Eine Epoche geht zu Ende – Rektor der Kant-Universität tritt zurück

Eine Epoche geht zu Ende – Rektor der Kant-Universität tritt zurück

Am Dienstagabend verkündete der Rektor der Kant-Universität Andrej Klemeschew seinen Rücktritt. Mehr als 20 Jahre war er Rektor der föderalen Kant-Universität. Nun übergibt er seinen Stuhl einer neuen Personalie, die aus dem russischen Mutterland kommt.

Der Rücktritt des Rektors der Kant-Universität kommt eigentlich nicht überraschend. Dass er zurücktreten wird, war vielen klar. Unklar war der Zeitpunkt. Das es gestern Abend war, war dann doch überraschend, zumal es keinen sichtbaren äußeren Anlass gab, den Rücktritt eben zu diesem Zeitpunkt zu erklären. Aber vielleicht steht der Rücktritt ja auch im Zusammenhang mit dem Beginn des neuen Studienjahres am 1. September.

Mit diesem Rücktritt verlässt ein weiteres Kind den Sandkasten, in dem viele Kaliningrader seit 1991 gespielt haben, die sich alle untereinander kannten und sich alle untereinander halfen. Das dieser Sandkasten nicht immer genutzt wurde, um beste Voraussetzungen für die Entwicklung der gesamten Kaliningrader Gesellschaft zu schaffen, hat sowohl der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow mehrmals anklingen lassen, wie auch andere Personen, die dafür Sorge zu tragen haben, dass die territoriale Unverletzlichkeit des Bestandes der Russischen Föderation nicht in Frage gestellt wird.

In den letzten Jahren hat die Kant-Universität, wohlbemerkt eine föderale Universität, regelmäßig in den negativen Schlagzeilen gestanden. Bekannte Kaliningrader Extremisten haben die Philosophische Fakultät der Universität absolviert, Lehrbücher, die die Universität mit föderalen Geldern erarbeiten ließ, wurden vor zwei Jahren als „Thema verfehlt. Setzen, Note 5“ eingestuft und der Rektor entschuldigte sich öffentlich dafür. Es kam zu einer ganzen Reihe anderer unappetitlicher Vorfälle, die die Kaliningrader Gesellschaft in Wallung brachte.

Wer alle diese Vorfälle kennt, wird die Äußerung von Andrej Klemeschew verstehen: „Ich habe mich schon vor zwei Jahren zu diesem Rücktritt entschlossen. Es gibt hierfür ernsthafte Motive.“

Und er ergänzte, dass die gesamte Verantwortung, die er seit Jahren zu tragen hat, letztendlich zu einer gewissen emotionalen Ausgebranntheit geführt hat.

Um den Abgang des Rektors gesichtswahrend durchzuführen, wurde die Struktur der föderalen Universität geändert und es wurde die Funktion des Präsidenten eingeführt – die neue Struktur ist als zu vergleichen mit der in Deutschland: Kanzler und Präsident.

Und der nun schon fast ExRektor wurde bereits am Dienstag zum Präsidenten der Kant-Universität gewählt. Er erklärte, dass er sich wohl nicht mehr mit administrativen Fragen der Universität beschäftigen werde, sondern sich mehr auf die Entwicklung der Uni konzentrieren möchte.

Der neue Rektor scheint auch schon in den Startlöchern zu stehen, hat vielleicht sogar schon ein Flugticket gekauft. Vorgeschlagen wurde der Rektor der Minin-Universität aus Nischny Nowgorod, Alexander Alexandrowitsch Fjedorow – also ein neues Gesicht in Kaliningrad. Er ist 48 Jahre alt und Historiker – eine ausgezeichnete Voraussetzung für die Arbeit in Kaliningrad.

 

Noch hat sich der Gouverneur und die föderale Bildungsministerin nicht öffentlich zu dieser Personalie geäußert, aber man kann wohl davon ausgehen, dass seit langem hinter den Kulissen alles geregelt wurde und jetzt das Prozedere logisch Schritt für Schritt abgearbeitet wird.

Schaut man auf die vereinfachte Übersicht zu den föderalen Machtstrukturen im Kaliningrader Gebiet, wird man feststellen, dass sich seit dem Jahre 2016, also dem Jahr der Abberufung von Nikolai Zukanow von der Funktion des Kaliningrader Gouverneurs, recht viel getan hat. Es sind fast alle Föderalverantwortlichen ausgetauscht worden. Und Gerüchte besagen, dass der Prozess der Personalerneuerung fortgesetzt wird.

 

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