Gespräch am Kamin: Deutschland ändert seine Taktik

Gespräch am Kamin: Deutschland ändert seine Taktik
 
Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu treffen und Gespräche zu führen. In Russland ist es üblich, dass man sich in der Küche trifft. Auch ich sitze mit meinen Gästen in der Küche. Aber es gibt auch Ausnahmen und wir sitzen neben einem Kamin – auch zu hitzigen Zeiten, und versuchen mit kühlem Kopf Gedanken auszutauschen.
 
 
Und wieder einmal habe ich mich mit einem Bekannten auf ein Glas Tee getroffen. Neben geschäftlichen Dingen kamen wir, wie ist es auch nicht anders zu erwarten, auf die Ukraine-Thematik und auf Deutschland zu sprechen.
 
Nachdem mein Gesprächspartner mich an Äußerungen des „Hohen Vertreters der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borrell erinnert hat … zur Erinnerung, Borrell meinte, dass „… dieser Krieg auf dem Schlachtfeld entschieden wird …“ fragte er mich, ob man sich denn in Europa nicht an die traditionellen, alle hundert Jahre wiederkehrenden Versuche erinnert, Russland zu erobern und in die Knie zu zwingen. Napoleon hat es versucht und landete letztendlich auf einer Insel. Hitler hat es auch versucht und landete in einer Grube und wurde feuerbestattet, noch bevor Deutschland kapituliert hatte.
 
„Sie kommen alle hundert Jahre nach Russland und „Chuij polutschit““ – meinte mein russischer Gesprächspartner. Mit anderen Worten: In Russland reichen zwei Worte, um das zu erklären, was ich Ihnen in einem ganzen Absatz jetzt erzählt habe.
 
Und mein Gesprächspartner sinnierte weiter und kam zu interessanten Erkenntnissen. Er meinte, dass Deutschland wohl eine tiefgreifende und wirklich gründliche Analyse seiner Historie vorgenommen und seine Politik, fußend auf der Erkenntnis, dass man in den letzten hundert Jahren verkehrt agiert habe, völlig geändert habe.
 
Er meinte, dass Deutschland, gemeinsam mit seinen Verbündeten Rumänien, Italien, Ungarn, Finnland, die Slowakei, Kroatien und Litauen, am 22. Juni 1941 mit mehr als 157 Divisionen in die Sowjetunion einfiel. Das Ziel bestand daran, die russischen Slawen, die ukrainischen Slawen, die weißrussischen Slawen … also kurz, alle Slawen zu vernichten und das Territorium, mit all seinen Reichtümern, dem deutschen Volk, dem Volk ohne Raum, zu übergeben.
 
Das gelang nicht ganz. Es wurden nur 27 Millionen Slawen ermordet. Mit anderen Worten, die Zielstellung des Führers des deutschen Volkes wurde durch die Deutschen vorerst nicht erfüllt.
 
Ausgehend von dieser bitteren Erkenntnis, handelt die heutige, demokratisch von der Mehrheit des deutschen Volkes gewählte Regierung der Bundesrepublik Deutschland anders. Man versorgt die ukrainischen Slawen mit militärischen Ausrüstungsgütern. Zuerst waren es wohl warme Stricksocken, dann Stahlhelme und jetzt sollen es Panzer und schwere Artillerie sein. Man entwickelt ungeahnte Initiativen, um die benötigte Technik zusammenzubekommen, denn die Bundeswehr, die Nachfolgearmee der Wehrmacht, verfügt nicht über ausreichende Technik, die man opfern kann.
 
„Wir haben geliefert und wir werden liefern. Wir werden dies in enger Abstimmung mit unseren Verbündeten tun und werden nicht ohne das Einverständnis der anderen Staaten handeln“, - so erinnerte sich mein Gesprächspartner an die Worte des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz.
 
Mit anderen Worten, Deutschland versorgt die ukrainischen Slawen mit allem was nötig ist, um die russischen Slawen zu töten. Damals versorgte Deutschland nur die faschistischen Bandera-Banden mit allem Notwendigen, damit diese gegen ihre slawischen Brüder kämpfen. Heute wird das gesamte slawische ukrainische Volk versorgt. Man hofft wohl, dass sich die Slawen gegenseitig töten.
 
Herr Olaf Scholz – so erinnerte mich mein Gesprächspartner mit einem prüfenden Seitenblick auf mich, bedauerte, dass Deutschland nicht mehr über genügend Militärtechnik aus sowjetischer Produktion, sprich, aus Beständen der Nationalen Volksarmee verfüge.
 
Die gesamte NVA-Technik hatte die BRD defacto geschenkt bekommen. Und es wäre natürlich heute die perfekte Lösung – so mein zynischer Gesprächspartner, wenn man die geschenkt bekommene sowjetische NVA-Militärtechnik einsetzen könnte, damit die ukrainischen Slawen die russischen Slawen mit dieser Technik töten können. Letztendlich korrigiert man mit ein paar Jahren Verspätung die Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges, hat erreicht, was Hitler nicht erreicht hat, also die Vernichtung der Slawen und das Ganze auch noch kostenlos.
 
