Der Rubel rollt nicht mehr. Zentralbank organisiert Sammlung

Der Rubel rollt nicht mehr. Zentralbank organisiert Sammlung
 
Der Rubel rollt schon länger nicht mehr in Russland und die Zentralbank hatte bereits in der Vergangenheit versucht, Sammlungen durchzuführen, um den Umlauf des Münzgeldes wieder zu aktivieren. Anscheinend wurden nur temporäre Erfolge erzielt.
 
 
Vor einigen Tagen war ich gezwungen, irgendwo mal mit Bargeld zu bezahlen. Ich gab einen 5000-Rubel-Schein und erhielt als „Dank“ für meine Zahlungsbereitschaft eine ganze Handvoll Münzgeld zurück.
 
Grafik: Münzgeld der russischen Zentralbank
 
Es war so viel, dass es nicht in meine Geldbörse passte. Zu Hause angekommen, warf ich das ganze Geld in eine Schale, dort wo schon anderes Münzgeld lag. Es ist einfach zu schwer, um es mit sich rumzuschleppen. Ausgeben kann man es auch schwer, denn der Verkäuferin im Supermarkt einen Sack voll Münzgeld hinzukippen, wird wohl den Unmut der hinter mir stehenden Schlange hervorrufen. Im öffentlichen Nahverkehr mit Bargeld zu bezahlen ist auch nicht gut, da die Fahrscheine teurer sind, als mit dem elektronischen Ticket.
 
Wozu dann überhaupt noch Bargeld, dazu noch Münzgeld, benötigt wird, ist somit nicht ganz klar, zumal man für Münzgeld selber, in seiner Nomination, eigentlich nichts mehr zu kaufen bekommt. Die größte Münzgeldeinheit ist die Zehn-Rubel-Münze – dafür bekomme ich weder eine Schachtel Streichhölzer, noch einen Straßenbahnfahrschein. Selbst Babuschka, die am Straßenrand die berühmten Sonnenblumenkerne verkauft, würde Schwierigkeiten haben, die Menge abzuwiegen, die zehn Rubel kostet.
 
 
Aber die russische Zentralbank meint, dass das Münzgeld benötigt wird – unabhängig davon, dass die Produktion teuer ist.
 
Insgesamt, so informierte die Zentralbank, befinden sich rund 68 Milliarden Stück Münzgeld in Umlauf.
 
Im Jahre 2020 hat die Zentralbank rund 1,3 Milliarden Stück Münzgeld produzieren lassen – pro Einwohner Russlands waren das neun Stück Münzen – sagt die Zentralbank. Der Spaß kostete der Zentralbank 3,8 Milliarden Rubel. Und – keine Ahnung wie die Zentralbank das berechnet – nur 46 Prozent des neu produzierten Münzgeldes, kehrte auch wirklich in den Umlauf zurück. Im Jahre 2019 waren es noch 63 Prozent.
 
Die Zentralbank kommentiert, dass der Einzelhandel immer häufiger die Annahme von Münzgeld ablehnt. Es macht einfach zu viel Arbeit und es kostet zu viel Geld, das Geld zu zählen, zu rollen und für das Inkasso vorzubereiten. Klar also, dass es mehr solcher Leute wie mich gibt, die das Geld zu Hause einfach in die Schale werfen und es vergessen. Allerdings ist man erstaunt, wenn man in einer lichten Stunde die Moneten zählt, wieviel Geld da zusammenkommt.
 
Die Zentralbank hat nun zwei Ideen, wie man das Problem lösen kann. Ähnlich dem sozialistischen Subbotnik, der auch heute noch in Russland jedes Jahr durchgeführt wird – also alle raus zur kostenlosen Arbeit an einem Samstag zum Frühjahrsputz, will man den „Tag der Münze“ einführen. An dem Tag werden Münzen von der Bevölkerung entgegengenommen. Wie das ganze organisiert wird, war den Medieninformationen nicht zu entnehmen. Aber kein Mensch wird sich in eine Schlange stellen, um sein Münzgeld 1:1 in Papiergeld umzutauschen … Zeit ist Geld, auch in Russland.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Tote Seelen“
 
Die zweite Möglichkeit, die die Zentralbank testen will, ist ein Münzgeldautomat. Münzgeld rein, Papiergeld raus … oder aber Überweisung auf das Bankkonto. Logisch, dass diese Automaten Geld kosten, gewartet und bedient werden müssen. Der Gedanke selbst ist gut, aber die Banken fragen natürlich, wer den Spaß bezahlen soll und was man selber davon hat – Banken verdienen Geld und sind keine Sozialeinrichtung.
 
Man könnte eine minimale Umtauschgebühr nehmen. Aber wir kennen uns ja selber – wer will schon auf Geld verzichten – selbst wenn es sich nur um ein paar Cent handelt.
 
Die Zentralbank will aber ein Experiment durchführen. Ausgewählt wurde eine Region, wo es die größten Probleme mit Münzgeld gibt. Dort werden die Münzautomaten aufgestellt. Geld für die Münzautomaten hat aber die Zentralbank nicht und so sucht man einen „Technischen Partner“. Wenn ich es richtig verstehe, soll dieser technische Partner auf seine Kosten die Automaten entwickeln, in der ausgewählten Region aufstellen und betreiben. Wenn alles bestens läuft, erhält er den Großauftrag für ganz Russland und verdient dann sein Geld.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker Kurzfilm 1969 „Der 5-Kopeken-Trick“
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