Glas halbvoll oder halbleer? Der Rubel begibt sich in ungeahnte Höhen

Glas halbvoll oder halbleer? Der Rubel begibt sich in ungeahnte Höhen

 

Für den einen sind Kursänderungen in der drastischen Art, wie sie seit zwei Tagen in Russland zu beobachten sind, eine Lebenskatastrophe. Für andere beginnen unendliche Feiertage, wo man, wenn genügend „Spielgeld“, auch Spekulationskapital genannt, vorhanden ist, täglich viel Geld durch Kursgewinne verdienen kann.

 

 

Der Rubel reagiert immer noch überempfindlich auf Preisschwankungen im Erdölbereich. Fällt der Preis, steigt der Rubelkurs. Fallen und Steigen von Kursen muss nicht immer schlecht und nicht immer gut sein. Es kommt auf den Standpunkt an. Anfang des Jahres war der Kurs des Rubel zum Euro sehr niedrig – nur 68 Rubel musste man für einen Euro auf den Banktresen packen. Für diejenigen, die Euro kaufen wollten, um einen Urlaub in der Europäischen Union zu machen ein sehr guter Kurs. Für diejenigen, die Ware produzieren und diese ins Ausland verkaufen wollten, ist es ein schlechter Kurs, denn ein niedriger Rubelkurs verteuert das Erzeugnis für den Käufer.

Jetzt ist der Preis für Erdöl um über ein Drittel eingebrochen. Grund sind die am vergangenen Freitag gescheiterten Verhandlungen Russlands mit den OPEC-Ländern in Wien über eine Drosselung der Ölförderung.

Saudi-Arabien reagierte verschnupft und versucht nun auf Russland Druck auszuüben. Russische Medien sprechen sogar von einem aggressiven wirtschaftlichen Vorgehen der Saudis. Ziel ist, Russland wirtschaftlich in die Knie zu zwingen.

Man kann dieses Verhalten der Saudis verurteilen, man kann es aber auch unter dem Aspekt sehen, dass Saudi-Arabien Russland den Spiegel vorhält und Russland darin sieht, wo es immer noch schwach ist. Und Russland könnte die jetzige Situation nutzen, um endlich die Abhängigkeit von Öl und Gas weiter zu drosseln, seine Wirtschaft mehr zu diversifizieren und somit ein effektives Risikomanagement zu organisieren.

Am heutigen Montag, in Russland ist es ein freier Tag, zeigen die Börsen, dass ein Barrel rund 33 USD kostet und damit über ein Drittel weniger, als noch am gestrigen Tag.

Somit flog der Kurs des Rubels, der im Januar noch 69 Rubel für einen Euro betrug, im Februar bereits auf 73 Rubel anstieg und am heutigen Montag bei 84 Rubel liegt. Für diejenigen, die Euro auf dem Konto liegen haben und Investitionen in Russland planen, beginnen jetzt die Feiertage. Aber man muss auch Nerven und das gewisse Fingerspitzengefühl haben, bei welchem Kurs man verkauft.

Für diejenigen, die eine Urlaubsreise nach Europa planen und diese bei dem Reisebüro noch nicht bezahlt, sondern nur reserviert haben, ist die jetzige Entwicklung ein guter Anlass nochmal über die Notwendigkeit der Reise nachzudenken – insbesondere auch wegen der Corona-Gefahr. Wer jetzt nicht fährt spart Geld und bleibt gesund.

Die Gefahr, dass der Rubelkurs sich wieder nach unten bewegt, scheint für die kommenden Tage nicht zu bestehen, denn die jetzigen Vereinbarungen Russlands mit der OPEK gelten bis zum 1. April. Wird man sich bis dahin nicht einig, kann es zu weiteren Höhenflügen des Rubels kommen und die Feiertage für die Russlandinvestoren setzen sich fort.

Russland hat für seinen Haushalt einen Ölpreis von 42 USD pro Barell angesetzt. Liegt der Preis darüber, verdient der Staat mehr und kann mehr Aufgaben erfüllen. Liegt der Preis darunter, gibt es ein Haushaltsdefizit, geplante Aufgaben können nicht erfüllt werden oder aber Russland muss seine Reserven an die Front werfen. Und davon sind mehr als ausreichend vorhanden.

Während der Finanzminister in der vergangenen Woche noch davon sprach, dass man sich für die kommenden vier Jahre keine Sorgen um den russischen Haushalt machen braucht, sprachen Spezialisten seines Ministeriums heute von 6 – 10 Jahren vorhandener Reserven, sollte der Ölpreis sogar auf bis zu 25 USD fallen.

 

 

Russland verfügt über liquide Aktiva des „Fonds für den Nationalen Wohlstand“. Eben dieser Fond wird gefüttert aus den Überschüssen, die Russland aus Ölverkäufen erzielt und kann umgekehrt natürlich auch genutzt werden, wenn man mal kein Geld verdient.

 

 

Die russische Zentralbank hat ebenfalls reagiert und verkündet, man werde nun keine ausländische Valuta mehr kaufen – logisch, bei einem derartigen Rubelkurs wird jeder Dollar und jeder Euro für die weiteren internationalen Reserven sehr teuer. Russland hat in den letzten Jahren sehr viel getan, um seine internationalen Reserven, nach dem Einbruch um das Jahr 2014, wieder aufzustocken und hat sein Ziel, 500 Mrd. USD, längst erreicht und wesentlich überboten. Russland verfügt über die größten internationalen Reserven seit dem Jahre 2000. Man kann sich also erstmal entspannt zurücklehnen.

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