Das russische nationale NET oder Haltet den Dieb

Das russische nationale NET oder Haltet den Dieb

 

Russland hat beschlossen, sein eigenes nationales Internet zu schaffen, das RuNET. Russland geht damit einen weiteren Schritt, seine Lebens- und Überlebensfähigkeit im Krisenfall sicherzustellen – unabhängig von Dritten. Seitdem diese Pläne bekannt geworden sind, gibt es Versuche, diesen Selbstschutz zu diskreditieren.

 

 

Sie leben in einer Wohnung und diese Wohnung erhält Wasser, Strom, Gas von einem Lieferer. Und es kann durchaus passieren, dass diese Lieferer aus unterschiedlichen Gründen nicht liefern. Deshalb haben sicher viele zu Hause ein paar Kerzen liegen, ein paar Spiritustabletten und auch Wasser in Flaschen – für den Notfall.

Russland macht nun mit seiner Wohnung genau das, was Sie privat auch tun: Absichern.

Das Internet scheint ein internationales Netz zu sein. Alle Staaten dieser Welt sind miteinander verknüpft. Und auch innerhalb des Landes funktioniert nichts mehr ohne das Internet. Über viele Wege, Umwege, Verschlingungen laufen die Datenströme, um irgendwo ein Krankenhaus am Leben zu erhalten, eine Sendestation senden kann, die Autos den richtigen Weg finden. Fällt das Internet aus – was sicher viele schon erlebt haben – ist dies eine Katastrophe.

Aber das Internet scheint nur auf den ersten Blick international zu sein und ist auf keinen Fall unabhängig – wie wir spätestens seit dem Snowden-Fall wissen. Die USA und natürlich auch andere, eng mit den USA zusammenarbeitende Länder, haben Einfluss auf das Internet, schöpfen Informationen ab und haben auch die nötigen Knöpfe, um das Internet in die eine oder andere Richtung abzuschalten.

Spätestens seit dem Jahre 2014, im Ergebnis des Krim-Referendums, versucht der Westen mit verschiedensten Maßnahmen die positive Entwicklung Russlands zu entschleunigen. Verhindern kann man sie nicht, aber man kann sie verlangsamen und vielleicht hat man auch die Hoffnung, einen Teil der Bevölkerung damit auf die Straße zu bringen, denen die Veränderungen zu langsam gehen. Die Praxis zeigt, dass dies teilweise gelingt.

Eine der westlichen Sanktionen war gegen russische Banken gerichtet. „Visa“ und „Mastercard“ wurden gezwungen, entgegen ihren eigenen Interessen, ihre Tätigkeit in Russland einzuschränken. Das brachte für Banken und Menschen zeitweilig erhebliche Probleme. Russland hat umgehend reagiert und sein eigenes Zahlungssystem unter der Bezeichnung „MIR“ geschaffen. Seitdem dieses System existiert, gab es keine neuen Sanktionen mehr gegen russische Banken.

Russland hatte eine Abwehrwaffe geschaffen.

Danach begannen öffentliche Diskussionen, dass man Russland vom SWIFT abschalten will – einem internationalen Zahlungssystem. Dies hätte zum teilweisen Zusammenbruch des internationalen Zahlungsverkehrs geführt. Das offizielle Russland kommentierte, dass man einen derartigen Schritt als offene Kriegserklärung werten würde. Da Russland keinen Krieg will, hat man sein eigenes SWIFT-System geschaffen und dies wartet nun in Bereitschaft. Da der Westen weiß, dass es dieses RuSWIFT gibt, hütet man sich, das belgische SWIFT für Russland abzuschalten.

Russland hat eine Abwehrwaffe geschaffen.

Und nun geht es um das Internet. Russland befürchtet, obwohl das so deutlich nicht gesagt wird – zumindest habe ich dies nirgendwo so direkt gelesen – dass die USA ihre Macht über das Internet nutzen könnten, um Russland davon abzuschalten. Würde dies passieren, so würde Russland innerhalb einer Sekunde sterben – wortwörtlich, denn es würde innerhalb einer Sekunde in Russlands nichts mehr funktionieren.

Russland will nicht sterben und somit schafft man ein nationales RuNET, welches, wie ein Notstromaggregat, sofort anspringt, wenn das Internet ausfällt. Die gesamte Infrastruktur funktioniert weiter – gut, vielleicht wird in irgendeinem sibirischen Dorf für ein paar Sekunden das Licht flackern.

Das ist der Ausgangsgedanke für das RuNET. Und Russland verfügt bereits darüber. Seit 1. November gibt es nun die notwendigen gesetzlichen Grundlagen, wann dieses RuNET eingeschaltet wird. Die Voraussetzungen wurden veröffentlicht und jeder kann sehen, was geplant ist.

Aber es gibt russische Aktivisten und natürlich auch westliche Demokratien, die diese Informationen nicht verbreiten, sondern nach dem Motto „Haltet den Dieb“, die Sachlage einfach umkehren, d.h. man verbreitet, dass Russland sein eigenes NET schafft, um sich von der Welt abzukoppeln, damit kein äußerer Informationsfluss mehr stattfinden kann.  

Sicher besteht auch diese technische Möglichkeit. Nur man muss sich vorstellen was passiert, wenn 147 Mio. Russen plötzlich vom Internet, ohne logisch nachvollziehbare Gründe, abgeschaltet werden. Das dürfte für größere Unruhe in der Bevölkerung sorgen und das wird niemand riskieren – wozu auch?

Russland wird das RuNET einschalten, wenn es Einwirkungen von außen gibt, mit dem Ziel, die nationale Infrastruktur oder einzelne Elemente anzugreifen und somit die Sicherheit zu beeinträchtigen. Im Gesetz über die Souveränität des Informationssystems sind alle Voraussetzungen aufgeführt, die zu einem solchen Schritt führen. Und jeder kann dies nachlesen – bei Notwendigkeit mit dem Google-Übersetzer.

Nach wie vor besteht der Nachteil Russlands darin, dass nur wenige Menschen in den westlichen Demokratien, die russische Sprache verstehen und somit der einseitigen Information ihrer eigenen Medien ausgesetzt sind. Russische internationale Medien wie „Sputnik“ und „RT“ werden von einem Großteil der Bevölkerung als „Staatsmedien“ empfunden und somit von vielen gar nicht erst eingeschaltet. Ein Großteil der westlichen Bevölkerung beschneidet sich selber in der Notwendigkeit der allseitigen Information. Aber ein Großteil der westlichen Bevölkerung will auch gar keine anderen Informationen. Es ist bequem, wenn man seine Meinung frei Haus geliefert bekommt und man in der, seit Hitler fest verankerten, Gewissheit weiterleben kann: Russland ist böse.

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