Deutscher Außenminister: Ich bin heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen …

Deutscher Außenminister: Ich bin heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen …
 
Der Außenamtsleiter der Bundesrepublik Deutschland reiste an die polnisch-weißrussische Grenze, um den dortigen Flüchtlingen mitzuteilen, dass heute ihre Ausreise nach Deutschland beschlossen wurde.
 
 
Video: Grenzsituation Polen-Weißrussland
 
Natürlich ist kein deutscher Außenamtsleiter an die Grenze gereist und natürlich hat keiner der Flüchtlinge, die sich im Grenzgebiet zweier verfeindeter Staaten aufhalten, eine Ausreisegenehmigung oder besser Einreisegenehmigung erhalten.
 
Bei den vielen Informationen, die es gegenwärtig zu dieser Thematik gibt, kam mir nur die Situation des Jahres 1989 in Erinnerung. Ich meine sowohl die Situation in der Prager Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, wohin sich mehr als 3.500 DDR-Flüchtlingen vor der grausamen SED-Diktatur gerettet und auf ihre Ausreise in die freiheitlich-demokratische Bundesrepublik gewartet haben. Wie auch die Situation an der ungarisch-österreichischen Grenze, wo mit einer scharfen Schere der Grenzzaun durchschnitten wurde, damit sich die freiheitsliebenden DDR-Flüchtlinge in Richtung Westen retten konnten.
 
Was tat man damals nicht alles, um diesen armen Flüchtlingen zu helfen.
 
Und heute?
 
Die Situation ist doch fast komplett identisch mit der damaligen.
 
Unter dem Vorwand eines Tourismusaufenthaltes reisten freiheitsliebende DDR-Bürger mit ihrem Auto oder mit dem Zug oder sonstwie in die Tschechoslowakei oder nach Ungarn. Allen in der DDR war klar, was der- oder diejenige plante, wenn diese erzählten, dass sie in diesem Jahr Urlaub am Balaton machen oder sich die Prager Burg anschauen wollen.
 
Die jetzigen Flüchtlinge haben – so vermute ich mal – in den entsprechenden Botschaften oder Konsulaten Weißrusslands ein Touristenvisum beantragt. Sie wollen einfach Urlaub in Weißrussland machen. Weißrussland ist natürlich davon begeistert, denn nach den vergangenen schwierigen Monaten nach den Präsidentenwahlen, kann man jeden Dollar oder jeden Euro gut gebrauchen, den die Touristen nach Weißrussland bringen. Dass diese Touristen aber Weißrussland nur als Transitland nutzen wollen, also das Grenzgebiet zu Polen praktisch so nutzen, wie damals die DDR-Flüchtlinge an der ungarisch-österreichischen Grenze oder in der Prager Botschaft, ist eine Sache, worauf Weißrussland keinen Einfluss nehmen kann – man kann ja nicht in die Köpfe der Menschen schauen, die nach Weißrussland reisen, um Urlaub zu machen. Fragebogen, welche wirklichen Absichten diese Menschen haben, werden wohl auch wenig nützen.
 
Mit einem Mal befinden sich diese Menschen in der Prager Botschaft … äh, nein, tschuldigung, ich bringe hier schon einiges durcheinander. Sie befinden sich im Grenzgebiet zu Polen und wollen weiter nach Deutschland. Und Polen lässt diese Leute nicht rein – weil sie kein Visum haben, vermute ich mal und weil sie nicht die offiziellen Grenzübergänge nutzen. Das haben die damaligen Flüchtlinge auch nicht getan und Österreich und Deutschland haben in der damaligen, sehr schwierigen Situation geholfen.
 
Aber wir wissen ja, dass Polen – das Mitgliedsland der Europäischen Union und größter Nettogeldempfänger, so seine eigenen Vorstellungen von kollektiver Zusammenarbeit in dieser Gemeinschaft hat. Somit ist klar, dass kein Flüchtling legal das polnische Gebiet betreten wird, egal, was die übrigen EU-Länder fordern oder vorschlagen.
 
Schaut man auf die TV-Berichterstattungen mit den vielen Menschen an der Grenze, den Kindern – es können einem schon die Tränen kommen und man fängt an nachzudenken, ob es denn keinen Ausweg aus dieser Situation gibt.
 
Und wieder kommt einem die Situation aus dem Jahre 1989 in Erinnerung. Warum wenden sich diese Flüchtlinge nicht direkt an Deutschland, das Land ihrer Hoffnungen, das Land, welches sie als neuen Lebensmittelpunkt für sich erträumen? Wenn Deutschland damals, im Jahre 1989 helfen konnte, warum nicht jetzt auch?
 
