Gespräche in Deutschland mit Deutschen – Hallo und Guten Tag Deutschland

Gespräche in Deutschland mit Deutschen – Hallo und Guten Tag Deutschland
 
Für einige Tage befinde ich mich in Deutschland. Die Anreise war nicht ganz unproblematisch. Meinen Aufenthalt wollte ich auch nutzen, um mich mit anderen Menschen zu unterhalten. Ich wollte direkte Meinungen und Eindrücke und nicht nur die Menschen sehen, die mir ARD und ZDF, über Satellit gefiltert, anbieten.
 
 
Wie Meinungen produziert werden, merkte ich zuerst im polnischen Gdansk. Ein polnischer Gesprächspartner den ich zufällig traf, erfuhr, dass ich aus Kaliningrad komme. Er konnte ein wenig Russisch und fragte mich besorgt, wie lange wir dort noch durchhalten, denn die Bevölkerung hungert doch dort schon so lange. Erstaunt hörte er von mir, dass in Kaliningrad niemand hungert und die Geschäfte voll sind mit allem was man zum täglichen Leben braucht. Er sagte, dass das in den polnischen Medien ganz anders dargestellt wird.
 
Für mich war dieses kleine Gespräch im polnischen Gdansk ein Gedankenanstoß, doch aus dem täglichen Leben in Kaliningrad viel mehr zu berichten, denn ähnliches wird vielleicht auch in Deutschland über die armen, hungernden Kaliningrader berichtet.
 
Angekommen in Deutschland sammelte ich gleich praktische Erfahrungen in der europäischen Wirtschaftsmacht Nr. 1. Ich saß in einem Bus von Berlin nach Hamburg und vier Stunden lang gab es kein Internet. Ich war beeindruckt, denn selbst am Tor zu Sibirien, gab es im Dorf Palawinka oder irgendwo im Wald beim Pilze sammeln, Internet.
 
Die ersten beiden Tage waren über Gebühr stressig. Ich fühlte mich dicht an meiner physischen Leistungsgrenze. Zuviel war zu organisieren. Auf meinen Wegen kreuz und quer durch die Stadt und deren Vororte kam ich mit einigen Leuten ins Gespräch – ohne Kamera, einfach nur so, in Läden, wo ich etwas kaufte, auf der Straße, wenn ich nach dem Weg fragte. Im Restaurant, wenn ich einen Kaffee bestellte und die Gelegenheit zum Austausch von Nettigkeiten vorhanden war.
 
Ich stellte fest, dass sich die Menschen in Deutschland in nichts von den Menschen in Kaliningrad unterschieden. Alle waren zufrieden, zeigten sich immer höflich, nicht wenige waren eilig unterwegs und ich sah weniger Obdachlose in der Mönckebergstraße und am Hauptbahnhof, als noch vor einem Jahr. Und Hamburg ist voll mit Baustellen. Ich brauchte wesentlich mehr Zeit, um zu meinen Zielen zu kommen.
 
Bei meinen Gesprächen mit Deutschen und Deutschinnen sah ich keinerlei Anzeichen von Deprimierung, Mutlosigkeit, Hoffnungslosigkeit – nein, alle machten einen ganz normalen Eindruck. Und als ich das Gespräch auf die Versorgungslage brachte … keinerlei herausragende Emotionen, kein Schimpfen, kein Meckern. Ja, das Leben ist teurer geworden … aber mehr war auch nicht zu hören. Ich wunderte mich, denn noch vor wenigen Jahren erinnere ich mich an irgendwelche vorrevolutionären Situationen, als die Milch mal um ein paar Cent im Preis angehoben worden war.
 
Das Thema Gas-Notstand, so mein Eindruck, wird durch die Bevölkerung nur als virtuelles Problem und keineswegs reales Problem wahrgenommen. Die merkwürdigen Aufrufe der führenden deutschen Verantwortungsträger zum Sparen rufen wohl doch nur den Eindruck einer Comedy-Veranstaltung hervor und werden real nicht ernst genommen. Man begreift nicht die Situation, in die sich Deutschland jetzt bewegt.
 
Ich versuchte, dort wo ich es für möglich und angebracht hielt, meinen Gesprächspartnern zu erklären, wohin alles führt, wenn kein Gas mehr fliest. Man hörte mir aufmerksam zu, so, als ob man das alles zum ersten Mal hörte. Und ich ließ in meinen Gesprächen immer die Formulierung einfließen: „Ihr wisst anscheinend wirklich nicht, was auf Euch bis zum Jahresende zukommt. Deutschland wird Zustände erleben wie im Winter 1946 und dies nicht nur auf die Gasversorgungslage bezogen.
 
Bei einigen meiner Gesprächspartner hatte ich den Eindruck, als ob sie nichts über die Winterkrise des Jahres 1946 in Deutschland wussten. Keiner sollte frieren, ohne zu hungern … so oder so ähnlich könnte man die damalige Situation bezeichnen. Viele hatten wohl im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst.
Ich wiederhole nochmal: Ich habe den Eindruck, als ob kein Deutscher wirklich Zukunftsängste hat. Keiner macht sich wirklich real Sorgen oder Gedanken um das, was in drei, vier Monaten mit großer Wahrscheinlichkeit beginnt.
 
Wirklich aufmerksam hörten mir meine Gesprächspartner zu, als ich erzählte, wie das Leben in Russland gegenwärtig real abläuft, dass niemand hungert, niemand friert. Ich verschwieg nicht, dass wir zwar übervolle Lebensmittelgeschäfte haben, es keine Rationierung von Sonnenblumenöl oder Toilettenpapier gibt, wir aber bald wohl keine ausländischen Autos mehr kaufen können und auch Channel Nr. 5 teurer wird, weil wir es auf dem Graumarkt einkaufen müssen.
 
Ich erzählte meinen Zuhörern, dass es jetzt deutsche Rentner in Russland gibt (nicht sehr viele), die nicht wissen, wie sie ihre deutsche Rente nach Russland bekommen können, denn Deutschland hat alles unternommen, damit diese „Untreuen“ kein Geld mehr nach Russland überwiesen bekommen. Und auch der Transport von Bargeld selber wurde verboten.
 
Ich erzählte, dass die Europäische Union ellenlange Listen mit Waren erarbeitet hat, die nicht mehr nach Russland ausgeführt werden dürfen. Hierbei geht es um Waren, um Konsumgüter, die auch Privatpersonen nicht mehr nach Russland mitnehmen dürfen – alles mit dem Ziel, das Lebensniveau in Russland abzusenken. Die Bevölkerung soll wohl unzufrieden gemacht werden – so meine Schlussfolgerung – um dann das Putin-Regime zu stürzen. Dass die krisengewohnten Russen völlig anders ticken, als westliche Analytiker und Strategen dies gerne sehen wollen, rief bei meinen Zuhörern den Aha-Effekt hervor.
 
Den Beitrag habe ich am dritten Tag meines Aufenthaltes in Deutschland geschrieben – er ist also noch nicht sehr repräsentativ. Ich verspreche Ihnen weitere Eindrücke und Erlebnisberichte – möglichst zeitnah, so wie es mein „Problemkatalog der zu lösenden Aufgaben“ in Deutschland zulässt.
 
Sie sahen einen Beitrag von „Baltische Welle“. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Tschüss und Poka aus Deutschland
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Kommentare ( 6 )

  • Peter Nagel

    Veröffentlicht: 9. August 2022 11:28 pm

    Genau so sieht das aus hier! Den meisten Deutschen ist immer noch nicht bewusst was im Winter auf uns zurollt. Die Ahnungslosigkeit und wir haben ja alles uns geht es doch gut, wird vielen die Augen öffnen aber dann ist es zu spät.
    Die Zeichen mehren sich immer mehr das wir einen Blackout bekommen werden und dann war es das mit Deutschland?
    Es läuft für die Elite alles nach Plan, zerstören und dann den Leuten sich als Heilsbringer und Retter ausgeben!
    Die Politik tanzt und doch auf der Nase herum und hey wenn man gegen diese Energie Politik auf die Strasse geht ist man schon ein Rechter und wird bestraft laut Fr. Faeser.
    Es wird sehr sehr ungemütlich hier werden und dann wünscht man sich, nicht in Deutschland mehr leben zu müssen!

  • Rainer

    Veröffentlicht: 9. August 2022 14:36 pm

    Zu dem Genderwahn in Deutschland

    Also dieses Gegendere geht mir dermaßen auf die Eier, diesen Schwachsinn mache ich jedenfalls nicht mit. Jedes Gespräch in dieser nichtdeutschen Sprache würde durch mich umgehend beendet werden. Eine Bank, mit der ich sehr zufrieden bin, hat, obwohl ich persönlich angeschrieben wurde, auch gegendert. In einer E-Mail und ein Telefonat habe ich höflichst darum gebeten, dieses künftig zu unterlassen (offensichtlich mit Erfolg, da seitdem keine Verstöße diesbezüglich).
    Die Öffentlich Rechtlichen, im Speziellen das ZDF mit der „heute-Sendung“, moderiert von Petra Gerster mit ihrer komischen Sprechweise, haben mich als Zuschauer verloren. Die anderen Öffentich Rechtlichen, aber auch die Privaten landen bei mir nicht mehr auf dem Schirm, hat aber andere Gründe.
    Da ich weiß, dass das einmalige Gendern von Erichowitsch in diesem Beitrag nicht ernst, sondern ironisch gemeint war, bleibe ich diesem Kanal treu. Hier fühle ich mich unter Gleichgesinnten sauwohl.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 9. August 2022 14:42

      ... manchmal bin ich auch zynisch und sarkastisch. Seit Jahren versuchen Leute aus einer gewissen politischen Orientierungslinie mir zu sagen, wie ich zu sprechen habe. Da ich aber seit 3. Oktober 1990 ein freier Mensch bin und denken und sagen kann, was ich will, lasse auch ich mir keine Vorschriften machen - schon gar nicht, wie ich zu sprechen habe ...

  • Rainer

    Veröffentlicht: 9. August 2022 15:04 pm

    Erichowitsch
    Ich persönlich liebe den teils gut versteckten Sarkasmus, deshalb sehe ich mir auch gern die Videos an, da kommt das Ganze noch wirkungsvoller rüber, als nur den Text zu lesen.

  • P.Kahle@gmx.de

    Veröffentlicht: 9. August 2022 19:38 pm

    Es ist aber auch so, das die meisten bei uns , es nicht Wissen Wollen , was auf ihnen zu kommt . Ich rede mich Dumm und Fusselig und Erklären ihnen , was die Sanktionen für uns bedeuten wenn kein Gas und Öl mehr von Russland kommt . Ich erkläre ihnen aber auch, das wir seit 1973 von Russland alles beziehen und darauf unser Wohlstand beruht . Leider ist es aber auch so , das viele auch nicht Wissen Wollen, das die US Regierung , der Verursacher und Kriegstreiber und der Ukraine ist . Ich Sage dann immer um es zu verstehen , in die Geschichte rein zu gehen . Den wir haben eine gemeinsame Geschichte und Verantwortung . Wie sagte schon Bismarck solange man mit Russland im reinen war, war es für Preußen und Eropa

  • loyalo nilats gleichgesinnter

    Veröffentlicht: 10. August 2022 10:52 pm

    ich hoffe, daß wir im winter kein erdgas und öl mehr bekommen, weil dann die "sanktionen" umgesetzt werden. warum? weil sich nur dann etwas in diesem land tut. so wie es aussieht, wissen die, die nicht einmal von der hälfte der wähler dieses landes gewählt wurden ganz genau was dann passiert. deshalb wird nach wie vor gas und öl gekauft, heimlich. aber auch das spricht sich rum, dank unabhängiger journalisten und medienexperten.
    tschüs und poka.

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 10. August 2022 18:52 pm

    "Den meisten Deutschen ist immer noch nicht bewusst was im Winter auf uns zurollt."
    Woher sollen die "armen Leutchen" das wissen? Die BLÖD-Zeitung, die Öffentlich Unredlichen und der übrige Block der Schreiberlinge und Dummschwätzer, Lügner und Verleumder, die sich ihren Blödsinn und ihre Bösartigkeiten von einem sogenannten Recherche - Correktiv schönreden lassen müssen. Correktiv hierzulande, verbandelt mit dem ehemals seriösen Magazin Spiegel und der Lügenerfindertruppe Bellingcat in wohl bald Kleinbritannien stehen doch auf der US-Gehaltsliste.
    Warum gibt es immer noch im Osten so rebellische Bevölkerung, der sich nicht in den Gleichschritt der Westideologie eingliedern will? Es sind erst dreißig Jahre vergangen und es leben noch Leute, die selbständig denken können und denen Anstand und Ehrlichkeit noch echte Begriffe sind, was im Westen in 7 Jahrzehnten erfolgreich heraus gezüchtet worden ist. Diese gleichartige ideologische Basis mit dem Verzicht braucht der Krieg gegen RF.

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