direkt gefragt. direkt geantwortet. Freund, Partner, Gegner, Feind.

direkt gefragt. direkt geantwortet. Freund, Partner, Gegner, Feind.
 
Wieder einmal hat sich ein Zuschauer mit einer Frage an mich gewandt. Er hat bemerkt, dass russische Politiker sehr häufig von „Partnern“ sprechen, wenn sie Länder der westlichen Staaten-Solidargemeinschaft meinen. Er möchte wissen, wie ich diesen Begriff qualitativ werte.
 
 
„Früher sprach Präsident Putin über den Westen, also die Europäische Union oder die NATO von Freunden. Etwas später sprach er von Partnern. Mir fällt es manchmal schwer einzuordnen, wie er das Wort "Partner" meint. Steht die Bezeichnung „Partner“ im Zusammenhang mit den sich, trotz der Sanktionen entwickelnden Wirtschaftsbeziehungen zur Europäischen Union, also geht es nur um wirtschaftliche Partner oder verwendet Putin das Wort „Partner“ auch im politischen Kontext?
In der Europäischen Union, in der NATO im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen wird Russland oder gar Putin nie als Partner bezeichnet.
Gibt es im Rahmen der wirtschaftlichen und politischen Debatte in Russland zum Verhältnis zur Europäischen Union und der NATO eine Diskussion um das Wort "Partner"?
Können Sie dazu eine Einschätzung geben?“
 
 
Soweit zur Frage meines Zuschauers.
 
Ich habe schon mehrmals betont, dass wir hier alle einen Vorteil im Vergleich zu Putin, Lawrow, Schoigu und vielen anderen Politikern dieser Welt haben. Wir können reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist und brauchen keine Rücksichten auf politische Befindlichkeiten zu nehmen. Wir wissen auch, dass die Politik von Befindlichkeiten lebt und nur darauf wartet, dass irgendjemand etwas nicht eindeutig oder korrekt formuliert, um dann daraus einen Skandal zu machen und von anderen Fakten abzulenken.
 
Putin hatte einmal formuliert, dass der Kompromiss Grundlage für jede gute Diplomatie ist.
 
Video: Putin-Zitat zum Kompromiss in der Diplomatie
 
Wir wissen, dass die Mehrzahl der russischen Politiker ausgebildete Diplomaten ist. Zumindest haben sie Kurse durchlaufen und zeigen ihre Qualifizierung wohltuend im Vergleich zu anderen internationalen Diplomaten, die häufig dilettantisch auf der Weltbühne der Politik agieren.
 
Wir können wohl davon ausgehen, dass Putin, Lawrow und Schoigu und all die anderen Verantwortlichen, sehr wohl einschätzen können, wer Freund, Partner, Gegner und Feind ist. In den internen Besprechungen wird mit Sicherheit auch eine andere Sprache gesprochen und es wird – so meine Überzeugung – ganz bestimmt nicht vom Partner Deutschlands gesprochen, weder wenn es um politische noch um wirtschaftliche Themen geht.
 
Wenn von „Partnern“ gesprochen wird, dann sehe ich dies immer wieder als Signal: „Kommt, wir wollen mit Euch arbeiten, lasst uns versuchen dies oder jenes gemeinsam zu lösen“. Das Wort sendet immer noch Signale aus, dass noch nicht alles endgültig verdorben ist. Hört man auf Antworten russischer Politiker währen Interviews, so ist schon klar, dass die Formulierung „Partner“ einfach nur eine diplomatische Formulierung mit Signalwirkung ist.
 
Video: Putin-Zitat „Verdorbenes kann nicht mehr verderben“
 
Dass der Westen, die Europäische Union im Allgemeinen, Deutschland im Besonderen, von den USA ganz zu schweigen, nicht vom „Partner Russland“ sprechen, ist Grundlage der Politik. Russland ist, nach den Vorgaben der USA, undemokratisch, Putin ist Diktator, Russland ist aggressiv … kurz: Russland ist das Reich des Bösen auf dieser Welt. Wie kann also ein Reich des Bösen ein Partner sein? Auch ein Mörder Putin kann kein Partner westlicher Politiker sein. Die westliche Solidargemeinschaft würde ihre Außenpolitik ad-Absurdum führen, wenn man vom „Partner Russland“ oder „Partner Putin“ spricht.
 
Warum man Russland und Putin einerseits so negativ darstellt, aber andererseits die westlichen Politiker Schlange stehen, um sich mit Putin auf internationaler Bühne zu zeigen, kann man wohl als Art Schizophrenie bezeichnen. Alle Politiker wissen natürlich, warum die USA zum Angriff auf Russland geblasen haben … Das putinsche Russland hat den USA die Suppe versalzen, die in der amerikanischen Speisekarte als „Unipolares Allerlei“ zu finden ist.
 
Andererseits verstehen die westlichen Politiker natürlich die wirkliche Rolle Russlands und den Stand den Putin in der Welt hat. Während internationaler Treffen ist dies sehr gut zu sehen. Ein allerletztes Beispiel war doch die Äußerung von Biden vor zwei Tagen, der beleidigt feststellte, dass es sich Putin einfach erlaubte, am G20-Gipfel nicht teilzunehmen. „Die Tundra brennt und Putin kommt nicht, um am Klimagipfel teilzunehmen“ … kommentierte Biden die Abwesenheit desjenigen, den er als Mörder bezeichnet hat. Der „Mörder“ hatte Wichtigeres zu tun, als sich um „Partner“ zu kümmern, die ja in Wirklichkeit noch nicht mal Gegner, sondern Feinde sind.
 
In Russland habe ich noch nicht bemerkt, dass man sich große Gedanken um die Formulierungen „Partner“ macht. In meinem Bekanntenkreis verfolgt man die aktuelle Tagespolitik und bezeichnet Länder und Politiker mit allen Worten, die der reiche russische Wortschatz hergibt. In meinem Bekanntenkreis gibt es – wenn ich denn die richtige Übersicht habe – keinen einzigen Diplomaten. Und auch ich bin kein Diplomat, ich bin noch nicht einmal diplomatisch.

 

 

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