Deutschland hat eine diplomatische Vertretung in Minsk und dort kann man sich hinbegeben, so wie damals die DDR-Flüchtlinge in Prag sich in die dortige Botschaft begeben haben und auch aufgenommen worden sind. Viele der damaligen Flüchtlinge erinnern sich mit großer Dankbarkeit an diese humanitäre Geste der Bundesrepublik Deutschland.  
 
Der deutsche Außenamtsleiter kann mit den zuständigen Behörden in Minsk sprechen, um dann den Flüchtlingen zu verkünden:
 
Wir haben heute ihre Ausreise beschlossen.
 
Video: Prager Botschaft
 
Natürlich sollte die Ausreise aus Weißrussland klüger organisiert werden als damals, als irgendein Starrköpfiger darauf bestanden hat, die Züge mit den Flüchtlingen unbedingt über das DDR-Territorium zu leiten. Es gibt sicherlich andere Eisenbahn- oder Busstrecken, die man nutzen kann, ohne die Sicherheitsbedenken des NATO-Landes Polen anzutasten.
 
Heute habe ich in russischen Medien gelesen, dass auch Putin bereit ist in dieser Krisensituation zu helfen. Er hat verstanden, dass an dieser Situation die europäischen Länder selber schuld sind, aber trotzdem ist er bereit über eine Lösung dieser Sache nachzudenken. Allerdings steht dem wiederum im Wege, dass mal wieder er bzw. Russland an dieser Krise schuld sein soll. In diesem Zusammenhang sprach Putin von kranken und gesunden Köpfen …
 
Video: Putin zur Migrantenkrise (Moskau-Kreml-Putin)
 
Polen, Lettland und Litauen wollen sogar eine Krisensitzung der NATO einberufen. Es wird spannend sein zu beobachten, was in dieser Krisensitzung besprochen und beschlossen wird. Es geht wohl um die Sicherheit Polens und wenn die bedroht ist, … hm, wird dann der Bündnisfall ausgerufen und NATO-Truppen werden entlang der Grenze disloziert? Immerhin beschuldigt Polen nun schon Lukaschenko, dass dieser bereit ist, einen Sturm der Migranten auf die polnische Grenze zu organisieren. Deshalb will Polen auch komplett seine Grenzen schließen. Aufatmen kann man in diesem Fall, weil Lukaschenko wohl kaum seine Überlegungen zur Abschaltung der Gasleitung nach Deutschland umsetzen wird, denn Putin hatte schon kommentiert, dass das kein guter Gedanke ist.
 
Video: Putin zur Migrantenkrise (Moskau-Kreml-Putin)
 
Natürlich hat sich auch die Ukraine zu Wort gemeldet – diesmal gleich die Militärs, direkt von der Front. Dort gibt es die 61. Selbständige Landjägerbrigade. Man werde die Migranten vernichten, wenn diese versuchen, die Grenze zu überschreiten. Dies sind nicht irgendwelche Kraftmeiereien, sondern eine offizielle Erklärung des Pressedienstes dieser Militäreinheit, verbreitet über Facebook. Später wurde dann dementiert. Man werde keine Migranten vernichten, sondern nur die, die sich als Migranten ausgeben. Etwas schwer in der Praxis nachvollziehbar. Sie, die ukrainischen Militärs meinen, dass es Diversanten geben könnte, die sich als Migranten tarnen, um in die Ukraine einzudringen. Um das zu verhindern, hat die Ukraine 8.500 Militärs mit dazugehöriger Technik an dem betroffenen Grenzabschnitt zusammengezogen.
 
Kurz zusammengefasst: Die Lage ist hochexplosiv.
 
Video: Putin zur Migrantenkrise (Moskau-Kreml-Putin)
 
 
 
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Kommentare ( 6 )

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 15. November 2021 20:11 pm

    Wenn man den Propagandameldungen des bundesdeutschen Reichs-Rundfunk und-Fernsehens Glauben schenken kann, dann ist der Lukaschenko da in Minsk ein wirklich schlimmer Finger.
    Da wird doch allen Ernstes erneut und immer wieder behauptet, daß Luka persönlich das organisiert habe, daß diese "Flüchtlinge", die rechtlich betrachtet gar keine sind, zu Hause alles verscherbelt haben, was sie so an Entberlichem besaßen, um nun über einen angeblich sicheren Weg in das Gelobte Land deutscher Zunge in der EU zu kommen. Das ist doch grausam, wie der Luka in Afghanistan, Syrien, Irak oder auch Jemen die Leute dazu zwang, dann in diese Städte zu reisen, von wo eine Fluglinie nach Minsk existiert, nachdem man dann auch noch mit Hilfe von Fluchthelfern sich mit einem Touristenvisum für Belarus versorgt hatte.
    Da frage ich mich doch ernsthaft, wie diesen Nachrichtensprecher/innen zumute ist, wenn sie solchen Schwachsinn auch noch überzeugend in Kamera und Micro sprechen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 15. November 2021 20:15

