Glückliche deutsche Nicht-Investoren

Glückliche deutsche Nicht-Investoren

 

Wie glücklich müssen jetzt diejenigen Deutschen sein, die in der Vergangenheit den Gedanken hatten, den Lockrufen einiger Deutscher zu folgen und in Deutsche Dörfer oder Deutsche Datschen in exKönigsberg zu investieren und dies nicht getan haben. Aber es soll auch Unglückliche geben.

 

 

Einige Anfragen haben mich in den letzten Wochen und Monaten erreicht, wo Neugierige wissen wollten, was denn nun aus den verschiedensten Projekten „Deutscher Dörfer“ geworden ist. Immerhin beschäftigen sich „Deutsche Investoren“ nun schon über fünf Jahre mit den Projekten.

Kurz gesagt: „Nichts.“

Aber es gibt trotzdem Bewegung. Es bewegen sich zwar keine kleinen und schon gar keine großen deutschen Busse mehr in die dunklen Wälder und an die kristallenen Seen Ostpreußens, aber dafür bewegen sich wohl russische Organe, die beginnen, ein wenig Ordnung in die Arbeit „Deutscher Investoren“ zu schaffen.

Ein Blick in die Datenbanken, die sich vielfach aus öffentlichen Quellen, wie z.B. den Informationen aus der russischen Steuerbehörde füttern zeigt, dass Herr Andreas Funke, der Gründer der Firmen „Königsberg Consulting“ und „Ethnodorf“ sich aus der Geschäftsführung von „Ethnodorf“ zurückgezogen hat. Seit 25. März 2020 ist Frau Valeria Kölman nicht nur Geschäftsführerin von „Königsberg-Consulting“, sondern auch Geschäftsführerin von „Ethnodorf“. Bekannte hatten mir erzählt, dass ein Ausländer in Russland nur dann Geschäftsführer einer Firma sein kann, wenn er eine Arbeitsgenehmigung hat. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Herr Funke keine derartige Arbeitsgenehmigung hatte, denn er kennt die russische Gesetzgebung doch sehr genau:

Video: Interview Andreas Funke

Und schaut man dann noch auf die Ergebnisse der wirtschaftlichen Tätigkeit beider Firmen, so besagen die Zahlen aus dem Jahre 2018: Null Einnahmen, Null Steuern.

Screen: Ergebnisse der wirtschaftlichen Tätigkeit „Ethnodorf“ und „Königsberg Consulting“
 
Die Ergebnisse aus dem Jahre 2019 werden in Kürze veröffentlicht. Wenn auch das Jahr 2019 keine wirtschaftlichen Resultate zeigt, könnte es durchaus sein, dass die Kaliningrader Steuerbehörden einschätzen, dass sich beide Firmen nicht mit wirtschaftlicher Tätigkeit beschäftigen und diese beiden Firmen das Schicksal vieler tausend anderer Firmen in den letzten Jahren teilen: sie werden geschlossen.
 
Grafik: Firmengründungen und Firmenliquidierungen im Kaliningrader Gebiet
 
Und da wir gerade bei den Firmenliquidierungen sind, schauen wir doch gleich auf die Aktivitäten der Herren Tischer und Bachmann. Deren Gründerkonzept bestand in der Gründung der Firma „Konzepta“, die sogenannte „Dachfirma“ einer Holding nach Schweizer Vorbild. Unter diesem „Dach“ sollten eine Vielzahl weiterer Firmengründungen folgen.
 
Grafik: Firmengründungen und Firmenschließungen unter dem Dach von „Konzepta“
 
Diese Firmen hatten die Aufgabe, Grundstücke in die Bilanz aufzunehmen, so dass über diesen „Umweg“ Ausländer doch zu Eigentümern von Grund und Boden werden – eine völlig verkehrte Grundannahme, denn auch mit dieser Vorgehensweise wird der Ausländer kein Eigentümer von Grund und Boden in Russland. Eigentümer von Grund und Boden wird – im günstigsten Fall – eine russische juristische Person. Und wenn diese russische juristische Person keine reale wirtschaftliche Tätigkeit entfaltet, d.h. keine Einnahmen erwirtschaftet, keine Ausgaben tätigt, keine Steuern zahlt und der Berichtspflicht gegenüber den russischen Steuer- und Statistikbehörden nicht nachkommt, so werden auch diese Firmen liquidiert. Die Liquidierung erfolgt durch Initiative der Steuerbehörden. Ein Gerichtsbeschluss ist hierzu nicht nötig. Und was passiert dann mit den Grundstücken, die in der Bilanz dieser „Firmen“ stehen?
 
Werfen wir schnell einen Blick in die russischen Datenbanken. Die erste Firmengründung erfolgte im Jahre 2017. Bis zum heutigen Tag sind neun Firmen gegründet und fünf davon wieder liquidiert worden, bzw. befinden sich in Liquidierung. Keine der Firmen des Jahres 2017 lebt noch, 50 Prozent der Firmen aus 2018 haben ihr Dasein beendet. In weiteren Prognosen will ich mich nicht reinsteigern, sondern werfe einfach nur nochmal einen Blick in die Arbeit der Kaliningrader Steuerbehörde, die trotz Corona-Krise im ersten Quartal 2020 bereits 6.879 Firmen liquidiert hat – mehr als im gesamten Jahr 2019. Gefaulenzt wird dort also nicht.
 
Nun könnte natürlich jemand die Frage aufwerfen, warum die Firma „Konzepta“ noch existiert. Mit der Liquidierung dieser Firma würde das ganze Konzept zusammenbrechen. Nun, ganz so einfach ist es nicht, denn die Firma „Konzepta“ weist eine wirtschaftliche Tätigkeit nach. Immerhin hat sie im Jahre 2018 rund 700 Euro an Einnahmen und rund 600 Euro an Ausgaben gehabt. Und sie hat rund 80 Euro an Steuern bezahlt. Damit erfüllt sie die Mindestforderungen der Steuerbehörden.
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