Gefangenenaustausch oder Politik, die nicht immer verständlich ist

Gefangenenaustausch oder Politik, die nicht immer verständlich ist
 
In der vergangenen Woche ist es zum größten Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine gekommen. Er rief Aufsehen hervor, denn viele haben die Handlungen Russlands nicht verstanden.
 
 
Nicht verstanden wurden, so habe ich es den Kommentaren meiner Zuschauer und Leser entnommen, im wesentlichen zwei Fakten.
 
Zum einen das Verhältnis des Austausches der Gefangenen. Russland hat 50 seiner Militärs erhalten und der Ukraine wurden 200 Gefangene übergeben.
 
Und das zweite, dass zehn ausländische Söldner, teilweise bereits zum Tode verurteilt, ebenfalls ausgeliefert worden sind, obwohl immer wieder erklärt wurde, dass es keinerlei Chancen gäbe, diese Söldner, diese Kriegsverbrecher, auszutauschen. Noch am Tag vor dem Gefangenenaustausch kommentierten Verantwortliche in der Donezker Volksrepublik, dass der Ort für die Vollstreckung der Urteile vorbereitet ist.
 
Zu diesem Zeitpunkt war bereits bekannt, dass die Referenden in den vier ukrainischen Gebieten durchgeführt werden und wie diese Referenden ausgehen werden, wie sich die Bevölkerung entscheidet, dürfte klar sein. Spätestens Ende September hat Russland nicht 85, sondern 89 Regionen und nicht 147 Mio., sondern 150 Mio. Einwohner. Im Gegenzug erhalten die vier ukrainischen Gebiete die russische Gesetzgebung und diese beinhaltet ein Moratorium für die Vollstreckung von Todesstrafen. Somit war zum Zeitpunkt der Äußerungen zur Bereitschaft der Hinrichtungsstätte schon klar, dass diese gar nicht gebraucht wird, es sei denn, die Hinrichtungen sollten noch in dieser Woche erfolgen. Aber sie sind nicht erfolgt, sondern die Verbrecher wurden am 21. September übergeben.
 
Aber warum wurden diese übergeben? Wir kennen den Grund nicht und können höchstens analysieren oder phantasieren. Und das tue ich nun.
 
Wenig beachtet wurde eine kleine Meldung russischer Medien, die über ein Telefonat des russischen Präsidenten berichteten. Die Originalmeldung finden wir auf der Internetseite des Kremls.
 
Der saudi-arabische Kronprinz ergriff am 22. September die Initiative und Putin ergriff den Telefonhörer. Putin beglückwünschte den Kronprinzen zum 90jährigen Jubiläum der Proklamation des Königreiches Saudi-Arabien. Bei der Gelegenheit wurde auch die Zusammenarbeit im Rahmen der Schanghai-Organisation besprochen und man sprach natürlich auch über Öl und Gas und über die Teilnahme Saudi-Arabiens am internationalen Energieforum in Moskau, Mitte Oktober.
 
Und zum Schluss des Gespräches bedankte sich Wladimir Putin beim Kronprinzen für dessen ganz persönlichen Einsatz bei der erfolgreichen Abwicklung des Gefangenenaustausches der ausländischen Bürger, die sich ungesetzlich an den Kampfhandlungen in der Ukraine beteiligt hatten.
 
Mit diesem Wissensstand über das Verhältnis Putins zum saudischen Kronprinzen können wir zumindest beginnen zu erahnen, dass Politik nicht mit der Hinrichtung von zehn Söldnern endet, sondern mit Handlungen hinter den Kulissen beginnt, auch wenn wir vieles jetzt nicht verstehen … verstehen werden wir es vielleicht ein paar Tage später.
 
Ach so, der Kreml teilte noch mit, dass Putin und der Kronprinz ihre direkten persönlichen Kontakte fortsetzen wollen.
 
Sie sahen einen Beitrag von „Baltische Welle“. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Tschüss und Poka aus Kaliningrad
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Kommentare ( 3 )

  • Detlef

    Veröffentlicht: 25. September 2022 23:23 pm

    Für mich ist der Gefangenenaustausch in Ordnung. Es ist wichtiger 50 russ. Soldaten zu retten, als Rache (Strafe) an den Söldnern zu üben. Es gab Videos, wie russ. Gefangene in der Ukraine behandelt wurden, einfach fürchterlich. Jeder Gerettete ist wichtig.

    Noch ein Hinweis zum Einsatz von taktischen Atomwaffen. Die ukrainische Führung sitzt in Bunkern in 150 m Tiefe. Diese Bunker kann man n.m.M. nicht mit konventionellen Waffen zerstören, wohl aber mit einer unterirdischen Atomexplosion. Von einer derartigen Explosion würde man an der Erdoberfläche nur in unmittelbarer Umgebung etwas mitbekommen. Es würde also keine radioaktive Verseuchung geben und es würden keine Landstriche unbewohnbar werden. Der Westen bekommt das natürlich mit (seismische Messungen), muss darauf aber nicht reagieren und muss das auch nicht veröffentlichen, da Russland sicherlich auch sensible Informationen hat. Ob das passieren wird oder nicht, kann ich natürlich nicht sagen, aber ich beobachte das Geschehen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 26. September 2022 05:25

      ... man braucht keine Atomwaffen mehr, um derartige Bunker zu zerstören.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 26. September 2022 10:13 pm

    Ich hätte mir gewünscht, daß das "Asow-Pack" gleich vor Ort entsorgt worden wäre, inclusive ALLER Fremdländer!
    Was jetzt geschieht, ist Diplomatie, nicht deutsche Außenpolitik.
    Es ist ein Zeichen staatlicher Fürsorge, wenn Rußland der sicheren, zeitnahen Rückkehr eines seiner Soldaten mehr Bedeutung beimisst, als der Möglichkeit, vier Gegner einer gerechten Strafe zuzuführen.
    Nebenbei scheint da auch eine gewisse Verhältnismäßigkeit zum Ausdruck zu kommen.
    Mit Hinblick auf die Referenden schließt sich der Kreis, Todesstrafenwürdige einer Exekution zuzuführen.
    Seit Jahrzehnten missachtet der Westen Völkerrecht, und vertragliche Vereinbarungen.
    Was schert es die Russen, ob man das Ergebnis der Referenden in fremden Ländern anerkennt, wenn die betroffene Bevölkerung mehrheitlich damit zu leben wünscht?
    Wo hat die UNO bislang die Einhaltung des Völkerrechtes durchgesetzt?
    Diese Ukraine wurde übergriffig auf andere Länder künstlich erzeugt, und das kann man genau so rückgängig machen, oder?

  • Manfred SCHARTOW

    Veröffentlicht: 27. September 2022 15:51 pm

    Bei der erwähnten und in Vorbereitung sich befindenden Energiekonferenz in Moskau werden wohl die Weichen der zukünftigen Industrialisierung gestellt. Wird interessant, wer daran teilnimmt. Moskau wird natürlich nur höchstrangige Politiker empfangen und führende Wirtschaftsfachkräfte bedeutender Weltenergieunternehmen. Mal sehen, wie die USA die anreisenden Teilnehmer dann sanktionieren wird.
    Es gibt bestimmt ein langfristiges Dollarembargo. Es tut sich offenbar einiges und entsprechende Abschlussdokumente werden wohl schon jetzt ausgehandelt.
    Insofern ist der erfolgte Gefangenenaustausch Ausdruck einer Diplomatie ohne die EU und NATO. Es ist damit zu rechnen, dass die Karten der Weltwirtschaft in dem Bereich des gesamten Rohstoffhandels neu gemischt werden.
    Was die Zahl der ausgetauschten Menschen betrifft, so wird diese wohl auch nicht vollständig sein. Naja und um die "ASOW - Verbrecher" wird sich wohl Deutschland mit seinem Aussteigerprogram für Nazis kümmern. SALVE!

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