Die russische Mafia ist tot. Lang leben die russischen Kriminellen (hinter Gittern)

Die russische Mafia ist tot. Lang leben die russischen Kriminellen (hinter Gittern)
 
Das russische Informationsportal „Lenta.ru“ scheut keine Mühen, um seine Leser regelmäßig mit interessanten Berichten an sich zu binden. Mich bindet dieses Portal seit vielen Jahren. Es zählt zu meinen wichtigsten Informationsquellen. Auch in diesem Fall, wo das Portal über die großen Straffälle berichtet, die im aktuellen Jahr vor dem Richter landen werden.
 
 
Die russische Mafia ist schon lange tot. Wer anderes behauptet, ist einfach aktuell nicht im Bilde. Wobei damit nicht gesagt ist, dass es kein organisiertes Verbrechen in Russland mehr gibt. Die Kriminalitätsstatistik, die, monatlich aktualisiert, vom russischen Innenministerium veröffentlicht wird, zeigt, dass Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte und die Polizei sich um ihren Arbeitsplatz keinerlei Sorgen machen müssen.
 
 
Der letzte Monat des alten Jahres endete mit zwei Paukenschlägen. Zwei aufsehenerregende Kriminalfälle wurden durch russische Gerichte mit dem Fällen von Urteilen zum Abschluss gebracht.
 
In St. Petersburg wurde der Dozent der St. Petersburger staatlichen Universität Oleg Sokolow zu 12,5 Jahren Kolonie verurteilt. Er hatte seine Geliebte getötet, zerstückelt und entsorgt.
 
 
 
In Chita wurde ein wehrpflichtiger Soldat am achtfachen Mord an seinen Kameraden für schuldig befunden. Die Geschworenen hatten ihm zugestanden, dass er nur vermindert schuldfähig ist und Gnade verdient hat, denn die von ihm erschossenen Kameraden hatten ihn monatelang drangsaliert. So drohen ihm jetzt nur maximal 20 Jahre Freiheitsentzug, anstelle von Lebenslänglich. Lebenslänglich in Russland bedeutet, im Unterschied zu Deutschland, wirklich ein Leben lang. Dieser wehrpflichtige Soldat kann, davon bin ich überzeugt, mit der Gnade des Richters und mit den Sympathien eines Großteils der Bevölkerung rechnen. Da über diesen Vorfall sehr ausführlich in den Medien berichtet wurde, dient er auch als abschreckendes Beispiel für diejenigen Soldaten in der russischen Armee, die immer noch nicht verstanden haben, dass das Drangsalieren jüngerer Soldaten jetzt eine Straftat und nun schon nicht mehr Mode ist. Neben der strafrechtlichen Verantwortung, drohen den Drangsalierern also auch mörderische Überreaktionen der Drangsalierten selber.
 
 
Das neue Jahr verspricht ebenfalls reich an spektakulären Gerichtsprozessen zu werden. Ein Teil dieser Prozesse wird, auch da bin ich überzeugt, von westlichen Medien genutzt werden, um das russische Rechtspflegesystem zu diskreditieren.
 
Das beginnt vermutlich schon mit dem ersten Fall, wo bereits im vergangenen Jahr deutsche Medien ziemlich einseitig kommentiert hatten, dass Russland mal wieder die Pressefreiheit einschränkt.
 
 
Der ehemalige Journalist Iwan Safronow wird durch den russischen Sicherheitsdienst des Staatsverrates beschuldigt. Er gehörte lange Zeit zum sogenannten Präsidentenpulk der Journalisten, die den russischen Präsidenten begleiten und über ihn und seine Arbeit berichten. Dann wechselte er die Tätigkeit und wurde Berater des Chefs von RosKosmos. Hier war er nur sehr kurze Zeit tätig. Der FSB informierte, dass der Journalist im Jahre 2017 angeworben worden war und vertrauliche militär-technische Informationen über die Zusammenarbeit Russlands mit afrikanischen Ländern an seinen tschechischen Führungsoffizier übergeben haben soll. Weiterhin habe er Informationen über die russische Armee im Nahen Osten weitergeleitet. Enttarnt wurde er durch den russischen Auslandsgeheimdienst.
 
 
 
Dmitri Sacharschenko, exOberst im russischen Innenministerium, soll in den Jahren 2007-2016 Schmiergeld in Höhe von 1,4 Milliarden Rubel angenommen haben. Im Jahre 2015 ließ sich der exOberst durch einen Unternehmer einen Sotchi-Urlaub mit 800.000 Rubel bezahlen. Im Gegenzug für Schmiergeldzahlungen, schützte der Oberst die Schmiergeldzahler gegen Strafverfolgung. Allerdings ist dies schon der zweite Strafprozess gegen ihn. Im ersten Prozess wurde er zu 12,5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, ebenfalls wegen Schmiergeldzahlungen und Vorteilsnahme. Der exOberst bestreitet seine Schuld in allen Fällen.
 
