Gemeinsamkeiten der Kaliningrader Seebrücke Russland-Russland und der Krim-Brücke

Gemeinsamkeiten der Kaliningrader Seebrücke Russland-Russland und der Krim-Brücke
 
Der Unterschied zwischen beiden Brücken besteht darin, dass die Krim-Brücke ein monumentales Bauwerk ist, über das pausenlos Züge, Autos und Fußgänger von einem Ufer zum anderen gelangen. Die Kaliningrader Seebrücke ist kein Bauwerk, sondern besteht aus acht Fähren. Diese erreichen das andere Ufer jedoch nur, wenn es das Wetter zulässt.
 
 
Gemeinsam haben beide Brücken, dass sie das Überleben der Bewohner beider russischer „Inseln“ gewährleisten sollen. Das passt aber den Nachbarn nicht. Während die Ukraine, gemeinsam mit den Briten darüber nachdenkt, wie man die tiefgestaffelte Luftverteidigung Russlands in diesem Bereich überwinden und die Brücke zerstören kann, denkt Litauen darüber nach, wie man den Russen helfen kann, die Seebrücke Russland-Russland stabil auszubauen.
 
Sie erinnern sich, meine lieben Zuschauer und Leser … vor wenigen Wochen gab es in der Weltpresse kein wichtiges Thema als die Kaliningrad-Blockade. Man sprach sogar von einem bevorstehenden Dritten Weltkrieg und der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow sprach von Maßnahmen gegen Litauen, die ähnliche Auswirkungen haben werden, wie eine Neutronenbombe.
 
Weder ist der Dritte Weltkrieg ausgebrochen, noch ist eine Neutronenbombe zum Einsatz gekommen. Selbst eine Handgranate ist nirgendwo detoniert. Heute glaube ich, dass russische Diplomaten vielleicht irgendwelchen westlichen Zuhörern einfach nur ein Foto von einer Munitionskiste gezeigt haben und das hat ausgereicht, um die Blockade des Kaliningrader Gebietes verbal für beendet zu erklären. In der Praxis besteht aber die Blockade weiter. Sie besteht allerdings nicht in der so sichtbaren Form, dass die Grenztore geschlossen sind, sondern in einer Vielzahl von Einschränkungen und Schikanen, deren Initiator und Ausführender das NATO-Mitgliedsland Litauen ist.
 
Russland scheint erkannt zu haben, dass es dem Westen, mit seinen verbalen Hinterlistigkeiten, immer wieder gelingt, getroffene Vereinbarungen auszuhebeln. Deshalb gibt es jetzt zum Thema „Kaliningrad-Blockade“ auch kein großes öffentliches Theater mehr, sondern Russland organisiert das, was es organisieren kann und auf das Dritte keinen Einfluss mehr haben: die Seebrücke Russland-Russland.
 
Vorerst aber noch ein paar erklärende Worte, was in den letzten Wochen vorgefallen ist.
 
Litauen hat die LKW-Blockade nicht aufgehoben. Über den Landweg dürfen also keine Waren transportiert werden. Ein Teil dieser Waren, sind sanktionierte Waren. Kaliningrad weicht aus und transportiert diese sanktionierten Waren per Fähre. Da aber die Anzahl der Fähren, bereits auf neun aufgestockt, nicht ausreicht, müssen Nicht-Sanktions-Waren von den Fähren runter und auf die Schiene verlegt werden. Aber Litauen hat auch Transportnormen für den Schienenverkehr festgelegt. Es darf nicht mehr transportiert werden, als durchschnittlich in den letzten drei Jahren transportiert wurde. Aber bei einer derartigen Logistik-Neustruktur des Warentransports, waren die Limite für den Eisenbahntransport bereits nach wenigen Tagen ausgeschöpft. Darüber informierte der Kaliningrader Gouverneur bereits am 9. August. Die Blockade besteht also wieder – diesmal eben nur, weil Limite und Normen bereits ausgeschöpft sind.
 
Der Kaliningrader Gouverneur kommentierte, dass Kaliningrad, um sich vollständig unabhängig von den Launen Litauens zu machen, 22 Fähren benötigt. Daran wird jetzt gearbeitet.
 
Um ein Beispiel zu nennen, welche Auswirkungen das Verhalten Litauens hat … Kaliningrad erhält jährlich bis zu 200.000 Tonnen Portland-Zement aus Weißrussland im Transit durch Litauen. Dies ist nicht mehr möglich. Diese Menge wird nun nach Ust-Luga bei St. Petersburg transportiert, dort so umverpackt, dass sie mit den Fähren nach Kaliningrad gebracht werden kann. Das verteuert den Zement erheblich und somit natürlich auch die Kosten für die boomende Bauwirtschaft in Kaliningrad.
 
