Flaggen auf den Türmen – manchmal sind es nicht die richtigen Türme

Flaggen auf den Türmen – manchmal sind es nicht die richtigen Türme

 

Manchmal sind es aber auch nicht die richtigen Flaggen auf den Türmen. Und so gibt es in Kaliningrad Liebhaber von deutschen und ostpreußischen Flaggen. Russische Flaggen scheinen allerdings bei diesen nicht besonders beliebt zu sein. Deshalb werden sie auch mit Füßen getreten.

 

 

Stellen Sie sich vor, Fritz Iwanowitsch schleicht sich eines Nachts durch Berlin, hin zum neuen Gebäudekomplex des Bundesnachrichtendienstes. Er ist ein guter Kletterer und hisst die russische Fahne auf diesem Gebäude. Was würde wohl passieren, mit ihm, mit der Fahne und überhaupt mit diesem Vorfall? Vermutlich würde mal wieder KGB-Putin beschuldigt, seine Agenten nach Berlin geschickt zu haben, um dort den gesellschaftlichen Frieden zu stören.

In Kaliningrad ist dies geschehen, allerdings schon im Jahre 2014. Und der Mann hieß nicht Fritz Iwanowitsch sondern Michael Feldmann und er hisste keine russische sondern eine deutsche Fahne und zwar nicht auf dem Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland sondern auf einem Gebäude des russischen Sicherheitsdienstes FSB. Er hatte dabei Helfer. Alle erhielten die Gastfreundschaft des FSB und wurden im Verlaufe von zwei Jahren gebeten, ihre Handlungsweise zu erklären. Dann meinte ein Richter, dass 13 und 14 Monate Freiheitsentzug eigentlich ausreichend sind und alle wurden aus der Haft entlassen.

Die Kaliningrader Flaggen-Aktivisten erklärten, dass sie mit dem Hissen der Flagge gegen den Beitritt der Krim zum Bestand der Russischen Föderation protestieren wollten. Sie bezeichneten das Referendum als „Annexion“. Gut, die Meinungen sind unterschiedlich – warum auch nicht. Aber was hat die deutsche Flagge mit der Krim zu tun? Eigentlich hätte man doch die ukrainische Flagge hissen müssen – oder?

Nun gut, das sind Dinge der Vergangenheit – sollte man zumindest glauben. Aber dem ist nicht so, denn Herr Feldmann, in Kaliningrader Oppositionskreisen recht gut bekannt, hat auf seiner Facebook-Seite – so berichtet es seine Anwältin – das Foto einer russischen Flagge gepostet und dazu gehörte der Begleittext „Füße abtreten“. Das fand die russische Staatsanwaltschaft überhaupt nicht lustig und bat Herrn Feldmann am vergangenen Wochenende zu einem Gespräch. Seine Anwältin erklärte, dass das Foto nicht von Feldmann stamme. Er habe es irgendwo im Internet gesehen und dann auf seiner FB-Seite gerepostet. Die Anwältin sieht hier keinen Gesetzesverstoß. Da es aber keinen Begleittext zu diesem Foto von Feldmann gab, wo er sich eventuell von derartigen Beleidigungen russischer Staatssymbolik distanziert, geht wohl der Staatsanwalt davon aus, dass Feldmann sich schuldig gemacht hat.

In der Zwischenzeit ist die Internetseite von Feldmann wieder sauber – wenn man mal vom Titelbild absieht, welches einen deutschen Panzer und deutsche Soldaten mit der Inschrift zeigt: „Spontan aufgetaucht – Selbstverteidigung Kaliningrad.“ Für einen russischen Staatsbürger eine doch bemerkenswerte Profilaufmachung im Sozialnetzwerk Facebook, gefolgt von einem weiteren Beitrag, wo Herr Feldmann die Ostpreußenflagge zeigt – allerdings ohne Text „Füße abtreten“.

Für die Beleidigung des Staates drohen nun bis zu einem Jahr Freiheitsentzug oder Zwangsarbeit oder Arrest von drei bis sechs Monaten. Da Feldmann vorbestraft ist und seine Vorstrafen noch nicht getilgt sind, wird es der Richter vermutlich schwer haben, nur die Mindeststrafe zu verhängen.

Übrigens glaubt Feldmann auch heute noch, dass er im Jahre 2014 zu Unrecht verurteilt worden war und hat sich in dieser Angelegenheit an das Europäische Gericht für Menschenrechte gewandt. Sollte das Gericht Feldmann Recht geben und Russland eine Entschädigung zahlen müssen, so wäre dies eine gute Entscheidung für Fritz Iwanowitsch – dem virtuellen Flaggenhisser in Berlin.

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