Deutschland ist nicht mutig – Hallo und Guten Tag Deutschland

Deutschland ist nicht mutig – Hallo und Guten Tag Deutschland
 
Ständige Zuschauer und Leser meiner Informationen kennen das Format „Guten Morgen, Kaliningrad“. Ich bin gegenwärtig in Deutschland und dachte mir, dieses Format für den Zeitraum zu nutzen, wo ich mich in Deutschland aufhalte. Gleichzeitig hoffte ich, Eindrücke über Deutschland und die Deutschen sammeln zu können.
 
 
Jedes meiner „Gute-Laune-Videos“ beginnt mit zwei, drei Kaliningradern, die in die Kamera rufen: „Guten Morgen Kaliningrad“. Und bevor diese in die Kamera sprechen, erkläre ich immer wer ich bin und was ich will:
 
Hallo, ich bin Videoblogger. Ich drehe kleine Kurzvideos über Kaliningrad und suche mutige Menschen, also solche wie Sie, die vor der Kamera laut und mit Emotionen rufen: „Guten Morgen, Kaliningrad“. Würden Sie das tun?“ Und rund 90 Prozent aller so Gefragten tun dies. Toll, diese Kaliningrader.
 
In Deutschland habe ich den Text natürlich etwas modifiziert und gebeten, in die Kamera zu sprechen: „Guten Morgen Deutschland“.
 
Geschätzte hundert Menschen habe ich angesprochen und gefragt, ob sie mutig sind und in die Kamera Deutschland einen „Guten Tag“ wünschen wollen. Fünf haben in die Kamera gesprochen. Alle anderen liefen einfach weiter und ignorierten mich oder man erklärte: „Nein, ich bin nicht mutig“ oder „Ich habe keine Zeit, ich bin nicht fotogen, ich bin kamerascheu, ich möchte nicht ins Internet, ich arbeite und darf nicht antworten“. Ein sehr freundlicher Polizist in Poppenbüttel gab mir den Hinweis, bei seinem Vorgesetzten im Polizeirevier einen Antrag zu stellen und dann könne er mir in die Kamera „Guten Tag Deutschland“ sprechen. Prinzipiell sei er bereit, aber eben nur mit Genehmigung des Revierleiters.
 
Am Eingang zur Hamburger Mönckebergstraße traf ich auf einen Stand von „Amnesty International“ mit drei jungen Leuten, die ja, rein beruflich nichts und niemanden fürchten müssen. Ich wiederholte meinen Spruch, man hörte mir aufmerksam zu, stellte mir viele weitere Fragen. Ungefähr 15 Minuten redeten wir miteinander, ohne dass ich erwähnte, dass ich aus Russland komme. Dann entschlossen sich zwei der jungen Leute einfach zu gehen und die dritte junge Dame meinte, dass jetzt eigentlich ihre Arbeitszeit anfängt und sie keine Privatinterviews geben dürfe.
 
Und so macht sich ein Ausländer – ich bezeichne mich nun schon als Ausländer in Deutschland – Gedanken, warum die Deutschen nicht mutig sind, wovor sie Angst haben, warum sie nicht in die Kamera drei unverfängliche Worte sprechen wollen. Anscheinend haben viele der von mir Angesprochenen irgendwelche negativen Erfahrungen gemacht oder aber haben negative Beispiele des Missbrauchs von Auftritten vor der Kamera erlebt oder davon gehört. Und, ich gebe es zu, selbst die drei unverfänglichen Worte „Guten Morgen Deutschland“ kann man missbräuchlich in Videos einbauen.
 
Ich habe aber den Eindruck gewonnen, als ob die Deutschen ein grundsätzliches Misstrauen entwickelt haben, denn selbst bei Gesprächen mit mir ohne Kamera, Diktiergerät, Papier und Bleistift, war man eher zurückhaltend.
 
Warum?
 
Deutschland, das freiheitliche Deutschland, das demokratische Deutschland, das Land der Superlative, das Land, welches dem Rest der Welt ständig sagt, wie man zu leben hat, ist misstrauisch und hat Angst.
 
Aber wovor hat man denn konkret Angst im Land der Meinungsfreiheit und Demokratie?
 
Was passiert mit Menschen, die interviewt werden und deren Antworten missbräuchlich durch den Interviewer, den Videoblogger genutzt werden? Werden sie vom Staatsanwalt angeklagt? Müssen sie vor Gericht? Werden Sie von der Gesellschaft gemobbt?  Verlieren sie ihren Arbeitsplatz? Und, wenn dem so ist, was ist das für eine Gesellschaft, die so reagiert?
 
Vor wenigen Wochen war ich in Kurgan und hatte dort das gleiche Problem. Kaum einer wollte vor der Kamera „Guten Morgen Kurgan“ sagen. Aber trotzdem war der Anteil der Mutigen in Kurgan größer als der in Deutschland. Man erklärte mir, dass es in Kurgan nur sehr wenig Ausländer gäbe und man nicht an solche Typen wie mich gewöhnt sei. Das Gebiet ist provinziell und Blogger, selbst russische Blogger, gibt es kaum in diesem Gebiet am Tor zu Sibirien. Aber Hamburg ist doch international, weltaufgeschlossen und ganz bestimmt nicht provinziell.
 
Verständnis hätte ich natürlich für Interviewverweigerungen, wenn ich um eine politische Stellungnahme zu den Waffenlieferungen Deutschlands an die Ukraine gebeten hätte. Da bin ich persönlich auch sehr vorsichtig und lehne jedes Interview ab, egal ob mit Kamera oder nur mit Mikrophon. Es gibt nur sehr wenige Journalisten, denen ich vertraue und denen ich Fragen beantworten würde.  
 
Aber da ich kein politisches Interview wollte, sondern nur drei unverfängliche Worte, machten mich die misstrauischen Deutschen doch schon nachdenklich … tja, fast hätte ich misstrauisch gesagt.
 
Sie sahen einen Beitrag von „Baltische Welle“. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Tschüss und Poka aus Deutschland
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Kommentare ( 9 )

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 8. August 2022 12:12 pm

    Uwe, was soll man dazu sagen?
    Meinungsvielfalt und freie Meinungsäußerung werden von der altuellen Politik, den angeblich demokratischen Parteien, den vereinigten und gleichgeschalteten Medien bestimmt.
    Wer anderer Meinung als die Regierung, der Parteien von ehemals links bis fast rechts in trauter Gemeinsamkeit der sogenannten Etablierten und den genannten Medien ist und diese öffentlich vertritt, ist ein Rechter, ein gefährlicher Querdenker, der vom Verfassungsschutz beobachtet werden sollte, auch beobachtet und z.T. auch verhaftet wird. Nur als Beispiel, daß in Verbindung mit dem "anlaßlosen Krieg Putins in der Ukraine" die Buchstaben "V"und "Z" verboten sind, öffentlich zu zeigen. Es gibt in diesem Zusammenhang noch Schlimmeres in dieser Pseudo-Demokratie.
    Diese derzeitigen Regierungs- und Sicherheitsvertreter haben doch jetzt schon einen braunen Bolzen in ihrem Politikerschlüpfer, daß die Menschen diese Ampel-Knechtschaft nicht länger gefallen lassen und diese Typen davon jagen.

  • Rainer

    Veröffentlicht: 8. August 2022 16:24 pm

    Dem alteingesessenen Mecklenburger sagt man ja nach, dass er maulfaul und stur ist. Ich mache da keine Ausnahme und misstraue jedem Fremden. Mal so spontan einen Kontakt auf der Straße herzustellen, stelle ich mir schwierig vor. Ich glaube, die Hamburger ticken da ähnlich. Die zwei Mutigen aus dem Video mögen einen deutschen Pass haben, so hat es doch den Anschein, als hätten sie keine deutschen Wurzeln. Damit dürften sie auch ein anderes Verhältnis zu diesem Land ihrer Wahl haben.
    Wenn ich mich dennoch auf ein Gespräch eingelassen hätte, würde ich heute ganz bestimmt nicht ins Mikrofon und in die Kamera „Guten Morgen Deutschland oder Guten Tag Deutschland“ sagen. Warum soll ich jemanden etwas Gutes wünschen, den ich nicht mag. Auch wenn ich dafür die gegenwärtige Politik verantwortlich mache, sind es doch die Einwohner Deutschlands, insbesondere die Wahlberechtigten in diesem Land, die es letztendlich in der Hand haben, Einfluss auf die jeweils aktuelle Politik zu nehmen.

  • P.Kahle@gmx.de

    Veröffentlicht: 8. August 2022 19:48 pm

    Schade ,das Sie nicht in Kassel sind .Ich hätte , wenn Sie mich gefragt hätten zu dieser Situation in der Welt zu Europa und Deutschland , Offen meine Meinung kundgetan. Es wird Zeit, das alles zu Sprache kommt , was bei uns alles so Falsch läuft in der Politik zum Nachteil in unserem Land . Hier wird , ein Kriegerische wie auch eine Feindliche Politik gegen die Demokratie wie auch Energie gegen die Bürger, betrieben . Alle meine Bekannten und Freunde , kennen meine Meinung . Ihnen weiter , alles gute und Kraft für ihr Arbeit. Ich verfolge , schon seit Jahren, ihre Video wie auch interview Mein Name Peter Kahle

  • Müller-Thurgau

    Veröffentlicht: 8. August 2022 19:59 pm

    Ich glaube, die Leute haben in diesem Fall nicht Angst, sie finden es einfach seltsam, einem Fremden "Guten Morgen, Deutschland!" in die Kamera zu sprechen. Sie wissen ja auch nicht, wo das Video verbreitet werden soll und an wen es sich richtet. Wenn ich nicht wüßte, daß Sie es sind, würde ich es wahrscheinlich auch nicht tun.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 8. August 2022 20:17

      ... aber selbst die zurückhaltenden Kurganer waren "mutiger" und die Kaliningrader sowieso. Es ging ja in dem Beitrag gerade darum, warum die Deutschen so misstrauisch sind ... ich suche dafür eine Erklärung.

  • Peter Nagel

    Veröffentlicht: 8. August 2022 21:48 pm

    Mein Beitrag nochmal vom Telegram:
    Uwe das ist leicht erklärt: Hamburg ist Linksverseucht und wenn mann irgend was falsches sagt, dann bekommt man Besuch von der Schwarz vermummten ANTIFA.
    Dann fackelt man einfach mal dein Auto ab, zerstört dein Geschäft oder bedroht dich bis du nicht mehr kannst!
    Die Menschen haben einfach Angst was falsches zu sagen. Einschüchterungen durch den Staat oder der ANTIFA, Besuch von der Polizei(Hausdurchsuchungen bei Richtern), Beobachtung durch den Verfassungsschutz(Querdenker),Verlust des Jobs und Mediale Ausschlachtung(Prof.Bhakdi) sind hier an der Tagesordnung. So sieht das leider im Besten Deutschland aller Zeiten wirklich aus.
    Wenn friedliche Menschen ob Jung oder Alt auf Demos von der Staatsmacht brutal nieder geknüppelt werden und Wasserwerfer eingesetzt werden, dann weißt du, du lebst nicht in China sondern in Deutschland und das ist die Bittere Realität hier...leider!
    Meinungsfreiheit und Demokratie gibt es leider nicht mehr hier in Dummland!!

  • Müller-Thurgau

    Veröffentlicht: 8. August 2022 21:51 pm

    Sie sind nicht unbedingt mißtrauisch, sie finden es nur komisch oder peinlich.
     
    So sind die Hamburger. ;)

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 9. August 2022 01:44 pm

    Peter Nagel
    Veröffentlicht: 8. August 2022 21:48 pm
    "Uwe das ist leicht erklärt: Hamburg ist Linksverseucht und wenn mann irgend was falsches sagt, dann bekommt man Besuch von der Schwarz vermummten ANTIFA. "
    Ich muß immer innerlich lächeln, wenn solche Parolen in Umlauf gebracht werden, wo man genau merkt, daß die ideologische Verwirrung der Massen der hauptsächlich westlichen Bevölkerung die erhoffte Wirkung erzielt hat.
    Was bezeichnen sie als "links"? Wo verorten Sie eigentlich links? In Hamburg gibt es parteipolitisch wirksam gar kein links. Was sollen solche billigen Begriffe wie "linksverseucht" eigentlich aussagen?
    Sind Sie wirklich der Ansicht, daß die "Antifa" etwas mit "links" zu tun hat? Was die Antifa tut, ist für "links" kontraproduktiv. Oder sehen Sie es als "links" an, wenn diese Typen die Autos von einfachen Leuten, die Läden von kleinen Geschäftsleuten plündern und anzünden? Dann haben - Sie - etwas ganz falsch verstanden. Antifa ist gegen "links" von GD gesteuert.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 9. August 2022 07:53 pm

    Rainer hat mir aus dem Herzen gesprochen, denn diesem Deutschland werde ich so "kein gutes Morgen" voraussagen!
    Mir fehlt diese Erwartung.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 9. August 2022 08:04 pm

    Die Begrifflichkeiten "links" und "antifaschistisch" waren einmal eindeutig definiert.
    Ich kann diese in den Handlungen der sich heute so bezeichneten Akteure nicht erkennen, eher reziprok!

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 9. August 2022 08:11

      ... ja, mir geht es ähnlich.

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