Fall Nawalny – Wann wird Putin für schuldig befunden?

Fall Nawalny – Wann wird Putin für schuldig befunden?
 
Belarus tritt vor den neuen aktuellen Ereignissen in den Hintergrund. Nawalny hat gesundheitliche Probleme. Während man in Russland versucht, die medizinischen Ursachen zu finden, wissen Nichtmediziner und Ausländer bereits jetzt, dass Nawalny vergiftet wurde. Und in deutschen Medien fragt man im Stundenrhythmus, wer am noch nicht eingetretenen Tod von Nawalny ein Interesse haben kann.
 
 
Videoeinspielung: Nachrichtensendungen ZDF
 
Die Formulierungen in den freiheitlich-demokratischen Medien, angeführt von ARD und ZDF, die mit ihren Vertretern direkt vor Ort, zumindest aber in Moskau sind, sind noch ein wenig zurückhaltend, aber trotzdem so eindeutig, dass der, sowieso schon voreingenommene deutsche Medienkonsumer klar erkennt: Moskau, sprich Putin, will sich von einem bösen Gegner befreien. Niemand kommt auf den Gedanken, dass auch andere daran interessiert sein könnten, dass genau das durch das Volk geglaubt werden soll.
 
Videoeinspielung: Nachrichtensendungen ZDF
 
Und anscheinend ist es so, dass schon niemand mehr daran glaubt, dass Nawalny, wie viele andere Patienten auch, einfach nur gesundheitliche Probleme hat – nicht hervorgerufen durch bewusste subjektive Einflussnahme.
 
Russischen Ärzten wird nicht geglaubt – die Kommentare, natürlich bewusst hinterlegt durch Äußerungen von Nawalny-Kollegen und der Ehefrau, sollen da gar keine Zweifel aufkommen lassen.
 
Videoeinspielung: Nachrichtensendungen ZDF
 
Und Deutschland … nein, nicht Deutschland, sondern eine Privatperson organisiert und finanziert die Überführung Nawalnys und dessen weitere Behandlung in Deutschland. Und Frankreich bietet Nawalny sogar politisches Asyl an.
 
Nichts und niemandem in Russland wird geglaubt, sofern es sich um Äußerungen von Offiziellen handelt, also den Ärzten und Vertretern der Regierung.
 
ZDF lässt in den Nachrichten einen Grünen-Politiker, natürlich Russlanddeutscher und Abgeordneter im Europaparlament zu Wort kommen, der schon mit dem Kopf schüttelt, bevor die Frage überhaupt gestellt worden ist.
 
Videoeinspielung: Nachrichtensendungen ZDF
 
Und natürlich ist es auch äußerst verdächtig, wenn die deutschen Ärzte, die sich gegenwärtig in Omsk aufhalten, durch den Hintereingang des Krankenhauses gelotst werden.
 
Videoeinspielung: Nachrichtensendungen ZDF
 
Es kommt wohl niemand auf den Gedanken, dass die deutschen Ärzte selber darum gebeten haben könnten, um nicht in die Hände der Journalisten zu fallen, die vor dem Haupteingang des Krankenhauses auf neue Sensationen warten.
 
Die russischen Ärzte haben den Transport eines russischen Bürgers ins Ausland vorerst abgelehnt. Sie sind vor dem Gesetz, vor dem russischen Gesetz, für mögliche Fehlentscheidungen verantwortlich. Und man stelle sich vor, sie übergeben den Patienten an deutsche Ärzte und Herr Nawalny verstirbt während des Transportes. Wer ist dann wohl schuld? Diejenigen, die die Überführung gefordert haben, also die Ehefrau, die Mitstreiter von Nawalny, die Demonstranten oder die behandelnden Ärzte?
 
In den frühen Abendstunden des heutigen Freitags haben sich dann aber die Ärzte dem großen Druck gebeugt und die Verantwortung für einen Transport der Ehefrau Nawalnys übergeben. Hoffen wir, dass die Anwälte des Krankenhauses die Ärzte bei dieser Entscheidung und der Aufsetzung notwendiger Schriftstücke richtig beraten haben.
 
Dass die deutschen Ärzte mit den Schlussfolgerungen und Empfehlungen der russischen Ärzte einverstanden waren, insbesondere in Hinsicht der Transportfähigkeit, wird in deutschen Medien nicht verbreitet. Raum in deutschen Medien erhalten nur die Meinungen, die das Image Russlands als Giftmischernation festigen.
 
Videoeinspielung: Nachrichtensendungen ZDF
 
Während einerseits verbreitet wird, dass man die deutschen Ärzte so abschirmt, dass niemand mit ihnen sprechen kann, verbreitet die Pressesprecherin Nawalnys die Information, dass die deutschen Ärzte der Ansicht sind, dass Nawalny transportiert werden kann und die Ausstattung des Flugzeuges eine Überführung gestatte. Woher weiß sie das, wo es doch keinen Kontakt zu den deutschen Ärzten gibt und niemand weiß, wo diese sich aufhalten?
 
