Die Welt verändert sich – insbesondere die Informationswelt

Die Welt verändert sich – insbesondere die Informationswelt

 

Russische Medien sind voll von Informationen über das Corona-Virus. Alle anderen Ereignisse treten hinter diesem kleinen, unsichtbaren Etwas zurück. Nichts, was gestern noch interessant war, was gestern noch die Welt und die Weltgemeinschaft bewegt hat, ist heute noch von Interesse.

 

 

Zu dieser Erkenntnis bin ich in den letzten Wochen, als disziplinierter Selbstisolierer gekommen, der in seinem Wohnungs-Office sitzt und versucht, Interessantes, Wissens- und Erkenntnisvermittelndes für seine deutschen Leser und Zuschauer zu finden.

Aber ich finde nichts, oder doch recht wenig und dachte schon, dass mich mein Jagd- und Fundtrieb verlassen hat. Aber dann veröffentliche „Lenta.ru“ die Meinung eines russischen Wissenschaftlers, eines Virologen, eines Doktors der biologischen Wissenschaften und Professor an der Moskauer Staatlichen Universität. Alexej Agranowski hat dieselben Erkenntnisse wie ich – nichts ist mehr interessant. Alle bisherigen Tagesordnungen sind gegenstandslos geworden oder doch zumindest in ihrer Bedeutung stark herabgesetzt.

Foto: Lenta.ru

Nichts ist mehr über den Kalten Krieg zwischen Russland und dem Westen zu hören – meint er.

Stimmt. Und ich fand es interessant, dass der Herr Professor vom Kalten Krieg als Fakt spricht, der vor Corona19 anscheinend existierte, obwohl die politische Welt dies so nie anerkannt hat.

Es wird nicht mehr darüber debattiert, ob man russische Sportler zur Olympiade zulassen soll oder doch lieber nicht – meint der Professor.

Stimmt. Wobei ja überhaupt die Frage steht, ob die Olympiade stattfindet. Somit hat sich das Thema fast von selbst erledigt.

Der Verräter Rodschenko, Sie erinnern sich? Das ist der, der die Welt über den russischen Sport und das Doping informiert hatte – über den spricht auch niemand mehr.

Und solche Kleinigkeiten wie die nationale Politik der Ukraine ist völlig uninteressant geworden. Alle haben andere Sorgen, als sich mit dem künstlich geschaffenen Problem Ukraine zu beschäftigen.

Der Professor zeigte sich überzeugt und ich schließe mich ihm gerne an, dass die Welt, nach dem Ende der Corona19-Periode, eine andere sein wird, vielleicht wird die Welt sogar etwas klüger sein … nun, am zweiten Teil des Satzes hätte ich doch meine Zweifel. Die Welt ist ja jetzt schon klug, nur eben jeder Teil der Welt auf seine Art und Weise.

Der Professor glaubt erkannt zu haben, dass die jetzigen Vorgänge bewusster und nicht so im Halbschlaf wahrgenommen werden. Man denkt aufmerksamer und konzentrierter nach.

Und auch die Überlegungen des Professors stimmen, denn ich erhielt die Zeilen eines meiner Zuschauer, der aufmerksam meine Beiträge schaut. Er stellt fest, dass ich immer so eklige Bilder von Viren zeigen und er hinterfragt, ob die denn wirklich so aussehen. Ehrlich, ich habe mir da, im Unterschied zu meinem Zuschauer, noch keine Gedanken darüber gemacht. Die Grafiker bieten mir die Bilder an und ich gehe davon aus, dass das alles schon so richtig ist. Also ähnlich wie die deutschen Konsumenten von nichtrussischsprachigen Medien, die auch das Informationsangebot von ARD/ZDF, BILD, Süddeutsche und wie sie alle heißen, einfach so konsumieren: Es wird schon richtig sein, wenn die über das große Elend in Russland berichten.

Und mein Zuschauer sinniert weiter, dass es doch auch schöne Dinge im Leben gibt. Zum Beispiel Sonnenaufgänge. Er kommentiert, dass die schönen Dinge des Lebens sein Immunsystem stärken und das wiederum sein Leben verlängert.

Einspielung Video

Einen Sonnenaufgang kann ich noch nicht anbieten, dafür muss man jetzt in Kaliningrad schon um drei Uhr aufstehen, aber vorerst mein Angebot im Rahmen der vom Moskauer Professor bemerkten veränderte Informationswelt: Ein Sonnenuntergang, mit optimistischer Musik – in der Hoffnung, dass dies alles andere Negative in den Hintergrund drängt.

Und, ehe ich es vergesse! Die Meinung meiner Zuschauer ist mir natürlich wichtig. Deshalb wird es auch weiterhin bei mir eklige Viren geben, aber in einer freundlichen Verpackung …

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