlen. Die jetzt schon von europäischen Politikern und Wirtschaftsexperten angekündigte Katastrophe, wird also zur Superkatastrophe – für Europa und auch für den kleinen steuerpflichtigen EU-Bürger, der den Stromschalter noch öfter nach unten drücken muss, der noch bewusster im Supermarkt einkaufen geht und der sich ganz bestimmt an sein verrostetes Fahrrad im Keller erinnert, denn Autofahren wird zum puren Luxus.
 
Nach der, von den USA provozierten „unechten“ Staatspleite Russlands, werden alle in Europa spüren, dass der Euro nur noch 50 Cent wert ist. Das entwickelte Europa wird sich in einer schwierigen Lage befinden, denn es muss das retten, was es aufgebaut hat und das sich jetzt in einer Superkrise befindet. Russland befindet sich bereits in einer Krise und um aus dieser rauszukommen, muss aufgebaut werden. Arbeit ist somit in Hülle und Fülle vorhanden. Arbeitslosigkeit wird ein Fremdwort. Man müsste fast dankbar für diesen anstehenden „theoretischen Default“ sein.
 
Man ist also einerseits theoretisch pleite, andererseits schwimmt man im Geld und drittens wird die russische Wirtschaft einen Riesenaufschwung nehmen. Die Bevölkerung erhält ein gutes Gehalt, der Staat nimmt ständig die Indexierung der Renten und Sozialleistungen vor, aber die alten Verpflichtungen, wie Kredite, bleiben bestehen, so wie vor dem Default und lassen sich sehr leicht mit den indexierten Gehältern und Renten abbezahlen - wenn man es klug anpackt. Der Wohlstand der russischen Bürger wächst.
 
Erinnern wir uns zum Abschluss noch schnell an die Worte von Deripaska, einem der russischen Oligarchen, der in der vergangenen Woche meinte, dass Russland zehn Jahre braucht, um zu einem souveränen, reichen Land zu werden. Ich glaube, er hat Recht. Wie der Westen in zehn Jahren ohne Russland aussehen wird, hat er nicht gesagt.

 

 

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