Was Litauen damit erreichen will? Nun, man hofft auf sozialpolitische Spannungen in der Region, durch steigende Preise und sinkendes Lebensniveau – ganz einfach.
 
Damit niemand in Russland auf den Gedanken kommt, den Eisenbahntransport irgendwie manipulieren zu können, d.h. die Züge in Litauen anhalten, dort irgendetwas entladen oder irgendetwas zugeladen wird, werden diese durch Militärhubschrauber begleitet. Wer diese Information, verbreitet durch „The Wall Street Journal“, unter Bezug auf das litauische Innenministerium liest, kann sich über so viel Schwachsinn nur noch an den, sich schüttelnden Kopf fassen. Wir reden über eine Strecke von ca. 150 Kilometer auf litauischem Gebiet.
 
Zusammenfassend sieht es so aus, dass Litauen seine eigene antirussische Politik fährt, die sich von der antirussischen Politik der westeuropäischen Staaten der Europäischen Union unterscheidet. Dort will man den russischen Bären nicht über Gebühr reizen, denn „Kaliningrad“ ist gefährlich. Litauen allerdings, fühlt sich mit den USA im Rücken stark und spreizt seine Arme so, als trägt es darunter zwei Wassermelonen.
 
Und so lässt man sich immer wieder etwas Neues einfallen, um Regelungen der Europäischen Union auszuhebeln, so auszuhebeln, dass es Brüssel schwerfällt, dagegen vorzugehen. Ziel ist, dass das Kaliningrader Gebiet keinerlei Waren mehr im Transit durch Litauen transportieren kann. Dass damit Litauen einen Großteil seiner Einnahmen für den Staatshaushalt verliert, scheint die Litauer nicht zu beunruhigen.
 
So hat man sich jetzt einfallen lassen, dass die litauische Bank, über die bisher die Bezahlungen für die Transitdienstleistungen abgewickelt worden sind, ab 15. August keine russischen Rubel mehr annehmen darf. Ab 1. September ist es der Bank verboten, irgendwelche Zahlungen in irgendeiner Valuta aus Russland anzunehmen.
 
Da Russland für Transitleistungen nicht mehr bezahlen kann, denn es gibt keine Bank mehr, werden somit auch keine Transitleistungen mehr durchgeführt – logisch, ohne Geld, keine Leistung. Die litauische Seite meint, dass es nicht ihr Problem sei. Russland soll selber einen Ausweg aus der Situation finden. Der Kaliningrader Gouverneur lies sich etwas einfallen – Russland soll ein Konto direkt bei der zuständigen kommunalen Verwaltung einrichten. Das ist lt. Gesetz nicht gestattet, konterte sofort die litauische Regierung.
 
Dabei scheint mir die Lösung des Problems recht einfach. Litauen erbringt für Russland eine Leistung und stellt dafür natürlich Russland eine Rechnung aus. In jeder Rechnung, zumindest kenne ich dies so aus Deutschland und vielen anderen zivilisierten Ländern, gibt es mindestens eine Bankverbindung, die man für die Bezahlung der Rechnungssumme nutzen kann. Es ist also Aufgabe Litauens und der litauischen Bahn dafür zu sorgen, dass die ausgestellten Rechnungen europäischen Normen entsprechen.
 
Sollte es für dieses Problem keine Lösung geben – und ich befürchte, dass es keine Lösung gibt, so kommt ein weiteres Problem hinzu, denn im Transit werden nicht nur Waren transportiert, sondern auch Menschen. Hier hat Litauen bereits vor zwei Jahren, die Corona-Ereignisse nutzend, die Anzahl der Passagiere in den Transitzügen auf 250 begrenzt. Jetzt gab es Erleichterungen und es dürfen 300 Menschen mit den Zügen reisen. Sollte allerdings für Transitleistungen nicht mehr bezahlt werden, werden auch diese Transitverbindungen eingestellt. Es gibt natürlich sehr intensive Flugverbindungen zwischen Russland und Russland. Diese müssten aber weiter ausgebaut werden. Mindestens drei Flugzeuge müssten täglich zusätzlich fliegen – zumindest bis nach St. Petersburg. Aber es gibt auch Menschen, die nicht fliegen wollen oder können. Und eine Passagierfähre gibt es nicht.
 
Die neuen Fähren, die der Kaliningrader Gouverneur fordert, sollten also auch die Möglichkeit haben, Personen zu transportieren. Im September erhält Kaliningrad eine neunte Fähre. Um sich aber von Litauen vollständig unabhängig zu machen, benötigt Kaliningrad mindestens 22 Fähren und die müssten entweder gebaut werden, was mindestens 1,5 Jahre dauert oder man muss diese im Ausland kaufen.  
 
Spezialisten kommentierten, dass Kaliningrad eine eigene Containerflotte benötigt. Sie sollte aus bis zu 12 Containerschiffen bestehen, von denen jedes bis zu 800 Container transportieren kann. Als Beispiel wurde die Containerlinie Wladiwostok-Kamtschatka genannt, wo so ein Pendelverkehr bereits funktioniert.
 
Und dann ließ der Kaliningrader Gouverneur durchblicken, warum es denn zu keiner Neutronenbomben-Reaktion Russlands gekommen ist. Man ist in Russland einfach noch nicht bereit hierzu. Die Nebenwirkungen auf Kaliningrad scheinen doch größer zu sein und somit will man erst die vollständige logistische Unabhängigkeit von Litauen erreichen, bis man auf die wirtschaftliche Existenz Litauens Einfluss nimmt.
 
Der Kaliningrader Gouverneur sprach davon, dass man die gesamte Transportlogistik Litauens so beeinflussen wird, dass die Hafenwirtschaft des Landes vollständig den Bach runtergeht. Allerdings sind von diesen Gegenmaßnahmen auch Lettland und Estland betroffen. Alichanow informierte, dass 30 Prozent des litauischen Haushaltes aus Einnahmen aus dem Eisenbahntransport und der Hafenwirtschaft bestehen. Verbietet Russland die Ein- und Ausreise von Zügen und Fahrzeugen aus den baltischen Staaten, sieht es mit deren Wirtschaft in wenigen Monaten katastrophal aus.
 
Natürlich hört man in der Europäischen Union diese Aussagen von russischen Entscheidungsträgern. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sich wieder ein Unwohlsein in Brüssel verbreitet. Dort beeilte man sich zu erklären, dass die Sanktionen gegen Russland nicht verbieten, dass für erbrachte Dienstleistungen, z.B. Transitdienstleistungen, bezahlt wird. Darüber informierte die Sprecherin der Europäischen Kommission Arianna Podesta. Wenn also die litauischen Banken kein Geld mehr annehmen, obwohl ihnen dies niemand verbietet, gibt es andere Faktoren, die auf die Entscheidungen der litauischen Banken Einfluss nehmen.
 
Mich erinnert dies immer an die kleinen lästigen Mücken, die zu heißen Zeiten immer wieder zu mir kommen, um mein Blut zu saugen. Manchmal hat es geholfen, dass ich sie totgeschlagen habe. Besser ist allerdings großflächig Spray einzusetzen.
 
Sie sahen einen Beitrag von „Baltische Welle“. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Tschüss und Poka aus Kaliningrad

 

Reklame

Kommentare ( 2 )

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 17. August 2022 10:44 pm

    Hallo Uwe!
    Spray hilft, ist für den Sprayer aber ungesund, und mit Kosten verbunden.
    Erschlagen bedeutet Aufwand, ist aber endgültig !
    Noch Fragen?

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 17. August 2022 10:54

      ... mir sagt man öfter, dass ich so furchtbar "endgültig" bin, nur "schwarz" oder "weiß" kenne. Um dem zu widersprechen habe ich diesmal die "Spray-Variante" mit erwogen ... gefallen tut sie mir aber nicht wirklich.

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 17. August 2022 14:28 pm

    "Zusammenfassend sieht es so aus, dass Litauen seine eigene antirussische Politik fährt, ... "
    Ach wo, die Litauer machen genau das, was denen aus Nato-Übersee aufgetragen wird. Darüber werden doch die EU-Pfeifen in Brüssel nicht unbedingt in Kenntnis gesetzt. Litauen ist das Land, wo sich die Yankees einbilden, daß dort Rußland eines Tages US-wunschgemäß reagiert und man sich einbildet, Kaliningrad in einer begrenzten Militär-Aktion zu liquidieren. Ganz offensichtlich bildet man sich ein, daß die Russen wegen dieses Exil-Fleckens keinen großen Krieg riskieren würden, zumal sie ja entsprechend den Nato-Hoffnungen fatal geschwächt aus dem Ukraine-Abenteuer gekommen wären.

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung