Der ungezogene Sohn des Präsidenten oder Perspektivpolitik

Der ungezogene Sohn des Präsidenten oder Perspektivpolitik
 
Stellen Sie sich vor, Sie sind krank und Ihr Sohn berichtet vor TV-Kameras von Ihrer Krankheit und davon, dass Sie sich nicht wie ein vernünftiger Patient aufführen und keine Ratschläge annehmen. Was würden Sie mit Ihrem Sohn machen?
 
 
Es geht nicht um den Sohn des russischen Präsidenten Putin, denn er hat keinen Sohn. Es geht um den Sohn von Sascha, um den Sohn von Alexander Lukaschenko Nikolai, ein junger, sehr junger Mann, der im vergangenen Jahr seinen Vater bei vielen Reisen und offiziellen Anlässen begleitete und die Aufmerksamkeit der Medien und nicht nur der, hervorrief.
 
Foto: Nikolai Lukaschenko
 
Nikolai Lukaschenko, der, wenn man den Fotos und sonstigen Informationen glaubt, ein Superverhältnis zu seinem Vater hat, …
 
Videoeinspielung: Nikolai und Alexander Lukaschenko im Interview mit „Rossia 1“
 
plauderte in einem Interview über seinen Vater, welcher im Sommer eine Covid-Infektion überstand. Er meinte, dass sein Vater ein schlechter Patient war und alle Behandlungsmethoden abgelehnt habe, die ihm die Ärzte vorgeschlagen hatten.
 
„Er hat nicht das gemacht, was notwendig gewesen wäre. Du sagst ihm, was notwendig ist zu tun, bringst Fakten bei und nennst konkrete Beispiele für mögliche Folgen, wenn er es nicht tut. Das bringt ihn nur noch zu mehr Ablehnung zu den Behandlungsmethoden“, - so Nikolai.
 
Die Krankheit habe die Gesundheit seines Vaters, des Präsidenten Belarusslands, sehr stark angegriffen, was sich auf seine Rede an die Nation am 4. August ausgewirkt habe.
 
Bekannt wurde, dass Alexander Lukaschenko im Dezember abgelehnt hatte, sich impfen zu lassen. Er befinde sich in der Gruppe der Skeptiker zu einer Impfung.
 
Versucht man diese Nachricht zu analysieren und einzuordnen, kommt man zu verschiedenen Erkenntnissen.
 
Mein erster Eindruck war, dass man das Volk langsam darauf vorbereitet, dass Alexander Lukaschenko aus dem politischen Leben ausscheiden wird. Im Januar 2022 wird es mit großer Sicherheit einen anderen belarussischen Präsidenten geben. Aber wer wird es? Weit und breit ist niemand zu sehen … außer Sohn Nikolai, der aber niemals als Erbe des Präsidentenstuhles genannt wird. Er ist einfach nur optisch präsent. Wohl nur wenige in Belarussland werden einfach so zustimmen, wenn Alexander geht und Nikolai kommt, Lukaschenko aber bleibt. Es sei denn, Nikolai profiliert sich als eine Art Vater-Kritiker und erwirbt sich über diesen Weg die notwendigen Sympathien.
 
Andererseits, so mein zweiter Eindruck, wohl der richtigere Eindruck, war es die Aufgabe von Nikolai, der Bevölkerung mitzuteilen, dass die Gesundheit des Vaters angegriffen ist und im Interesse eines langen Lebens seines Vaters und natürlich im Interesse des Landes, wird er dann, irgendwann im Verlaufe des Jahres, aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten und den Weg zu Neuwahlen freimachen.
 
Weiterhin teilt uns Nikolai mit, dass es überhaupt keinen Sinn macht, auf seinen Vater Druck auszuüben, denn unter Druck macht er gar nichts, sondern genau im Gegenteil, reagiert diametral ablehnend, selbst wenn Vorschläge vernünftig erscheinen. Anscheinend, was einer gewissen Logik entspricht, will er den Vorschlag machen, will er als Initiator der politischen Prozesse in Belarussland vor der Öffentlichkeit stehen.
 
 
Grafik: Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko im Gespräch
 
Somit überraschen seine Äußerungen zur Valutaunion mit Russland nicht. Vielleicht verfolge ich die Medien zu dieser Thematik nicht aufmerksam genug, aber über eine Valutaunion, die natürlich im Zusammenhang mit der Schaffung eines einheitlichen Staates ebenfalls durchgeführt werden muss, ist bisher so gut wie nichts berichtet worden.
 
Videobegleitung: Alexander Lukaschenko im Gespräch mit russischem TV-Sender „Rossia 1“
 
Jetzt berichtet Lukaschenko im zentralen russischen Fernsehen darüber und meint, dass diese im Prozess der Staatenintegration zu erfolgen hat. Gegenwärtig gibt es noch keine Aktivitäten in dieser Richtung – so Lukaschenko. Also ist er derjenige, der Erste, der diese Aktivitäten anregt? Und er ergänzte gleich, dass weder die belarussische noch die russische Zentralbank irgendwelche Schwierigkeiten bei der Einführung einer einheitlichen Valuta sehen.

 

Seine weiteren Darlegungen im Interview mit dem russischen TV-Sender passen sich gut in seine bisherigen Überlegungen ein. Er hatte erklärt, dass er bereit ist, von seinem Amt zurückzutreten. Dies kann aber nur auf der Grundlage der Verfassung geschehen. Die jetzige Verfassung ist zum Rücktritt gut, für einen Neuanfang jedoch nicht. Und deshalb braucht Belarussland eine neue Verfassung. Die wird bis Ende 2021 fertig sein – sagt Alexander Lukaschenko. Dann gibt es ein Referendum. Und dann werde man weitersehen.

 

 
Und für politisch Interessierte lohnt es sich ganz bestimmt von Zeit zu Zeit mal zu schauen, was denn Nikolai so alles macht. Dass dieser junge Mann mit Sicherheit kein Schlosser in einem Staatsbetrieb wird, dürfte allen klar sein.
 
 
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Kommentare ( 1 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 14. Januar 2021 02:31 pm

    Николай Александрович Лукашенко, третий сын президента Республики Беларусь Александра Лукашенко
    Родился: 31 августа 2004 г. (16 лет), Минск, Беларусь
    Родители: Александр Григорьевич Лукашенко, Ирина Степановна Абельская
    Also, das Söhnchen ist erst 16 Jahre alt. Ich weiß nicht, welche untere Altersgrenze für einen Präsidenten Belorußlands festgelegt ist, aber bestimmt nicht unter 30 Jahren. Vermutlich fällt ihm die Aufgabe als "besorgten" Sohn zu, so ab und zu die Öffentlichkeit über die Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Vaters in irgendeiner passend legendierten Form zu informieren.
    Aber ich glaube kaum, daß diese Rechnung aufgehen wird. Das ist bloße Zeitschinderei, um neue Pläne zur Erhaltung der präsidialen Macht umzusetzen. Ich vermute mal, daß es Kräfte gibt in Belorußland, die sich diese Schlitzohrigkeiten nicht länger gefallen lassen, weil sie um die Gefahr einer westlichen Farbenrevolution wissen, die jetzt gerade noch einmal abgewendet werden konnte.

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