Deutsche Autos fluten Kaliningrad

Deutsche Autos fluten Kaliningrad
 
Es fällt vielen auf, dass in den letzten Wochen die Anzahl deutscher Autos in Kaliningrad rasant zunimmt. An der Grenze sorgt dies unter den Reisenden für Unmut, denn viele verstehen nicht, was diese Deutschen in so großer Anzahl in der Blockadestadt Kaliningrad wollen. Baltische Welle hat das Geheimnis lüften können.
 
 
Als ich Anfang August nach Deutschland fuhr, erstaunte mich die völlige Leere des Grenzübergangs Mamonowa-2. Kein einziges Auto, außer unserem Bus, wollte nach Polen einreisen. Das hielt die polnischen Grenzbeamten jedoch nicht davon ab, die Kontrolle über mehr als drei Stunden auszudehnen, so dass ein Großteil der Buspassagiere ihren Flieger in Gdansk verpassten. Vermutlich haben die Polen abends die Sektkorken knallen lassen, dass es ihnen gelungen war, bei rund 60 Reisenden die Emotionen wallen zu lassen.
 
Zwei Tage später teilte sich ein anderer Deutscher über die sozialen Netzwerke mit. Er war eine zeitlang in Kaliningrad und wollte nun nach Österreich. Er schrieb, ausgestattet mit einer Serie von Fotos, dass man nun schon sieben Stunden am Grenzübergang stehe und die Autos sich keinen Millimeter bewegt haben. Rund 90 Prozent, so schrieb es der Deutsche, sind Fahrzeuge mit deutschem Nummernschild.
„Was wollen die alle hier? Die organisieren nur das Chaos an der Grenze“ – kommentierte er.
 
Auch bei anderen Gesprächen teilte man mir mit, dass die Stadt förmlich geflutet ist mit deutschen Autos. Und niemand konnte die Frage beantworten, was die Deutschen alle hier in dieser Blockadestadt wollen.
 
Dann hatte ich etwas in meiner Bank zu erledigen. Man begrüßte mich irgendwie erleichtert. „Sie waren lange nicht bei uns, wir dachten schon, Sie sind nach Deutschland zurückgekehrt.“ Ich konnte die Damen beruhigen: Ich bin niemals so weit vom Gedanken einer Rückkehr nach Deutschland entfernt gewesen, wie in dieser Zeit. Und so begann ein Gespräch über dieses und jenes.
 
Ich schnitt das Thema der Geldüberweisungen an, dass dies jetzt nicht mehr möglich ist. Irgendwie hatte ich die Hoffnung, dass man mir vielleicht doch noch irgendwelche Möglichkeiten vermittelt. Aber dem war nicht so. Und so erzählte ich, wie deutsche Rentner, die irgendwo in Russland leben, nun ihre Schwierigkeiten haben, ihre deutsche Rente zu bekommen. Sie können noch nicht mal nach Deutschland reisen, die Rente in bar einsacken und zurück nach Russland kommen, denn die Ausfuhr von Währungen der Europäischen Union und auch des Dollars sind verboten.
 
Das war neu für die Mitarbeiterinnen der russischen Bank und sie meinten, dass das mit den russischen Rentnern im Ausland anders verlaufe. Die russische Rente kann nicht mehr ins Ausland überwiesen werden. Und so haben sich viele russische Rentner die im Ausland leben, entschlossen, die Rente in Russland abzuholen. Da man natürlich nicht nach Wladiwostok, Moskau, Sotchi oder sonst wohin reisen will, weil dies viel zu viel Geld und Zeit kostet, reist man nach Kaliningrad an – die Stadt der kurzen Wege. Vielleicht verbringt man noch in der russischen Touristenhochburg zwei, drei Tage Urlaub und hebt dabei seine russische Rente ab, die sich im letzten Halbjahr angesammelt hat. Rubel in die Europäische Union aus- und einzuführen ist nicht verboten. Ist man erstmal in Deutschland, tauscht man die Rubel gegen Euro um – entweder offiziell in einer Bank oder aber man tauscht „untereinander“. Irgendjemand fährt immer nach Russland und braucht dort Rubel.
 
Mit anderen Worten: Kaliningrad entwickelt sich nicht nur zu einer Tourismus-Hochburg, sondern auch zu einem Renten-HUB für Russland. Das Ganze funktioniert aber nur so lange, bis auch Polen Schritte unternimmt, um das Kaliningrader Gebiet transporttechnisch zu isolieren. Die stundenlangen, unmotivierten Abfertigungszeiten scheinen eindeutige Signale für bevorstehende Entscheidungen zu sein.
 
Und somit erklärt sich ganz einfach die große Anzahl von „Deutschen“ in Kaliningrad. Es sind aber eigentlich keine Deutschen in Kaliningrad, sondern nur Fahrzeuge mit deutschem Nummernschild. Insassen sind Russen, im besten Fall RusslandDeutsche, die ihre Rente in Russland abholen, um damit in Deutschland die steigenden Gaspreise bezahlen zu können.
 
Sie sahen einen Beitrag von „Baltische Welle“. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Tschüss und Poka aus Kaliningrad
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