Videoeinspielung: Nachrichtensendungen ZDF
 
Weiterhin zitiert der Fond dutzende von Ärzten, die alle der Meinung sind, dass das Krankenhaus in Omsk nicht der Ort ist, wo einem Patienten wie Nawalny qualifizierte ärztliche Hilfe geleistet werden kann. Ein Flug ins Ausland ist ungefährlicher als ein Verbleib in diesem Krankenhaus.
 
So hat man sich am Freitag auch an das Europäische Gericht für Menschenrechte gewandt. Man wollte erreichen, dass dieses Gericht den Transport Nawalnys anweist. Da nun aber die Ärzte dem Druck der Ehefrau und anderer Interessierter nachgegeben haben, bedarf es keiner Entscheidung dieses Gerichtshofes mehr. Wobei, wenn es eine Entscheidung gegeben hätte, es immer noch die Sache Russlands gewesen wäre, diese umzusetzen oder auch nicht, denn der Artikel 79 der neuen russischen Verfassung stellt nationales über internationales Recht.
 
Die Ehefrau und Mitstreiter von Nawalny gingen in ihren öffentlichen Anschuldigen davon aus, dass „man“ alles unternehmen werde, um Nawalny drei Tage im Krankenhaus festzuhalten – Zeit, die benötigt wird, damit der Organismus das verabreichte Gift so abbauen kann, dass es in Berlin nicht mehr nachweisbar ist.
 
Videoeinspielung: Nachrichtensendungen ZDF
 
Nun kann er aber ausfliegen … diese Argumentation ist nun schon nicht mehr haltbar. Und schon beginnt man in den ZDF-Nachrichten von 19 Uhr den Rückwärtsgang einzulegen.
 
Videoeinspielung: Nachrichtensendungen ZDF
 
Die russischen Ärzte haben verkündet, so der Stand am heutigen Freitagabend, dass man keinerlei Gift oder Spuren von Gift im Körper oder im Blut von Nawalny gefunden habe. Man gehe davon aus, dass keine Vergiftung stattgefunden habe. Gegenwärtig gehe man von einer Stoffwechselstörung aus, hervorgerufen durch einen plötzlichen Blutzuckerabfall beim Start des Flugzeuges. Der Zustand von Nawalny wird, vor der Entscheidung zur Ausreise, offiziell als „schwer instabil“ bezeichnet. Er befindet sich nach wie vor im Koma.
 
Kommentiert wurden auch die Informationen, dass man am Körper und der Bekleidung von Nawalny hochgefährliche Giftstoffe gefunden haben will.
 
Videoeinspielung: Nachrichtensendungen ZDF
 
Es stellte sich heraus, dass es sich um Material handelt, welches für Einmal-Plastik-Geschirr verwendet wird.
 
Russische Medien zitieren Mitarbeiter von Rechtspflegeorganen, die ebenfalls bestätigen, dass es gegenwärtig keine Hinweise auf eine Vergiftung gebe. Somit wurde auch bisher noch kein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
 
In den Abendstunden teilten die verantwortlichen Ärzte in Omsk mit, dass man abschließend zu der endgültigen Gewissheit gekommen sei, dass es keinerlei Vergiftung gegeben habe. Alle anderen Mutmaßungen, die gegenwärtig in der Öffentlichkeit des In- und Auslandes gehandelt werden, entsprechen nicht den Untersuchungsergebnissen.
 
Weiterhin habe man mit den deutschen Ärzten ein Konsilium durchgeführt. Die deutschen Ärzte zeigten sich zufrieden mit der Arbeit ihrer russischen Kollegen und der eingeleiteten Behandlung. Sie stimmten der Diagnose der russischen Ärzte zu.
 
Videoeinspielung: Nachrichtensendungen ZDF

 

Reklame

Kommentare ( 1 )

  • Jan Heller

    Veröffentlicht: 22. August 2020 13:08 pm

    Die Transportfähigkeit ist eine sehr schwerwiegende Entscheidung, und diese sehr sorgfältig und bedacht zu treffen ist mitunter alles andere als leicht. Dem kann ich aus eigener Erfahrung nur zustimmen. Gerade dann, wenn massiver politischer und diplomatischer Druck besteht, und sich dazu noch die Medien einschalten.
    Ich möchte hier keine Wertung der Erignisse abgeben,. Die Umstände sind bereits kompliziert genug.
    Ich wünsche nur allen Beteiligten die Weisheit keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, und ich wünsche dem Patienten, daß im die effektivste Versorgung zu Gute kommt und er bald wieder gesund und munter in den Kreis seiner Familie zurückkehren wird.

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung