Furgal - ungewollter oder unerkannter russischer Separatist?

Furgal - ungewollter oder unerkannter russischer Separatist?
 
Langsam muss man sich wohl Sorgen machen um das, was im Osten der Russischen Föderation vor sich geht. Die Demonstrationen nehmen kein Ende – ganz im Gegenteil, sie dehnen sich auf andere Gebiete aus. Dabei geht es nur um einen regionalen Gouverneur, den vermutlich in Russland, bis vor wenigen Wochen, nur seine Wähler in Chabarowsk kannten.
 
 
Am vergangenen Samstag fand nicht nur eine Demonstration in Chabarowsk statt, sondern gleich zwei. Und es gab auch, in einer wachsenden Anzahl anderer russischer Städte, außerhalb des Gebietes Chabarowsk, Demonstrationen zur Unterstützung, des, wegen doppelten Auftragsmordes verdächtigten, Sergej Furgal.
 
Die Zahlen zu den Teilnehmern an den Demonstrationen sind unterschiedlich, in Abhängigkeit, welche Quelle man liest. Egal, welcher Quelle man glaubt – die Zahlen sind beeindruckend.
Nun haben aber die russischen Organe bereits begonnen, Recht und Ordnung durchzusetzen, denn alle Demonstrationen sind nicht genehmigt. Die Toleranz des Staates scheint langsam an die imaginäre rote Linie zu gelangen.
 
So melden russische Medien, dass mehr als 60 Personen verhaftet worden sind, die an Demonstrationen in Chabarowsk, Wladiwostok, Krasnodar, Jekaterinburg, Surgut und Moskau teilgenommen haben – die Masse der Verhaftungen, rund 40 Personen, erfolgte in Moskau.

Schaut man sich einige der Fotos an, die die russischen Medien veröffentlichen, so sollte man sich doch schon Sorgen machen, denn die Aussagen, die auf Plakaten getroffen werden, sind eindeutig:
 
Foto: „Degtjarow hau ab“
 
Michael Degtjarow ist vom russischen Präsidenten mit der Führung der Amtsgeschäfte beauftragt worden. Irgendjemand muss ja die Regierung des Krai Chabarowsk während der Untersuchungen gegen den exGouverneur leiten. Und Degtjarow hat von Anfang an, bis zum heutigen Tag öffentlich erklärt, dass er an die Unschuld von Furgal, seinem Parteifreund, glaubt und er sofort seine Koffer packen wird, wenn diese Unschuld durch einen Richter festgestellt wird. Also sollte man doch diesen jungen Mann einfach arbeiten lassen. Er hat bisher in den wenigen Tagen weder etwas Gutes noch etwas Schlechtes getan. Weshalb will man ihn nicht?
 
Die Antwort gibt es ein zweites Foto, welches doch schon nachdenklich machen sollte.
 

Foto: „Wir Fernöstler sind nicht Eure willenlosen Bauern. Wir werden nicht schweigen.“
          „Nein den Moskauer Abgesandten“
 
Das linke Plakat spricht bereits von „Fernöstler“, also nicht nur von den Bürgern des Krai Chabarowsk, sondern eigentlich vom ganzen Osten der Föderation. Und das zweite Plakat meint eigentlich: Wir brauchen Moskau nicht, wir kommen alleine klar. Das wiederum riecht schon ein wenig nach Separatismus. Ob sich die Verfasser dieses Plakates darüber Gedanken gemacht haben?

Am meisten Sorgen macht aber das dritte Plakat, welches die Situation ganz auf die Spitze treibt:
 
Foto: Plakat links: „Schirinowski Schande“
          Plakat Mitte. „Furgal ist kein Mörder!“
                                 „Ein ehrliches Gericht in Chabarowsk!
                                 „Geschworene für Furgal“
                                 „Wir glauben Moskau nicht“
 
Vermutlich werden die wenigsten auf das kleine Plakat schauen, welches der Mann rechts mit Sonnenbrille in seiner Hand hält. Es zeigt einen Panzer und die Überschrift „Nach Berlin“ – eine Aussage, die aus dem Großen Vaterländischen Krieg bekannt ist, als es darum ging, das Zentrum der Macht des deutschen Faschismus zu vernichten. Aber dieses „Nach Berlin“ ist durchgestrichen und unter dem Panzer steht: „Nach Moskau“. Wie darf man diese Aussage verstehen? Ist dies eine Aufforderung zum gewaltsamen Vorgehen gegen die Zentralregierung oder gar gegen den Präsidenten des Landes?
 

Foto: Panzer sollen nach Moskau rollen
 
Die Demonstranten wollen ernst genommen werden – das ist auch ihr gutes Recht. Das betont sowohl der amtsführende Gouverneur von Chabarowsk, wie auch der russische Präsident. Aber ernst nehmen bedeutet somit, in allen Fragen und in allen Aussagen ernst genommen zu werden. Und die Aussagen auf den von mir gezeigten Plakaten interpretiere ich eindeutig: Separatismus und Gewalt – vorerst auf dem Papier. Aber wir kennen ja den Spruch Gottes: „Am Anfang stand das Wort …“
 
Warum die gegen Furgal ermittelnden Rechtspflegeorgane bisher noch keinerlei Beweise vorgelegt haben, die zeigen, dass die Verhaftung von Furgal zumindest gerechtfertigt war, ist mir persönlich nicht ganz klar. Ermittlungsgeheimnisse hin, Ermittlungsgeheimnisse her, taktische Erwägungen hin, taktische Erwägungen her – wir sehen, was in der „fernöstlichen“ Gesellschaft vor sich geht und da sollte man schon reagieren.
 
Man kann letztendlich Putin nur beglückwünschen, dass er als amtsführenden Gouverneur einen Parteigenossen von Furgal gefunden hat, dem er diese wichtige Region anvertrauen konnte. Ich wage es gar nicht darüber nachzudenken, was passiert wäre, wenn Putin jemand eingesetzt hätte, der vielleicht aus der Partei Einiges Russland käme.
 
Zeigen wir zum Abschluss noch ein interessantes Foto:
 
Foto: „Putin ist ein Dieb“
          „Furgal ist einer von uns“
 
Furgal ist „einer von uns“ – mit anderen Worten: Mit einem Dieb will man nicht leben, mit einem Mörder schon!
 
Ach, Sie meinen, dass ja noch gar nicht bewiesen ist, dass Furgal ein Mörder ist! Richtig! Und es ist auch nicht bewiesen, dass Putin ein Dieb ist. Seit Jahren wird behauptet, dass Putin ein Dieb ist. Aber niemand sagt, was Putin gestohlen haben soll und niemand hat bisher Anzeige wegen Diebstahls erstattet.
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Kommentare ( 5 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 27. Juli 2020 02:36 pm

    Ja, ja, da gibt es garantiert ein federführendes Büro - natürlich in Chabarowsk, welches die Aktivitäten organisiert. Ich kann machen, was ich will, da ich nun mal das sogenannte Revolutionshandbuch des US-Politologen Gene Sharp sehr aufmerksam gelesen und auch die Entwicklung so mancher Bunten oder auch Blumen-Revolution verfolgt habe und bei allen diesen "Ereignissen" immer die gleiche Grundentwicklung festgestellt habe, scheint mir im fernen Chabarowsk eine solche Tendenz sich heraus zu entwickeln. Der dortige FSB scheint geschlafen zu haben. Ganz nebenbei gesagt, meine Vermutungen über diese erfolgten oder versuchten Regimechange haben sich in allen Fällen bestätigt. Die Masse der Demonstranten in Chabarowsk wissen nur noch nicht, wofür sie mißbraucht werden und denken, es geht um Furgal. Es gibt neue Parolen wie Uwe richtig feststellte.
    Man muß nur aufmerksam die entsprechenden Videos bei Youtube zur Kenntnis und die Kommentare der "Leitmedien" der EU richtig einordnen können.

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 27. Juli 2020 07:49 pm

    Es gibt keine anderen Unterhaltungen für die Menschen in Chabarowsk. Solange die Grenzen geschlossen sind, haben die Menschen nichts zu tun. Wenn die Grenzen geöffnet werden, wird sich auch beruhigen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 27. Juli 2020 08:05

      ... ja, eine mögliche Erklärung.

  • Udo Petz

    Veröffentlicht: 27. Juli 2020 15:26 pm

    Ich muss um Erläuterungen bitten, da mein Zugang zu den russischen Medien nicht wirklich allumfassend ist. Meine Frau( aus Gusew) erklärt mir, dieser Furgal hat in seiner Region sehr viel für die Menschen getan, zum Beispiel im Gesundheitswesen, was vorher durch Putin reduziert wurde. Mir fehlen Informationen , um mir ein Urteil bilden zu können. Kann das sein? Die Mordermittlung war nur soetwas wie eine Erpressung, die der Held sich aber nicht mehr gefallen lassen hat. Wer kann darüber etwas konkretes sagen, möglichst mit Quellenangabe, damit ich auch ein beweisbares Argument habe.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 27. Juli 2020 16:31

      Gerne überlasse ich auch anderen, hier die Möglichkeit, die von Ihnen gewünschten Informationen, einzustellen.

      Vorerst eine Ergänzung von mir.

      Furgal ist im September 2018 zum Gouverneur gewählt worden, ist also 1,5 Jahre Gouverneur. Eine Frist, die nicht ausreichend ist, um wirklich etwas Umfassendes zu erreichen. Ich spreche hier aus der Erfahrung von Kaliningrad, wo der neue Gouverneur seit 2016 im Amt ist ...

      Furgal hat einige populistische Entscheidungen getroffen, wie z.B. die Yacht der Gebietsregierung verkauft und weitere derartige Dinge. Je nachdem, welche Quellen man liest, wird man natürlich zu den Ereignissen unterschiedlich informiert. Nur ich persönlich kann mir schwer vorstellen, dass man einen Gouverneur unschuldig verhaftet. Das Aufsehen ist riesengroß und eine große Mannschaft von Anwälten wird die Interessen des Mannes schützen. Und man stelle sich vor, wenn alle Anschuldigen sich als unwahr und Provokation herausstellen - eine Katastrophe für die russische Gesellschaft ... und das kann ja wohl niemand wollen.

      Heute haben übrigens die Ermittlungsbehörden mitgeteilt, dass weitere Verdachtsmomente gegen Furgal, noch zu anderen Angelegenheiten aufgetaucht sind ...

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 1. August 2020 00:21 pm

    " ... dieser Furgal hat in seiner Region sehr viel für die Menschen getan, zum Beispiel im Gesundheitswesen, was vorher durch Putin reduziert wurde. "
    Da muß man doch erst einmal zurück fragen, welche Maßnahmen oder was wurde denn angeblich von Putin - ausgerechnet im Gesundheitswesen - reduziert, was dann der Gouverneur Furgal wieder als Gutes für die Menschen getan haben will.
    Man überlege sich mal, daß ein Gouverneur, ungefähr vergleichbar mit einem deutschen Ministerpräsidenten, unter der Beschuldigung der Anstiftung zum mehrfachen Mord vom Inlandsgeheimdienst verhaftet werden soll. Da bin ich doch der Meinung, daß der Präsident Putin vorher zumindest informiert worden ist und wohl auch gefordert hat, daß die vorliegenden Beweise so fest sein müssen, eine solche schwerwiegende Maßnahme zu rechtfertigen. Dazu kommt noch, daß dieser Gouverneur der Oppositionspartei von Schirinowski angehört.
    Wie Schirinowski reagiert hat, konnte ja jeder im Fernsehen verfolgen. Der war echt böse.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 1. August 2020 05:42

      ... ja, völlig richtig. Und trotzdem ist dieses "Phänomen" der Demonstrationen und "Liebe zum exGouverneur" nicht erklärbar. Ich verfolge mit Spannung die dortigen Ereignisse.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 2. August 2020 01:02 pm

    Man vergleiche das mal mit den Ereignissen 2013/14 in der Ukraine als Janukowitsch dieses Abkommen mit der EU nicht unterschrieben hat. Er hat auch die Begründung seiner nachvollziehbaren Unterschriftsablehnung genannt. Dann war ca. ein bis zwei Wochen relative Ruhe und dann ging das Theater mit den nicht endenden Demonstrationen los. Hinterher erfuhr man, daß es zu großen Teilen gar keine Leute aus Kiew waren, die da "demonstrierten", daß es bezahlte Protestierer zu großen Teilen waren, wie auch jetzt in Chabarowsk vermutlich wohl die gleiche Masche abgezogen wird. Lange wird sich diese "Friedlichkeit" der Demonstrationen nicht mehr hinziehen. Die Organisatoren und Hintermänner dieser Aktionen wollen doch etwas gegen "Moskau" erreichen. In der Zwischenzeit ist aber das EV gegen den Furgal in Arbeit. Denn bestätigen sich die Beschuldigungen, ohne daß es in Chabarowsk zu einem für Moskau schädlichen Eklat gekommen ist, haben die Opponenten verloren. Die Leute werden ernüchtert gehen.

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