Ich setzte mein Glas Tee ziemlich hart auf den Sims des Kamins ab, ging in die Küche zu meinem Kühlschrank, nahm eine Flasche Wodka „Russki Standard“ heraus und füllte mir volle hundert Gramm ein. Auf ein so knallhartes Gespräch war ich nicht vorbereitet.
 
Mein Gesprächspartner verabschiedete sich dann auch ziemlich schnell und meinte, mit der Türklinke in der Hand: Übrigens, die Deutschen wollen kein Personal zur Einweisung oder zur Bedienung der Technik in die Ukraine schicken. Man will vermeiden, dass arisches Blut fließt.
 
 
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Kommentare ( 4 )

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 15. April 2022 15:04 pm

    Ja, leider stimmt das so. Die Menschen deutscher Zunge und angeblich arischen Geblüts, die diese Grausamkeiten und die schweren Zeiten danach überlebt haben, sind wohl mehrheitlich die Endlichkeit ihres Daseins gegangen. Diese faschistische Ideologie hat sich, allerdings etwas kaschiert mit vor allem sehr grünen Blümchen verziert, gehalten. Zwischenzeitlich sind nicht nur eine neue Generation im ziemlich verkleinerten Deutschen Reich, daß in BRD umgetauft wurde, herangewachsen. Von arisch ist keine Rede mehr. Ganz im Gegenteil. Schaut man ins Fernsehen oder auch in die Politik, weiß man oft nicht genau, wie man diese fremd anmutenden Buchstabenfolgen als Worte sprechen soll. Und im Großteil dieser ab und zu noch weißen, sehr vielen bunten Köpfen spukt aber diese wertewestliche Arroganz aus Übersee und der Russophobie und die geschichtliche Dummheit. Die ideologische Züchtung in dieser Hinsicht über viele Jahrzehnte hinweg hat wohl zahlreiche Früchte getragen.

  • Müller-Thurgau

    Veröffentlicht: 15. April 2022 23:46 pm

    An "arisch" denken wohl die wenigsten, trotzdem knüpft die heutige antirussische Propaganda an die von damals an. Wenn im Fernsehen unwidersprochen gesagt werden kann, "Russen sehen nur aus wie Europäer, sind aber keine und sie haben ein anderes Verhältnis zum Tod", dann ist das geduldete oder sogar gewollte Volksverhetzung! Da klingt wieder der "Untermensch" an.
     
    Hauptkriegstreiber ist aber der US-Imperialismus! Die verantwortlichen BRD-Politiker (sowie andere europäische) und ihre Medien sind nur dessen Lakaien. Sie sind Verräter, weil sie den Interessen einer fremden Macht dienen, zum Schaden des eigenen Landes.
     
    Die USA werden alles dafür tun, um aus der Militäroperation einen großen Krieg zu machen, von dem sie glauben, er würde nur in Europa stattfinden. Ich weiß, daß Rußland keine andere Wahl hatte, als diese Operation zu beginnen, und ich hoffe auf eine Befreiung bis hinter Odessa. Ich sehe aber auch: Mit jedem Tag wächst die Kriegsgefahr!

  • Herbert Bachmann

    Veröffentlicht: 16. April 2022 14:29 pm

    Ich glaube eher das man versucht, nein man macht es die Westeuropäer in Kriegslaune zu befördern, Propaganda und Desinformation waren auch Goebels Waffe, um das deutsche Volk zu begeistern, wie wir erkennen müssen ist das heute noch genauso wie vor 90 Jahren, die Technik und die Mittel sind natürlich anders, aber der Weg und das Ziel ist der gleiche.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 17. April 2022 11:22 pm

    Wie wird man vom Patrioten zum Idioten?
    Indem man an die Möglichkeit eine Sieges der Ukraine glaubt !
    Es ist ehrenhaft, sein Vaterland zu verteidigen, aber es ist dumm, diese ehrenvolle Haltung der Realisierung von Interessen Dritter zu widmen!
    Indem die Ukraine eine Nato-Vollmitgliedschaft unter Einbeziehung atomarer Bewaffnung anstrebte, hat sie ihre Existenz, unter Vernachlässigung vitaler Interessen einer benachbarten Großmacht, mit der sie sich nicht messen konnte, selbst und bewußt, ausgesetzt, und sich damit auch definitiv als möglicher Feind gekennzeichnet.
    Wer glaubt, mit monatlich "geforderten" 7 000 000 000 Euro Unterstützung einen nicht zu gewinnenden Krieg führen zu müssen, der hat keinen Verstand, der handelt auch nicht im Sinne seines Volkes.
    Die von Anbeginn erwartete, und auch einzig richtige Lösung, wäre eine Vermeidung der Eskalation gewesen, jetzt aber die Kapitulation!

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