Deutsch-Russische Scheidung nach jahrelangem Ehekrach

Deutsch-Russische Scheidung nach jahrelangem Ehekrach

 

Nein, Deutschland und Russland sind nicht miteinander verheiratet – was für ein Glück für Russland. Somit können sie auch nicht geschieden werden. Es gibt noch nicht einmal eine Lebensgemeinschaft, wie mit Weißrussland. Das gegenwärtige Verhältnis könnte man vielleicht mit „Guten Tag und Guten Weg“ charakterisieren. Aber nun sollen auch die Wege andere werden. Na dann Tschüss.

 

 

„Kommersant“ berichtet über Pläne der russischen Firma „Kraftmaschinen“, aus einem russischen Gemeinschaftsunternehmen mit „Siemens“ auszusteigen. Die Firma hält 35 Prozent der Gesellschafteranteile und will sich von diesen trennen. Man spricht von einem Finanzwert von weniger als 10 Mio. USD.

Bei einer derartigen Summe ist also das Geld an sich nicht der Fakt, der die Wirtschaftswelt in Alarmbereitschaft versetzen müsste. Es sind Erdnüsschen – für beide Partner in dem Gemeinschaftsunternehmen, wie vielleicht in Deutschland formuliert werden würde.

Wichtiger ist der Fakt an sich, dass „Siemens“ als repräsentatives deutsches Unternehmen, seinen russischen Partner verliert. Und die Initiative zur Trennung geht von russischer Seite aus.

Grund für die Trennung sind die Ereignisse um die Krim im Jahre 2014 und die damit im Zusammenhang stehenden Sanktionen der USA, die natürlich von deutscher Seite unterstützt werden.

Das Gemeinschaftsunternehmen produziert Gasturbinen. Zwei dieser Turbinen sind nach 2014 auf verschlungenen Wegen auf die Krim gelangt, um dort Energieprobleme zu lösen. „Siemens“ beschuldigt den russischen Partner, dass dieser ihn ausgetrickst habe und prozessiert in Russland.

Nach dem Motto: „Ist das Image ramponiert, lebt es sich ganz ungeniert“, hat wohl der russische Partner die letzte Zeit genutzt, um eine eigene Gasturbine zu entwickeln. Ein ganz typisches Beispiel für das jetzige Sanktions-Russland. Vor 2014 suchte man sich westliche Partner, um möglichst bequem irgendetwas zu produzieren und Geld zu verdienen. Westliche Partner hatten die Technologien und das Geld, die russische Seite hatte irgendwelche Produktions-Schrottimmobilien, die man aufmöbeln konnte und hatte Beziehungen für die Vermarktung der Gemeinschaftsprodukte in Russland.

Man brachte sich aber mit einem derartigen Vorgehen in westliche Abhängigkeit. Solange alles Friede, Freude, Eierkuchen ist – bitte schön. Aber im Rahmen der Sanktionen bekamen die Russen schmerzlich diese Abhängigkeit zu spüren und mussten schnell handeln.

Seit diesem Zeitpunkt geht es mit der russischen Wirtschaft aufwärts. Intensives Nachdenken, finden von Problemlösungen, Investitionen russischen Geldes in die eigene Wirtschaft … eine ganze Kette von positiven Ereignissen.

Dazu kommen die Gegensanktionen, die Russland gegen westliche Staaten eingeleitet hat. Hierbei geht es nicht nur um die Landwirtschaftssanktionen, die allgemein bekannt sind, sondern auch um Sanktionen auf technologischem Gebiet – so unwahrscheinlich wie dies auch klingen mag. Schon Lenin proklamierte: „Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“. Und Russland ist seit 2014 zwei Schritte rückwärts gegangen, um nach kurzer Zeit kräftig wieder voranzuschreiten.

So gibt es in Russland ein Verbot der Teilnahme von Firmen mit mehrheitlich ausländischem Kapital, an der Modernisierung des Energiesystems Russlands. Und beim genannten Gemeinschaftsunternehmen hält „Siemens“ die Mehrheit.

Weiterhin verbietet der Gesellschaftervertrag zwischen „Siemens“ und „Kraftmaschinen“, dass sich „Kraftmaschinen“ mit der Entwicklung einer eigenen Gasturbine beschäftigt. Aber genau das will „Kraftmaschinen“ tun, denn sie will Geld verdienen. Im Gemeinschaftsunternehmen kann man kein Geld mehr verdienen und somit wird das Unternehmen sinnlos.

Beide Partner müssen nun, entsprechend dem Gesellschaftervertrag, sich im Verlaufe von zwei Monaten über den Kaufpreis einigen. Gelingt dies nicht, wird eine unabhängige Organisation zur Wertberechnung hinzugezogen.

 

 

Kommentiert wird, dass der reale Wert des Aktienpaketes wohl nur um die fünf Millionen USD beträgt. Es besteht im Gemeinschaftsunternehmen an sich kein vollständiger Produktionszyklus, sondern es findet nur ein Zusammenschrauben von Teilen statt, die aus Deutschland angeliefert werden. „Siemens“ selber weigert sich, einen vollständigen Produktionszyklus in Russland zu schaffen. Und gerade hierin besteht für Siemens die Schwierigkeit, einen neuen Partner zu finden. Entsprechend der russischen Gesetzgebung ist „Siemens“ verpflichtet, die Anteile des russischen Partners aufzukaufen und dann einen neuen russischen Partner zu suchen. Nur welcher russische Partner will in eine Firma einsteigen, die jederzeit aus politischen Erwägungen die Produktion einstellt? Wer braucht eine Firma, die in Russland keine Chance hat, an Staatsaufträge oder wirklich interessante Aufträge zu kommen?

Und natürlich hat „Kraftmaschinen“ in den letzten Jahren nicht gefaulenzt, sondern wohl längst eine eigene Gasturbine entwickelt, denn man steigt nicht einfach einmal nur so aus, aus einem Gemeinschaftsunternehmen, wenn man keine eigene neue Perspektive hat.

Und wenn „Kraftmaschinen“ kein Geschäftspartner von „Siemens“ mehr ist, dann sind sie Konkurrent – mit allen daraus entstehenden Folgen – wohl nicht nur in Russland.

Allerdings gibt es Gerüchte – so schreibt „Kommersant“, dass „Gasprom Energoholding“ sich für das Gemeinschaftsunternehmen interessiert. „Gasprom Energoholding“ hatte bereits im Jahre 2019 ein großes russisches Unternehmen zur Produktion von Gasturbinen aufgekauft – die „REP-Holding“. Steht die Frage, wozu „Gasprom“ dann noch „Siemens“ braucht. Und da kommt mir dann das Vorgehen deutscher Unternehmen ab 1990 im wiedervereinten Deutschland in den Sinn, die in der ex“Sowjetischen Besatzungszone“ Unternehmen aufgekauft haben mit dem Ziel, diese sterben zu lassen und sich somit von möglicher Konkurrenz zu befreien.

Somit bleibt wohl nur noch „Tschüss Siemens“ zu sagen.

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