Die russische nationale Befreiungsbewegung

Die russische nationale Befreiungsbewegung
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Man staunt, was es nicht so alles gibt in dem Land, welches man mit dem normalen Verstand nicht verstehen  und mit der normalen Elle nicht messen kann. Zum Glück lebe ich in diesem Land und sehe mit eigenen Augen, dass dieses Land das Land der unbegrenzten Unwahrscheinlichkeiten ist.

Schon vor langer Zeit habe ich von der Existenz der russischen „Nationalen Befreiungsbewegung“ gehört, aber mich nie damit beschäftigt. Es gab Wichtigeres – z.B. die Geschichte mit dem Deutsch-Russischen Friedenswerk, also Deutschen, die am Stadtrand von Königsberg ein deutsches Dorf bauen wollen und leichtgläubige Deutsche suchen, die sich dafür hergeben, später als fünfte Kolonne missbraucht zu werden, wenn die heiße Phase der Heimholung der leidgeprüften Stadt Königsberg, nebst zugehörigem Gebiet, ins Reich beginnt.

Und plötzlich stößt man auch auf die russische „Nationale Befreiungsbewegung“ … obwohl, manchmal wird man auch gestoßen. Zuerst dachte ich, es handelt sich um eine Nachfolgeorganisation des „BARS“. Sie erinnern sich?

Videoeinspielung BARS

Das ist der „Baltische Vortrupp für den russischen Widerstand.“ Die wollten bestehende Verhältnisse in Kaliningrad ändern und führen jetzt seit rund zwei Jahren einen intensiven Gedanken- und Meinungsaustausch mit dem Staatsanwalt und anderen Ermittlungsbehörden. Ab und zu wird in liberalen Medien mal an diese „politisch Verfolgten“ erinnert.

Nein, die russische „Nationale Befreiungsbewegung“ verfolgt andere Interessen.

Vor wenigen Wochen ging ich durch Kaliningrad spazieren und traf zufällig auf ein kleines Meeting. Es war noch früh am Tag und vermutlich der frühen Stunde geschuldet, dass ich den Eindruck hatte, dort stehen ein paar einsame Rufer im großen Wald.

Videoeinspielung Meeting Kaliningrad

Aus dem Lautsprecher war zu vernehmen, dass alle in Russland Verräter sind: Alle Minister, alle Politiker, alle Wirtschaftskapitäne, alle, einfach alle. Außer einer: Präsident Putin. Er ist der Einzige, der Russland vor dem drohenden Staatsverrat und der Machtübernahme durch ausländische Mächte retten kann.

Und das konnten die Aktivisten über Stunden problemlos verbreiten – in Wort und gedruckter Schrift. Bereitwillig informierte man die interessierten Zuhörer über das Anliegen der Bewegung. Am Rande des Platzes stand ein Polizeifahrzeug deren Insassen mir freundlich zuwinkten, als ich den Wassiljewski-Platz wieder verließ.

Mein Wissensdurst war nicht gestillt, aber meine Neugier war geweckt worden.

Öffentlich zugängliche Quellen informieren, dass der Leiter dieser Organisation Jewgeni Alexejewitsch Fjodorow (Евгений Алексеевич Фёдоров) ist. Er ist auch derjenige, der die Organisation im Jahre 2012 gegründet hat, also unmittelbar nach den Aufregungen auf dem Bolotnaja Platz in Moskau. Der Internetseite der Bewegung ist zu entnehmen, dass man bereits über 184.000 Anhänger hat, darunter wohl einige sehr Prominente.

Fjodorow ist Jahrgang 1963, seit 1993 fast ununterbrochen als Abgeordneter in der russischen Staatsduma, arbeitet in der Kommission für Haushaltsangelegenheiten. Er ist Mitglied der Partei „Einiges Russland“ und dort sogar Mitglied des Politrates. Er hat promoviert und in Afghanistan gekämpft – natürlich zu sowjetischen Zeiten. Heute ist er Oberst a.D.

Somit ist erstmal klar, dass wir es mit einem sehr einflussreichen Mann zu tun haben, denn alleine der Fakt, dass er Afghanistankämpfer war, gibt ihm eine herausragende Stellung in der russischen Gesellschaft.

