Deutsche Bank macht sich Gedanken um Russlands Reserven

Deutsche Bank macht sich Gedanken um Russlands Reserven

 

Die „Deutsche Bank“ hat in der vergangenen Woche den russischen „Fond des Nationalen Wohlstandes“ analysiert und meint, dass dieser Wohlstand in zwei Jahren nicht mehr existiert. Der Kreml kommentierte wenig später, dass es noch viel zu früh sei, sich Gedanken um den russischen Wohlstand zu machen.

 

 

Der Fond existiert seit 2008 und ist ein Teilelement der umfangreichen finanziellen Absicherungen des Landes, die mit Beginn des Amtsantritts des russischen Präsidenten Putin im Jahre 2000 begonnen wurden, zu schaffen – anscheinend in weiser Voraussicht, das im Leben nicht alles immer planmäßig und zufriedenstellend verläuft. Die Ereignisse der Zeit, seit dem Amtsantritt Putins zeigen, dass das Land vieles richtig gemacht hat – wenn wir auf die Ereignisse des Jahres 2008 schauen, also der großen internationalen Finanzkrise, dann das Jahr 2014 und insbesondere die jetzige Corona-Krise.

 

 

Von russischer Seite gab es einige Berechnungen, wie lange denn die angelegten Reserven reichen, denn außer diesem Fond, mit sagenhaften 126 Mrd. USD Bestand, verfügt Russland noch über viele andere Reserven in beeindruckender Höhe.

Der Mindestzeitraum der genannt wurde, bis Russland leere Taschen hat, waren sechs Jahre, der optimistischste Zeitraum wurde mit 10 Jahren genannt.

Die Deutsche Bank meinte, dass in zwei Jahren der Fond des Nationalen Wohlstandes aufgebraucht sein wird und hat das düstere Szenarium eines Ölpreises weit unter 20 USD zugrunde gelegt.

Kommen wir noch kurz auf den Charakter und die Quellen des Fonds des Nationalen Wohlstandes zurück. Es handelt sich um einen Staatlichen Fond, der gefüttert wird aus den Mehreinnahmen des Gas- und Ölgeschäftes. Ausgangsumme sind die Einnahmen, die im russischen Haushalt aus Gas- und Ölverkäufen geplant sind. Alles was darüber hinaus erzielt wird, wandert in diesen Fond. Dieser Fond ist in erster Linie Garantie für das russische Sozialsystem und die stabile und pünktliche Zahlung der Renten. Sollte es zu Krisenzeiten kommen, so greift der Staat auf diesen Fond zurück und überweist die notwendige Summe in die Rentenkasse. Somit treffen die Worte dies kürzlich verstorbenen deutschen Sozialpolitikers Norbert Blüm, wenn schon nicht auf Deutschland, so doch auf Russland zu: „Die Rente ist sicher.“

Die russische Zentralbank hat die Oberaufsicht und die Verfügungsgewalt über diesen Fond und legt das Geld gewinnbringend, auch in ausländischer Valuta oder ausländischen Aktiva an. Der Fond wird auch für risikobehaftete Investitionen verwendet – aber nur dann, wenn diese gute Dividende versprechen.

 

 

Die Deutsche Bank geht in ihren Berechnungen von einem Ölpreis von 15 USD aus und prophezeit das „AUS“ des Fonds in zwei Jahren. Damit widerspricht die Deutsche Bank der Einschätzung russischer Verantwortlicher. Man argumentiert weiter, dass nicht nur der Ölpreis in der Krise ist, sondern die Corona-Krise auch zusätzliche finanzielle Kraftaufwendungen erfordert. Somit ist das düstere Bild der Deutschen Bank realitätsnäher – meint die Deutsche Bank.

 

 

Gehen wir aber davon aus, dass die Deutsche Bank Recht hat, so steht die Frage, wie Russland sich finanziell weiter über Wasser halten will. Und da schauen wir noch schnell hinter die dicken Stahltüren der russischen Zentralbank und sehen dort 2.271 Tonnen Gold glitzern.

Und wenn es Russland zu schade ist, Gold zu verkaufen, dann gibt es immer noch die sogenannten internationalen Reserven. Mit Stichtag April belaufen sich diese noch auf rund 563 Mrd. USD.

 

 

Somit ist klar, dass der Kreml, nachdem er Kenntnis von der Analyse der Deutschen Bank genommen hat, kommentierte, dass es noch viel zu früh sei, irgendwelche wirtschaftlichen Prognosen abzugeben, auch zu möglichen Entwicklungen des Fonds des Nationalen Wohlstandes.

„Jetzt muss man alle Prognosen für die kommenden zwei Jahre mit großer Skepsis betrachten. Es gibt die unterschiedlichsten Analysen …“, - so Dmitri Peskow.

Und als Peskow durch Journalisten befragt wurde, ob denn Russland auch irgendwelche Berechnungen gemacht habe, antwortete dieser, dass es hierfür Leute und Einrichtungen gibt, die dafür bezahlt werden und auch die kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen.

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Kommentare ( 6 )

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 28. April 2020 06:48 pm

    Ein dicker Dank gebührt hier wohl zuerst Alexej Kudrin. Die Analyse der DB scheint wirklich ziemlich düster. Wir werden sehen. Der Blick auf Gold und irgend welchem Geld ist aber nur ein Blick aus dem 19 Jh. Das ist alles ziemlich schnell weg, so wie ein Eisberg bei Sommersonne. Das Problem ist eher, dass das Geld nicht genutzt wurde, um die Probleme der russischen Wirtschaft ernsthaft zu beheben und man defacto im wesentlichen noch immer von Rohstoffen lebt. Das wird sich bitter rächen - durch Corona eben nur noch schneller als gedacht (Fehlentscheidungen wie z.B. die Provakation eines Ölpreiskrieges sind da noch ein zusätzlicher Faktor) .

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 28. April 2020 06:55

      ... Kudrin hat einen Anteil an diesem guten Zustand der russischen Finanzen aus seiner kurzen Zeit als Finanzminister, aber nur einen kleinen Anteil. Kudrin ist - wie Ihnen bekannt, seit fast 10 Jahren nur noch der ewig Nörgelnde auf nachgeordneten Verwaltungsposten (gegenwärtig Leiter Rechnungshof).

      Und dann habe ich wieder mal bemerkt, dass ich anscheinend nicht in der Lage bin, Prozesse in Russland so zu erklären, dass sie für meine Leser/Zuschauer verständlich sind. Deshalb wohl auch Ihre Anmerkung zur Verwendung des "Reichtums". Bei der Verwendung des "Reichstums", so wie Sie es sich vorstellen, lassen Sie außer acht, dass Russland nicht nur Freunde in der Welt hat, die dem Land nichts Böses wollen. Mit Hilfe der geschaffenen Reserven, hat Russland all die negativen Folgen kompensieren können, die andere organisiert haben. Es nützt überhaupt nichts, wenn alles Geld (so wie in Deutschland) irgendwo investiert wird, eine riesige Staatsverschuldung (so wie in Deutschland) angehäuft wird und ein winziger Lufthauch, ausgepustet z.B. durch Sanktionen der USA oder der EU lassen Russland umkippen. Jetzt scheint es eher umgekehrt zu sein ... wobei Russland nicht pustet.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 28. April 2020 12:32 pm

    Wenn dieses Rußland nicht so wäre wie es derzeit eben ist, dann würde der Zorn und die Wut der so enttäuschten ehemaligen "Freunde" Rußlands der Jelzinzeit, der Zeit der Ausplünderung dieses Landes, dieses am Boden liegen, nicht so groß sein. Diese ehemaligen "Freunde" mußten auch einsehen, daß sie mit all den Drohungen, Sanktionen und Boykotten nicht die Wirkung erzielten, die sie erzielen wollten. Der ehemalige US-Präsident und ungerechterweise Friedensnobelpreisträger als Kriegsverbrecher Obama hatte sich ja um sein historisches Ziel betrogen gesehen, die russische Halbinsel Krim mit dem Marinestützpunkt Sewastopol unter US-Flagge zu sehen. Und so ist bisher ein Anschlag der USA und der EU-Nato-Vasallen nach dem anderen vorbei geschossen, weil auch eine sehr gute Finanzpolitik betrieben worden ist, daß man das finanzielle Polster hatte, um diesen Angriffen zu widerstehen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 28. April 2020 12:41

      ... tja, so ist es.

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 28. April 2020 14:11 pm

    @Radeberger
    Schön, das Ihnen die potemkinschen Fassaden gefallen ...

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 29. April 2020 00:38 pm

    Ach ja, Herr Wagner. Aber das hat mit Ihren Ansichten nichts zu tun. Ich habe mich in der Vergangenheit mit diese Problematik ziemlich eingehend beschäftigt. Das hat mit den P - Fassaden gar nichts zu tun. Darüber gibt es ausreichend Fakten, die aber hier zu langwierig wären alles darzulegen. Außerdem, wen es wirklich und wahrhaftig interessieren sollte, was sagen doch die, die der englischen Sprache verbunden sind: Du it jour self!

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 29. April 2020 06:33

      ... da ich kein Englisch verstehe, schalte ich normalerweise keine fremdsprachlichen Kommentare frei. Aber ich gehe mal davon aus, dass das, was Sie geschrieben haben, nichts Unanständiges ist.

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 2. Mai 2020 11:26 pm

    @Radeberger
    Da sie sogar permanent Probleme mit meinem Namen haben, ist mein Vertrauen in Ihre Expertise sehr eingeschränkt. Aber schauen wir in 6 Monaten weiter. Der letzte entscheidende Impuls kam ja durch den Zaren mit dem Forcieren des Öl-Preiskrieges. Alles zusammen (Milliarden im Ausland versenkt, Wirtschaft nicht diversifiziert, Staatswirtschaft+Korruption etc.) ist eine sehr unschöne Mischung - Corona hält an all dem das Feuer an die Lunte. Reserven in der Bevölkerung sind defacto kaum da. Man kann nur hoffen, dass die 90iger keine Renaissance "feiern".

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 2. Mai 2020 11:31

      ... wie oft wurde in den letzten 20 Jahren die Katastrophe in Russland schon prophezeit? Wie oft wurde schon vom Sturz Putins und und und gesprochen ... ? Ich glaube, viele die über Russland und seine Zukunft orakeln, basieren mit ihrem Wissen auf Veröffentlichungen zentral gesteuerter westlicher Medien. Ich lebe in diesem Land mittlerweile 30 Jahre und habe überhaupt nicht - auch heute nicht - den Eindruck, als ob es zu einem Kollaps kommen könnte ... man kann immer nur mit dem Kopf schütteln, wenn man die stereotypen Meinungen liest ...

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 4. Mai 2020 19:22 pm

    Jetzt mach ich den Herrn Werner schon zum Wagner. Wieso eigentlich? Ist irgendwie peinlich. Verzeihen Sie mir bitte. Ich hatte wohl rechts oben etwas von Organisation Wagner aufgeschnappt und gedankenverloren den Namen dann übernommen. Aber mit denen haben Sie wohl nichts zu tun. Denk ich mal so.

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