      ... ja, niemand hat sich bisher Gedanken gemacht, ob diese neue Flüchtlingswelle nicht von westlichen Diensten geschickt organisiert wurde. Hat die Revolution im vergangenen Jahr nicht geklappt, kriegen wir jetzt Weißrussland mit der neuen Flüchtlingswelle klein.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 16. November 2021 10:48 pm

    zu Zeiten der HVA hätte man wohl den faktenbelegten Nachweis geführt, daß es sich nicht um eine geschickt geführte, sondern um eine plump arrangierte Aktion handelt.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 16. November 2021 11:11

      ... irgendwann, gestern Abend, als ich auf Youtube eine ganze Reihe von Kommentaren gelesen hatte, die mir die Freundschaft wegen dieses Beitrags aufkündigten (ich wusste nicht, dass man in Deutschland zwischen Deutschen und Flüchtlingen unterscheidet. Ich dachte, es sind/es waren alles Menschen in Not) kam mir auch der Gedanke, ob es denn wirklich Lukaschenko (natürlich mit Hilfe von Putin) war, der das Ganze organisiert hat. Alle nehmen das jetzt so als (bewiesenen) Fakt hin, so wie man den Fakt "Nawalny-Nowitschok" als bewiesenen Fakt hingenommen hat. Vielleicht handelt es sich wirklich um eine neue "Operation", um das Land zu destabilisieren - diesmal auf Kosten der Polen ...?

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 16. November 2021 13:00 pm

    Ihre humane Einstellung in Ehren, aber es handelt sich hier nicht um die Frage, Menschen in Not zu helfen. Deutschland ohne Konfrontation zu Rußland ist Angstgegner Nr.1. Deshalb werden alle berechtigten nationalen Interessen von Außen unterbunden. Das uns als Grundgesetz aufoktroierte Gebot besagt nicht, daß wir uns als Regulator allen Unrechts, das von anderen weltweit verursacht wird, zu betrachten haben, sondern daß in "unserem" Land nie wieder jemand wegen Meinung, Religion, Rasse, Geschlechtlichkeit usw Nachteile erfährt. Hilfe benötigen Menschen in ihrem gewohnten Umfeld, und nicht dadurch, daß sie perspektivlos bei uns nutzlos verharren, wenn man von wenigen, meist überbewerteten Fällen, absieht. Schon ein Teil der hier aufzubringenden Mittel wäre im Heimatland weit wirksamer. Kaum jemand ist echt asylberechtigt verfolgt, schon garnicht die wehrfähigen jungen Männer unter oftmaliger Zurücklassung von Familie, Frau und Kind. Hauptziel ist die Destabilisierung unseres Landes.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 16. November 2021 13:45 pm

    Das, was Sie im Ausland lebend durch unsere Medien als für Deutschland gültig vermittelt bekommen, ist Gott sei Dank nur breite, aber durchaus nicht stimmige Meinung. Unterschwellig gärt es, und wohl kaum ein vernunftbegabter Bürger ist von der ganzen Gift-Fama , und anderen Potemkinschen Dörfern beeindruckt - immer die gleiche Story, immer die gleichenTrottel des FSB, immer die unschuldigen Freiheits- und Antikorruptionskämpfer. Unser Antibildungssystem hat schon viel, aber eben noch nicht alles erreicht. Man ist auf bestem Weg dahin. Der Muttersprache verlustig kommuniziert man in Kurztwort Denglisch, und ist noch stolz darob. Wie tief müssen wir noch fallen, um dem Prädikat "kulturlos" zu entsprechen, und als Nation aufhören zu bestehen?

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 16. November 2021 20:00 pm

    George Friedman: "Also, das primäre Interesse der Vereinigten Staaten durch das letzte Jahrhundert hindurch – also im Ersten, Zweiten und im Kalten Krieg – sind die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland gewesen, denn vereinigt wären diese beiden die einzige Macht, die uns bedrohen könnte – und daher sicherzustellen, dass das nicht passiert."
    "„Es war das Ziel der US-Politik der letzten hundert Jahre, jeden Ansatz einer europäischen Supermacht frühzeitig zu zerschlagen“.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 16. November 2021 20:02

      ... das Mitteilungsbedürfnis der Amerikaner ist manchmal verblüffend. Und sogar die Deutschen können das alles lesen und ziehen daraus keinerlei Schlüsse.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 17. November 2021 08:47 pm

    das stimmt nicht - sie ziehen die für uns schadenbringenden Schlüsse.

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