Er vertritt die Meinung, dass im Zusammenhang mit dem Zerfall der Sowjetunion Russland seine Souveränität verloren hat und jetzt eine Kolonie der USA ist. Die Verfassung Russlands und die jetzigen Gesetze sind alle von amerikanischen Beratern geschrieben worden.

Die Führung des Landes wird durch eine Fünfte Kolonne verwirklicht. Viele Beamte haben eine Ausbildung im Ausland absolviert und haben nach Rückkehr diese Fünfte Kolonne geschaffen.

Auch die Korruption im Lande ist der Arbeit dieser Fünften Kolonne geschuldet.

Auch die russische Zentralbank arbeitet im Interesse der USA.

Als Mitglied der Staatsduma vertritt er die Ansicht, dass die Staatsduma keine Gesetze schreibt, sondern nur beschließt. Die russischen Gesetze werden nach wie vor von westlichen Ratgebern diktiert.

Weiterhin meint er, dass es sehr schwer ist, Menschen einzuschätzen, also die berühmte Frage aller Geheimdienste „Wer ist Wer“ eindeutig zu beantworten, denn jedes Land hat seinen „Stirlitz“ (Stirlitz – legendäre Filmfigur, sowjetischer Aufklärer im deutschen Reichssicherheitshauptamt). Mit anderen Worten: Alle in diesem Land sind Spione, nur ich selber bin keiner.

Und Fjodorow hat konkrete Vorstellungen, wie man diese unhaltbaren Zustände ändern kann. Hierzu gehören eine Verfassungsreform, die Abschaffung des Prinzips, das internationales Recht über nationalem Recht steht und die Schaffung von Mechanismen, um die russischen Medien vor ausländischer Einflussnahme zu schützen.

Insgesamt liest sich die Biographie von Fjodorow wie ein Krimi, wie eine unfassbare russische Utopie – tja, Russland kann man mit dem normalen Verstand nicht verstehen … Und dabei habe ich von der Arbeit der „Nationalen Befreiungsbewegung“ noch gar nicht gesprochen.

Aber wer die russische Politrealität verfolgt wird bemerken, dass einige Vorstellungen von Fjodorow schon Einzug in die Jetztzeit gefunden haben: Nationales Recht wird wieder über internationales Recht gestellt und es gibt einige Gesetze, die den ausländischen Einfluss auf russische Medien bereits einschränken.

Zusammengefasst handelt es sich also bei Fjodorow und seiner Bewegung um  ultrakonservative Kräfte, manche sagen vielleicht auch „Nationalisten“, die einzig und alleine den russischen Präsidenten Putin als Autorität und wahren Retter der russischen Interessen anerkennen. Putin hatte sich vor Jahren selbst als „größten Nationalisten im Lande“ bezeichnet.

Ihre Aufgabe sieht die Bewegung in der Bekämpfung der Fünften Kolonne und die Wiedererrichtung traditioneller Werte in Russland. Und, da wir es hier mit Nationalisten zu tun haben, die überall ausländische Spione und Verräter sehen, ist es schon erstaunlich, dass es eine Zusammenarbeit mit ausländischen Strukturen, auch deutschen Strukturen gibt, die sich ebenfalls als Nationale Befreiungsbewegung bezeichnen. Es gab sogar Treffen in Russland mit einem Gedankenaustausch.

Videoeinspielung Treffen in Moskau

Trotzdem kann ich mir persönlich nicht vorstellen, dass Vertreter dieser Organisation bereit sind, irgendwelche ausländischen, vielleicht sogar deutschen Interessen in Russland zu unterstützen oder zu fördern, vielleicht sogar noch im geopolitisch empfindlichen Kaliningrader Gebiet.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Pilotartikel, also Fortsetzung folgt. Noch bin ich mir nicht ganz sicher über meine Gefühle, aber gewissen Sympathien in den Ansichten dieser Ultrakonservativen kann ich mich nicht ganz verschließen. Um nicht zu irren, werde ich mich weiter mit der Nationalen Befreiungsbewegung beschäftigen … ich halte Sie auf dem Laufenden.

Kommentare ( 0 )

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung