Die merkwürdige Armut in Russland

Die merkwürdige Armut in Russland

 

In Russland soll es Arme und Armut geben. Die Statistik besagt, dass es sehr viele sind. Läuft man aber durch die Straßen der Stadt oder liest aufmerksam in den Medien, so kommt man schnell zu der Frage: „Ja, wo sind sie denn, die russischen Armen?“

 

 

Glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast – so eine Alltagswahrheit. Statistiken sind aber nötig, egal, ob sie gefälscht, geschönt, korrigiert, adaptiert oder sonstwie bearbeitet worden sind. Sie zeigen generell einen Trend auf – auch im „beeinflussten“ Zustand.

Und glaubt man den russischen Statistiken, so sind seit Jahren die Realeinkommen der Russen rückläufig, die Kaufkraft sinkt, alles wird teurer und damit weniger erschwinglich für die Russen. Konsumiert man all diese Nachrichten so, wie sie, sowohl von russischen, wie auch westlichen Medien dargeboten werden, kommt man zu der Überzeugung, dass in Russland das blanke Elend herrscht und die Arbeiter- und Bauernklasse vor Hunger nicht in den Schlaf kommt. Selbst den Reichen in Russland geht es schlecht, denn auch ihr Reichtum stagniert und Millionäre werden nicht zu Milliardären und Milliardäre werden nicht zu Multimilliardären.

Geht man aber auf die Straße, so bietet sich ein ganz anderes Bild.

Ich bin mal in Kaliningrad durch die Straßen gegangen. Gleich vor meiner Haustür gibt es einen der größten Fittnessclubs der Stadt mit einem großen Parkplatz. Der ist vollgestopft mit den Autos derer, die diesen Club besuchen – die armen Russen fahren also mit ihren Autos zum Club, um dort für teures Geld ihren angefressenen Wohlstandsspeck abzutrainieren. Ich selber gehe auch in diesen Club – zum schwimmen und zum Saunabesuch. Und manchmal ist der Andrang so groß, dass man warten muss, damit ein Gerät frei wird – sagte mir ein Bekannter, der sich an den Folterinstrumenten in der zweiten und dritten Etage betätigt.

Ein paar Schritte weiter befindet sich der Supermarkt „Viktoria“, auch mit einem fast immer verstopften Parkplatz. Im Markt sind 20 Kassen und fast immer gibt es Schlangen. Die Einkaufswagen sind vollbepackt. Und für den erstaunten Medienleser steht die Frage: Wie bezahlen die armen Russen das alles?

Wenige Meter weiter ist eine Tankstelle. Hier stehen die Autos Schlange um zu tanken, obwohl die Medien melden, dass Tanken immer teurer wird und deshalb die Russen das Auto lieber zu Hause stehen lassen. In Kaliningrad hat sich das wohl noch nicht herumgesprochen, denn die Staus nehmen immer größeren Umfang an.

Und dann wird gebaut in Kaliningrad, ja eigentlich in ganz Russland. Und die Wohnungen werden verkauft. Wovon kaufen sich die armen Russen die Wohnungen? 93 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes in Russland sind Eigentumswohnungen. Nur sieben Prozent der Russen mieten eine Wohnung. Wovon kaufen sich die Russen die Wohnungen? Selbst wenn man einen Kredit oder eine Hypothek aufnimmt, so müssen diese doch verzinst zurückbezahlt werden. Wovon, wenn doch viele Russen so furchtbar arm sind?

Und es gibt die Aussage von Russen, getätigt im Rahmen von Umfragen, dass das Geld manchmal gerade so ausreicht, um ein Minimum an Essen sicherzustellen.

Wenn man darüber nachdenkt und all das berücksichtigt, was ich bisher gesagt habe, so könnte man schlussfolgern, dass sich die Russen vielleicht einfach nur finanziell übernehmen, so wie das auch mal die Deutschen gemacht haben. Alles wird auf Kredit gekauft und dann fressen Zinsen und Kreditraten alles verfügbare Geld auf und man kann ganz getrost in die Kameras und Mikrophone jammern, dass das Geld nicht ausreicht.

Russische Experten haben noch einen anderen interessanten Umstand analysiert. Im Jahre 2017 begann sich die Einkommenssituation der Russen ein ganz klein wenig zu verbessern – so haben es die Statistiker gemeldet. Und dann setzte in diesem Jahr ein Ansturm auf neue Smartphones ein. Und auch die Russen, bei denen das Geld kaum ausreichte, sich das tägliche Brot zu kaufen, erwarben ein neues hochmodernes Smartphone.

Dann gibt es ja die offiziell registrierten Armen, denen der Staat Sozialhilfe zukommen lässt. Merkwürdig ist, dass, wenn man derartige Familien besucht, feststellt, dass diese über moderne Klimaanlagen in der Wohnung verfügen, fast jedes Familienmitglied einen Computer hat und ein Auto vor der Tür steht. Logisch, dass, wenn man sich all diese Dinge leistet, das Geld für Brot und Butter nicht ausreicht.

Experten kommentieren, dass die wirkliche Armut in Russland wohl weniger als ein Prozent beträgt und nicht – so wie jetzt offiziell verkündet wird, fast 13 Prozent.

Nun wurde bekannt, dass das russische Wirtschaftsministerium, welches seit kurzem auch für die Statistikbehörde verantwortlich zeichnet, einen neuen Gesetzentwurf zur Definition des Begriffs „Armut“ und den daraus resultierenden Konsequenzen erarbeitet hat. Hier wird festgelegt, dass man zukünftig eng mit der Steuerbehörde zusammenarbeiten und Daten austauschen wird. Dann wird es wohl für einige Arme in Russland ganz schön eng – wenn sich auch noch herausstellt, dass man nicht nur nicht arm ist, sondern auch noch Sozialbetrug begangen hat.

Der russische Präsident hat zu Beginn seiner Amtszeit in den sogenannten Mai-Erlassen die Aufgabe gestellt, die Armut bis zum Jahre 2024 zu halbieren. Wenn das Arbeitsministerium und das Wirtschaftsministerium das umsetzen, was angekündigt war, nämlich bis Ende 2020 alle erfassten russischen Armen persönlich zu besuchen und deren Lebensumstände neu einzuschätzen, wird man nicht bis zum Jahre 2024 brauchen, um die Zahl der Armen um die Hälfte zu verringern. Dann könnte man, davon bin ich überzeugt, die Zahl der Armen um mindestens 80 Prozent bis 2021 verringern.

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