 
Rauf Araschukow wird des Doppelmordes im Jahre 2010 beschuldigt. Seine Opfer waren der Führer einer Jugendorganisation und der Berater des Präsidenten einer russischen Republik. Er war Senator und soll, gemeinsam mit seinem Vater, eine Verbrecherorganisation zum Diebstahl von Gas im Gesamtwert von 31 Milliarden Rubel gegründet haben. Beide bestreiten jegliche Schuld.
 
 
 
Der US-Bürger Mike Calvi wird des Betruges und des Diebstahls von 2,5 Milliarden Rubel bei der Bank „Wostotchny“ beschuldigt. Seit Herbst 2019 sitzt er in Untersuchungshaft, die im November 2020 aufgehoben wurde. Er befindet sich unter Auflagen in Freiheit. Calvi kommentierte seine Verhaftung als Ergebnis von korporativen Streitigkeiten. Im Verlaufe der Untersuchungen erstattete der Amerikaner bereits 2,5 Milliarden Rubel.
 
 
Die Brüder Magomedow werden beschuldigt, eine kriminelle Vereinigung geschaffen zu haben. Diese hat betrogen und Geld verschwendet. Im Verlaufe von sechs Jahren sollen sie 11 Milliarden Rubel auf die Seite geschafft haben, in dem sie über Scheinfirmen staatliche Aufträge erfüllten und durch überhöhte Rechnungen den Staatshaushalt schädigten.
 
 
Drei Schwestern wird zur Last gelegt, ihren Vater im Jahre 2018 ermordet zu haben. Grund waren die langjährigen Drangsalierungen und sexuellen Vergewaltigungen des Vaters an den Töchtern. Die Ermittlungsbehörden berücksichtigten den hohen Grad der psychischen Belastung der Töchter. Zwei Schwestern werden durch ein Geschworenengericht verurteilt. Die dritte Schwester war zum Zeitpunkt der Tat nur bedingt zurechnungsfähig, so dass diese Angelegenheit durch ein anderes Gericht behandelt wird.
 
 
 
Der nächste Kriminalfall betrifft drei ehemalige Mitarbeiter des russischen Sicherheitsdienstes FSB. Sie werden des Diebstahls von 500 Mio. Rubel beschuldigt. Opfer ist ein russischer Bauunternehmer. Einer dieser drei exOffiziere wird zusätzlich beschuldigt, von einer Bank 850.000 USD Schmiergeld erhalten zu haben, damit gegen die Bank kein Ermittlungsverfahren eröffnet wird. Im Verlaufe der Ermittlungen wurden bei den Beschuldigen 12 Milliarden Rubel beschlagnahmt. Ein Untersuchungsrichter verhängte die Beschlagnahme von persönlichem Eigentum eines der Beschuldigten in einer Gesamtsumme von sechs Milliarden Rubel. Belassen wurden ihm einzig ein paar goldene Manschettenknöpfe, um deren Nichtbeschlagnahme er bat.
 
 
Wadim Belousow wird beschuldigt, die größte Bestechungssumme in der Geschichte Russlands erhalten zu haben – drei Milliarden Rubel. Im Zeitraum 2010 – 2014 hat der Duma-Abgeordnete, gemeinsam mit dem Gouverneur des Gebietes Tscheljabinsk Gelder einer örtlich ansässigen Holding angenommen, um deren Tätigkeit gegen Ermittlungen zu schützen. Ende 2018 wurde seine Immunität aufgehoben, eine Verhaftung wurde durch das Gericht abgelehnt. Belousow weist alle Schuld von sich und gab zu Protokoll, dass seine Partner diejenigen waren, die das Geld erhalten und ins Ausland verbracht hatten.
 
 
 
Ein weiterer Fall betrifft fünf ehemalige Mitarbeiter des Innenministeriums, die im Bereich Moskau tätig waren. Sie werden beschuldigt, Beweise gegen einen Journalisten manipuliert zu haben. Weitere Anschuldigungen lauten auf Amtsanmaßung und ungesetzlicher Handel mit Rauschgift im besonders großen Umfang. Die Anklage beschuldigt die fünf Polizisten dem Journalisten Rauschgift untergeschoben zu haben. Motiv war eine möglichst schnelle Karriere bei der Polizei zu machen.
 
 
Michael Abysow wird des Betruges im Umfang von vier Milliarden Rubel und der Gründung einer kriminellen Vereinigung beschuldigt. Im Jahre 2020 hat die Generalstaatsanwaltschaft bei ihm Aktiva im Gesamtwert von 32 Milliarden Rubel beschlagnahmt. Gegen ihn laufen noch weitere Ermittlungen wegen ungesetzlicher unternehmerischer Tätigkeit und Geldwäsche. Abysow war ehemaliger föderaler Minister zu Fragen der „Offenen Regierung“.

 

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