Dworiki – ein kleines Sanktionsopfer im großen Russland

Dworiki – ein kleines Sanktionsopfer im großen Russland
 
Niemand bestreitet, dass Sanktionen keine Wirkungen zeigen. Russland spürt dies im Großen und im Kleinen. Und die Erfinder der Sanktionen im Westen beginnen die Rückwirkungen auch langsam zu spüren. Bei der Organisation der Kaliningrader Transportblockade scheint den Initiatoren aber wohl ein Fehler unterlaufen zu sein. Aber wer gibt schon gerne Fehler zu?
 
 
Eine reichliche Woche ist es her, dass Litauen, natürlich unter Anleitung der Europäischen Union, die Transportblockade zwischen Russland und Russland verhängt hat. Sie trat ganz kurzfristig in Kraft. Am Freitag wurde sie verkündet, um Mitternacht zum Samstag wurde sie umgesetzt.
 
Ob wir es wollen oder nicht, Geschwindigkeit bei der Verhängung von Sanktionen gegen Russland, ist bei der Europäischen Union keine Hexerei.
 
Die Grenzen waren sofort dicht, sowohl für den Eisenbahnverkehr, wie auch für den LKW-Verkehr. Es staute sich eine große Anzahl von Transporten mit mehr oder weniger wichtigen Waren an der Grenze Russland-Litauen-Russland. Im Stau standen aber nicht nur Fahrzeuge mit Sanktionsware, sondern auch Ware mit Verbrauchsdatum.
 
Im ersten Schritt dieser Transitblockade waren im wesentlichen Metallerzeugnisse und Baumaterial betroffen. In Kaliningrad wird sehr viel gebaut und so ist klar, dass diese Blockade viele empfindlich traf.  
 
Das junge Kaliningrader Unternehmen „Dworiki“, welches sich gegenwärtig im Aufbau befindet, baut ein kleines Erholungszentrum, unweit der Ostsee auf. Drei Häuser sind schon errichtet und man wartete auf die Anlieferung von Metall-Dachplatten, eine günstige und praktische Form, anstelle von Dachziegeln oder Schilf.
 
Die mit der Lieferung der Dachplatten beauftragte Kaliningrader Firma hat Vertragspartner in St. Petersburg, die diese Metallerzeugnisse herstellen. Der LKW befand sich am Freitag, dem Tag, als die Blockade verkündet wurde, schon in der Warteschlange an der Grenze zu Litauen. Man schaffte es nicht bis zum Beginn der Blockade, die Grenze zu überqueren. Um Mitternacht war die Grenze dicht und so mussten alle Transporte, die Metall oder anderes Baumaterial geladen hatten, wieder umkehren.
 
Glück hatten die, deren Ware in Containern verpackt war, denn die drei Eisenbahnfähren, die zwischen Kaliningrad und dem russischen Mutterland verkehren, sind bis Ende Juli bereits komplett ausgebucht. Die vierte Fähre für Containertransporte hat noch freie Kapazitäten, so dass man in „Dworiki“ damit rechnet, dass mit ein, zwei Wochen Verspätung die Metalldächer doch noch angekommen. Eine fünfte Fähre ist gerade erst in Dienst gestellt worden und traf am Donnerstag erstmals in Kaliningrad ein. Sie fungiert aber nur als Frachter.
 
Allerdings sieht es jetzt so aus, dass sich die, von der Europäischen Union organisierte Blockade, wohl wieder reguliert. Die möglichen Gegensanktionen Russlands scheinen die Bürokraten in Brüssel beeindruckt zu haben. Mit Hilfe Deutschlands soll ein Kompromiss gefunden worden sein, der in wenigen Tagen den alten Zustand wieder herstellen soll.
 
Ich erinnere mich an Äußerungen russischer Verantwortlicher, die klipp und klar äußerten, dass es keinen Kompromiss geben wird, es ist der Zustand wieder herzustellen, der vor Beginn der Transportblockade herrschte.
 
Russische Medien heben besonders das Engagement Deutschlands in dieser unangenehmen Angelegenheit hervor. Man vermutet, dass Russland sein Militär einsetzen könnte, um den Transitkorridor zwischen Russland und Russland über Litauen wieder herzustellen. Deutschland hat Bundeswehreinheiten in Litauen stationiert und diese Einheiten wären somit erster „Ansprechpartner“ für die russische Armee. Aus traditioneller Erfahrung will Deutschland dies wohl vermeiden.
 
Unklar ist, warum durch Russland die lautstark angekündigten Gegensanktionen bisher nicht in Kraft gesetzt worden sind. Man hatte verbal sehr schnell reagiert und wie so häufig, kräftige Gegenschläge angekündigt. Im Falle der Kaliningrad-Blockade reiste der Sekretär des russischen Sicherheitsrates mit vielen hochgestellten föderalen Entscheidungsträgern nach Kaliningrad an – vermutlich wurde koordiniert und den Mitteilungen war zu entnehmen, dass eine ganze Liste von Gegensanktionen zu erwarten war. Nicht eine ist bisher verkündet wurden, obwohl die gesetzte Frist von einer Woche für die Aufhebung der Transportblockade schon seit zwei Tagen überschritten ist.
 
Wieder versucht die Europäische Union Russland mit irgendwelchen Erklärungen hinzuhalten und Russland bemerkt nicht, wie es sich unglaubwürdig macht. Es sollte Russland doch egal sein, wie lange die Europäische Union benötigt, um ihre Bürokratie zu ordnen. Die durch Russland gesetzte Frist ist verstrichen und so sollte man die ersten zwei Sanktionen in Kraft setzen. Am nächsten Tag die nächsten zwei Sanktionen … so lange, bis die Sanktionen alle in Kraft gesetzt sind. So aber löst man bei der eigenen Kaliningrader Bevölkerung kritische Überlegungen aus. Und dies wiederum hilft dem erklärten Feind seine Taktik erfolgreich umzusetzen.

 

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Kommentare ( 3 )

  • Detlef

    Veröffentlicht: 1. Juli 2022 11:03 pm

    Warum sollte Russland Gegen-Sanktionen einsetzen. Sie schaden beiden Seiten, also auch Russland. Putin sagte, dass die Antwort asymmetrisch sein wird. Und die Antwort durch Russland gab es: 50 tote Generäle. Danach hat die EU erklärt, einzulenken. Die EU weiss nun, dass sie in ihren Bunkern nicht sicher sind. Die EU weiss nun, dass die Befehlskette funktioniert hat.

  • Peter Nagel

    Veröffentlicht: 1. Juli 2022 15:16 pm

    Na ja wie gesagt wir wissen nicht genau wie der Kurs der RF genau ist!
    Wir können nur raten und darauf vertrauen das die RF weiß was sie tun oder tun müssen!
    Frage wo gab es 50 Tote Generäle: Bei den Ukrainer oder wo genau?

  • Müller-Thurgau

    Veröffentlicht: 1. Juli 2022 15:52 pm

    Ich bin noch nicht davon überzeugt, daß Litauen bzw. die EU die Blockade aufhebt. Da gibt es nichts über einen "Kompromiß" zu verhandeln. Deshalb gibt es auch keinen Grund für eine Verzögerung. Ich meine daher, daß Rußland mit Gegensanktionen mehr Druck ausüben sollte. Kann Rußland Litauen nicht den Strom abstellen?

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