Dolch im Herzen - Verblutet Westeuropa durch den Kaliningrad-Dolch?

Dolch im Herzen - Verblutet Westeuropa durch den Kaliningrad-Dolch?

 

Am vergangenen Wochenende machten Äußerungen eines Beraters des amerikanischen Präsidenten in den russischen Medien die Runde. Gefunden wurden die Äußerungen in der BILD-Zeitung in Deutschland, die ein Interview veröffentlicht hatte.

 

 
Der Sicherheitsberater des US-Präsidenten hat die militärische Infrastruktur im Kaliningrader Gebiet in einem Interview als „Dolch im Herzen Europas“ bezeichnet. Er glaubt zu wissen, dass die Verantwortlichen in Russland in der Kaliningrader Region eine gewaltige Menge an Raketen und anderer Bewaffnung konzentriert haben – alles gerichtet gegen die Verbündeten der USA in Europa, insbesondere jedoch gegen die baltischen Staaten.
 
Russland hat, so der US-Sicherheitsberater, Kaliningrad zu einer geschlossenen Militärbasis gemacht.
 
Im weiteren beklagt er sich, dass Russland, trotz eines bestehenden Vertrages über den „Offenen Himmel“, keine Flüge über dem Kaliningrader Gebiet gestattet.
 
Und der Herr Sicherheitsberater parliert in dem Interview über, durch Russland nicht genutzte Möglichkeiten, Kaliningrad zu einen HUB für Handel und Tourismus zwischen Russland und Westeuropa zu machen.  
 
Während einer militärmedizinischen Ausbildung, die ich vor vielen Jahren durchlaufen habe, wurde mir beigebracht, auf keinen Fall einen Fremdgegenstand bei einem Verletzten aus dem Körper zu entfernen, denn der Verletzte könnte dann verbluten. Verbleibt der Fremdkörper, dient er bis zur Möglichkeit einer qualitativen Operation, wie eine Art Pfropfen, der den Verletzten am verbluten hindert.
Da also Kaliningrad der Dolch im Herzen Europas ist, sollten die Amerikaner diese altbekannte medizinische Weisheit beachten: „Dolch Kaliningrad weg, Patient Europa tot.“
 
Videoeinspielung
 
Über die Menge der angesammelten Militärtechnik, kann ich mir als Kaliningrader Zivilist kein Urteil erlauben. Ich sehe jedes Jahr viermal Iskander-Raketen, Wal-, Bal- und S-400-Raketen, einen Panzer T-34, und viele Militärmusiker im Rahmen der Vorbereitung und Durchführung der Militärparade, anlässlich des Sieges im Zweiten Weltkrieg.
 
Aber es ist sicherlich unstrittig, dass sich in den letzten Jahren, nachdem das Kaliningrader Gebiet bis zum Jahre 2012 fast völlig demilitarisiert worden war, wieder einiges getan hat, um die Sicherheit wieder zu verbessern.
 
Grafik: Karte Russland und Baltische Nachbarn
 
Unklar ist mir persönlich, warum sich diese Militärstruktur, insbesondere die Raketen, in Kaliningrad, gegen die baltischen Staaten richten soll? Ich bin kein Spezialist auf diesem Gebiet, aber mir scheint, dass die Militärstruktur im russischen Mutterland, unmittelbar gelegen an den Grenzen zu Lettland und Estland, die Aufgabe hat, im Falle eines Konfliktes für die Unverletzlichkeit der russischen Grenzen zu sorgen. Die Militärstruktur in Kaliningrad scheint mir bestens geeignet, Polen und Litauen Grenzen aufzuzeigen und den Landweg für NATO-Truppen ein wenig unpassierbarer Richtung Ostfront zu machen.
 
Grafik: Zitat Stalin über die Angriffsfähigkeit der Sowjetunion
 
Und was den „Offenen Himmel“ anbelangt, den die Russen verschlossen haben sollen … Gehen wir einfach mal davon aus, dass dem wirklich so ist und die bösen Russen mal wieder den NATO-Tauben das Fliegen nicht gestattet haben. Selbst Nicht-Militärs wissen, dass man heute, um ein Gebiet aufzuklären, nicht über dem Gebiet fliegen muss. Die Amerikaner fliegen schon seit vielen Jahren nicht mehr über dem Kaliningrader Gebiet im Rahmen des Vertrages „Offener Himmel“ – kommentieren russische Fachleute. Sie, die Amerikaner oder andere NATO- und nicht NATO-Partner, fliegen fast täglich entlang der russischen Grenze im Bereich Kaliningrad im neutralen Luftraum und klären auf und haben an Bord genau die Technik, die man braucht, um alles zu sehen und zu hören. Und das, was diese Flugzeuge nicht aufklären, wird aus dem Weltraum aufgeklärt. Das gegenwärtige Gejammere über die bösen Russen ist also nur wieder das Übliche: Haltet den Dieb.
 
Videomontage
 
Und der Herr US-Berater spricht von Kaliningrad als einer geschlossenen Militärbasis. Das ist etwas unverständlich. Erst im vergangenen Jahr hat Kaliningrad das kostenlose elektronische Visum eingeführt und Zehntausende sind gekommen – allerdings keine Amerikaner, die sind, gemeinsam mit den Briten, von diesem Visaregime ausgenommen und dürfen nur mit kostenpflichtigen Touristenvisa nach Kaliningrad einreisen. Was also meint der Herr US-Sicherheitsberater nun? Oder meint er, dass die Russen es Neugierigen nicht gestatten, Militärbasen, sozusagen als touristische Alternativziele, zu besuchen? Das stimmt natürlich. Ich bemühe mich seit vielen Monaten darum, eine ganz bestimmte militärische Einheit im Kaliningrader Gebiet besuchen zu dürfen, um eine Reportage zu machen. Und als Antwort erhalte ich:  
 
Videoeinspielung
 
Und, um abschließend noch ein paar Worte über die verpassten Chancen zur Schaffung eines HUB für Handel und Tourismus in Kaliningrad zu schaffen. Schon 1996 hat Kaliningrad die Sonderwirtschaftszone geschaffen. Sie hat mehrere Reformen durchlebt und hat im Westen niemanden interessiert. Alle ausländischen Investoren strömten nach Moskau und St. Petersburg, wo die Bedingungen wesentlich schwieriger, wesentlich teurer waren. Merkwürdig ist dies aber nur für diejenigen, die logisch denken. Denn es ist doch völlig unlogisch, dass der Westen mit seinen Investitionen hilft, Kaliningrad zu einem russischen Wirtschafts- und Tourismusparadies zu machen, in dem sich die Bevölkerung wohlfühlt. Es ist deshalb unlogisch, weil es logisch ist, dass es der Bevölkerung möglichst schlecht gehen muss, um alle notwendigen Voraussetzungen für separatistische Bestrebungen zu schaffen. Und genau für diesen Fall hat man schon mal humanitäre US- und andere Berater in ausreichender Anzahl rings um den Kaliningrader Dolch einquartiert, die wohl helfen sollen, den Dolch aus der Wunde zu ziehen.
 
Videoeinspielung
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