Hat „Königsberg“ die Stadtbezeichnung von „Königsberg“ gestohlen?

Hat „Königsberg“ die Stadtbezeichnung von „Königsberg“ gestohlen?

 

 

Wer heute eine Doktorarbeit kopiert, verliert seinen Doktortitel, wenn er denn erwischt wird. Wer im Mittelalter den Stadtnamen einer anderen Stadt kopierte, wurde nicht bestraft, denn im Mittelalter hatte man noch kein Internet, kein Wikipedia und die rechtlichen Bestimmungen zu geistigem Eigentum waren wohl nicht besonders entwickelt. Deshalb konnte man geraubtem Eigentum auch den Namen „Königsberg“ geben.

„Königsberg“ wurde erstmal im Jahre 1234 urkundlich erwähnt – sagt Wikipedia. Die Stadt entstand infolge eines Burgenbaus auf dem „Weinberg des Königs“ um 1180 und wurde durch den Zubau von Siedlungen zu einer Stadt, die 1333 das Marktrecht und 1358 das volle Stadtrecht erhielt. Im Verlaufe der Jahrhunderte wurde die Stadt vielmals verpfändet und erhielt viele neue Besitzer. Heute hat sie rund 3.600 Einwohner, die sich alle als Bayern bezeichnen.

Und es gab bis 1946 noch ein anderes Königsberg. Um das Jahr 900 wird eine Burg mit Namen Twangste erwähnt. Irgendwann meinte der Deutsche Orden, dass die westbaltischen Prußen das Land der dunklen Wälder und kristallenen Seen gar nicht verdient hätten und eroberten es einfach. 1255 erreichte man den Ort Twangste und Poppo von Osterna begann an der Pregelmündung eine Ordensburg zu errichten. Man machte sich also auf fremdem Territorium breit und die Nachfahren der Eroberer haben bis heute keine Gewissensbisse – ganz im Gegenteil, denn als die Sowjets das eroberte Gebiet eroberten – das war im Jahre 1945, fanden dass die Erben der deutschen Ordensritter unerhört und fordern bis heute die Rückgabe. Aber wenn es etwas gibt, was zurückgegeben werden muss, so doch nicht an die Erben der deutschen Ordensritter, sondern an die wirklichen Besitzer – oder? In welcher Rechtsordnung ist es so, dass der Dieb von der Polizei sein Diebesgut übergeben bekommt?

Aber reden wir jetzt nicht über das vom Deutschen Orden gestohlene Gebiet, sondern über den vom Deutschen Orden gestohlenen Namen. So richtig verstanden habe ich Wikipedia nicht. Man könnte verstehen, dass 1256 der Ort bereits „Königsberg“ genannt wurde, aber etwas später wird geschrieben, dass die Stadtgründung erst 1283 zu Ehren von Ottokar II. erfolgte. Egal welches Datum das richtige ist – es liegt nach dem Jahr 1234, in dem bereits ein „Königsberg“ existierte. Somit verstehe ich die Situation so, dass der Stadtname gestohlen wurde, wenn auch vermutlich in Unwissenheit. Wir wissen aber, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt.

Steht die Frage, wen man denn heute für diesen Diebstahl geistigen Eigentums oder der Verletzung von Namensrechten bestrafen könnte und wie will man ihn bestrafen. Ein mühseliges Unterfangen und letztendlich wird sicher Aufwand und Nutzen nicht im vernünftigen Verhältnis stehen.

Außerdem zeigt die jüngere Geschichte, dass Russland, bzw. damals Stalin, mit seinem Befehl über die Umbenennung der Stadt in Kaliningrad, den Namensdiebstahl beendet hat.

Nun ist aber seit Jahren die Diskussion um eine Umbenennung der Stadt wieder aufgeflammt. Und es gibt in Deutschland, aber auch in Kaliningrad nicht wenige, die fordern, der Stadt den gestohlenen Namen wiederzugeben.

Ich frage mich nun, ob die Bewohner der Stadt denn mit ruhigem Gewissen in einer Stadt leben können, deren Namen gestohlen wurde. Ich würde mich in einer solchen Stadt nicht wohlfühlen.

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