Deutsches Generalkonsulat jetzt in „Königsberg“

Deutsches Generalkonsulat jetzt in „Königsberg“

 

Vermutlich weiß es der neue deutsche Generalkonsul in Kaliningrad noch nicht. Und das Auswärtige Amt in Berlin wird es auch noch nicht wissen. Aber die deutsche Zeitung „Main-Echo“, beheimatet in Aschaffenburg, weiß es – das Generalkonsulat befindet sich jetzt in Königsberg.

 

 

Mit ein wenig Verspätung, am 7. November 2019, berichtete die deutsche Zeitung über eine gesellschaftliche Veranstaltung, die schon vor ein paar Wochen stattgefunden hat. Sie war skandalbehaftet, denn im Rahmen des 100jährigen Jubiläums des Flugplatzes Devau, landete auch ein Flugzeug mit Tarnanstrich und historischem Balkenkreuz auf dem ältesten Zivilflugplatz Europas. Der Pilot, ein Deutscher, dachte, dass er in Königsberg landet und hatte die Befindlichkeiten der Russen wohl verkehrt eingeschätzt. Der Skandal folgte auf dem Fuß.

Und nun berichtet die deutsche Zeitung – nein, nicht über diesen Vorfall, sondern ganz allgemein über das Ereignis. Dabei kam ein Deutscher zu Wort, für den der Osten schon immer magisch war, der sich schon häufig in Ostpreußen aufgehalten hat. Ein Freund von ihm habe einen Wohnsitz, ein paar Kilometer südlich von Königsberg.

Vermutlich hat der Freund seinen Wohnsitz ein paar Kilometer südlich von Kaliningrad, aber wir wissen ja, dass Deutsche, in ihrer Eigenschaft als Privatperson, nicht immer bereit sind, den geopolitischen Status quo nach dem Zweiten Weltkrieg und der Kapitulation Deutschlands zur Kenntnis zu nehmen und deshalb immer noch Ostpreußen und Königsberg formulieren. Wie sagen die Russen in so einem Fall: „Nu, Bog s nimi“.

Aber wenn deutsche Medien den Status Quo ignorieren, so mache ich mir da doch schon andere Gedanken – egal ob es die „WELT“, der „SPIEGEL“ oder sonst irgendein Provinzblatt ist. Deutsche Medien behaupten doch von sich, objektiv zu informieren. Objektiv heißt für mich, befreit von jeder subjektiven Formulierung und auf der Grundlage von Fakten und Tatsachen.

Und so schreibt die deutsche Zeitung über die russische Exklave, die (Zitat):

„… seit 1946 meist als Kaliningrad bezeichnet wird …“

Rein sachlich hat die Zeitung natürlich Recht, dass seit 1946 die Stadt meist als Kaliningrad bezeichnet wird, denn viele Deutsche, ich erwähnte es schon, können sich nach wie vor nicht mit dem Status Quo abfinden.

Sollte sich die Zeitung mit ihrem Artikel das Ziel gesetzt haben, die Russen zu brüskieren, so ist das Ziel erreicht worden, denn russische Medien berichten über diesen Beitrag.

Und die Zeitung berichtet weiter, dass ein Deutscher dem Königsberger Stadtrat Andrej Kropotkin ein Buch zur Erinnerung geschenkt habe. Und da gleich rechts neben dem Erinnerungsfoto Frau Hillebrandt, stellvertretende Generalkonsulin steht, ist somit klar, dass sich auch das Generalkonsulat ab sofort in Königsberg befindet.

Interessant wäre die Reaktion der deutschen Zeitung zu erfahren, wenn Herr Kropotkin, der Königsberger Stadtrat, einen Freundschaftsbesuch in der gleichnamigen Stadt Königsberg in Bayern macht und dem dortigen „Kaliningrader Bürgermeister“ einen Bildband schenkt. Wie würden die Neu-Kaliningrader in Bayern darüber denken, wenn sich russische Besucher so uncharmant und unwissend verhalten?

Bei diesem Artikel hilft es auch nicht, wenn man versucht, irgendwelche unterschwelligen und vor allem, sachlich nicht richtige Komplimente zu machen. Die Zeitung schreibt:

„Längst hat Königsberg beziehungsweise Kaliningrad einige Kilometer weiter gen Ostsee einen neuen Flughafen. Er ist international aufgestellt und hat in etwa die Bedeutung von Hamburg oder Stuttgart."

Ich bin natürlich Kaliningrader Lokalpatriot, aber unseren Provinzflughafen mit Stuttgart oder Hamburg zu vergleichen, geschweige denn auf eine Stufe zu stellen, würde mir im Traum nicht einfallen.

Wir Kaliningrader nehmen also zur Kenntnis: Für deutsche Medien sind wir Königsberg. Dann warten wir nur noch, heimgeführt zu werden.

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