Hilfe, ich bin Deutscher. Wie rette ich mich und mein Geld?

Hilfe, ich bin Deutscher. Wie rette ich mich und mein Geld?
 
Viele Menschen machen sich jetzt Sorgen – Sorgen um sich persönlich und um das Eigentum was sie haben und was in unterschiedlichsten Formen existiert: Geld, Häuser, Autos, Aktien. Alles ist unsicher geworden. Was kann man tun, um zu retten, was noch zu retten geht?
 
 
Mich erreichen in den letzten Wochen und Monaten sehr viele Zuschriften meiner Leser und Zuschauer. Nur einen winzig kleinen Teil kann ich beantworten – es fehlt ganz einfach die Zeit. Und auf individuelle Fragen kann ich auch nur dann eingehen, wenn sie häufig gestellt werden und auch für viele andere meiner Zuschauer interessant sind.
 
Und so erreichte mich am Wochenende eine Anfrage, wo sich ein Deutscher Gedanken macht über seine Zukunft in Deutschland, zu seinem Geld in Deutschland, zu seinem Eigentum insgesamt in Deutschland. Und er wollte meine Meinung hören und Möglichkeiten erfahren, ob eventuell Russland der ruhige und sichere Hafen der Zukunft für ihn und seine Aktiva sein kann.
 
Als russischer Patriot müsste ich jetzt natürlich vielfach ausrufen „Ja, ja, ja“, kommt alle zu uns. Aber das wäre nicht nur falsch, sondern auch unfair – unfair gegenüber dem Deutschen und gegenüber Russland.
 
Behandeln wir ganz kurz den Gedanken vieler Deutscher, Deutschland verlassen zu wollen.
 
Auswandern sollte lange und gründlich überlegt sein. „Tschüss Deutschland“, oder wie die Fernsehsendung damals hieß, sollte sich niemand zum Vorbild nehmen. Egal, wohin Sie auswandern wollen – ohne anwendungsbereite Sprachkenntnisse des Landes, sollten Sie diesen Gedanken nicht weiterverfolgen, egal wie groß oder klein die deutsche Gemeinde in dem Auswanderungsland ist. Sie werden in dem neuen Land nicht glücklich, denn Sie können nichts lesen, nichts schreiben, nichts verstehen und werden die Gesetze verletzen. Der Staat, in diesem Fall Russland, wird Sie bestrafen und Sie werden spätestens nach der dritten Bestrafung sagen: „Es stimmt also doch, die Russen sind böse.“ Wobei, drei Chancen zur Verletzung russischer Gesetze werden Sie kaum erhalten, denn schon nach zwei Gesetzesverletzungen können Sie ausgewiesen werden, egal ob Sie ein Visum oder eine Aufenthaltsgenehmigung haben.
 
Kommen wir nun zum Geld – ein Thema, welches sicherlich für viele von Interesse ist, obwohl kaum ein Deutscher Geld hat, wenn man dem Jammern der deutschen Gesellschaft Glauben schenken will.
 
Geldanlagen in Russland lohnen sich nur, wenn Sie in Russland leben und Ihre Konten auch selber betreuen können. Sie müssen die Gelegenheit haben, operativ auf irgendwelche unvorhersehbaren Dinge reagieren zu können. Die riesigen Kursschwankungen und die damit verbundenen riesigen Zinssprünge der letzten drei Monate sind das beste Beispiel. Sie wollen doch Geld verdienen und nicht verlieren. Das kann man nur, wenn man vor Ort ist und operativ Informationen erhält, versteht und reagieren kann.
 
Fast alle Banken arbeiten mit ihren Angeboten online. Bevor Sie jedoch online mit der Bank arbeiten können, müssen Sie Kunde der Bank werden. Um Kunde der Bank zu werden, ist persönliche Anwesenheit erforderlich.
 
Die Portale der Banken arbeiten natürlich alle in russischer Sprache, selten, dass man mal in eine andere Sprache umschalten kann. Und wer online arbeiten will, braucht auch eine SIM-Karte für sein Telefon. Und dieses Telefon muss auch unter erschwerten Bedingungen mit der Bank und möglicher internationaler Sanktionsblockaden funktionieren. Und wenn es funktioniert, bekommen Sie SMS in russischer Sprache. Und nun stellen Sie sich Stresssituationen vor … sind Sie dem gewachsen, können Sie richtig reagieren oder sind Sie schon in Panik? Vergessen Sie nicht, wir befinden uns mit dem Westen im Kriegszustand – vorerst in einem Wirtschaftskrieg.
 
Und wer seine Bankgeschäfte noch klassisch in Russland macht und die Filiale aufsucht, muss auch Russisch können, denn alleine den Zettel für die Wartschlange zu ziehen, erfordert Russischkenntnisse. Und dann versuchen Sie mal im weiteren der Bankmitarbeiterin mit Händen und Füßen zu erklären, was Sie wollen. Sie können natürlich einen Übersetzer mitnehmen, der dann alle ihre finanziellen Geheimnisse kennt, wohl auch Ihr Passwort zu Bankkonten, wenn es denn in russischer Sprache sein muss und der Dolmetscher kostet auch noch Geld – da sind die Zinsen ganz schnell neutralisiert.
 
Um in Russland ein Bankkonto zu eröffnen, müssen Sie persönlich anwesend sein. Um ein Bankkonto zu schließen oder Bargeld zu bekommen, müssen Sie auch anwesend sein. Wie kommen Sie also nach Russland, unter den heutigen Bedingungen? Sie müssen schon viele Millionen Rubel anlegen, damit sich das alles rechnet, selbst bei Zinsen von 10 bis 20 Prozent. Sie können natürlich auch eine Vertrauensperson einschalten. Die braucht aber notarielle Vollmachten. Und die Vertrauensperson bekommt natürlich auch Geld, niemand wird kostenlos für Ihren Reichtum in Russland arbeiten.
 
Schauen wir auf weitere Probleme.
 
 
Sie sehen und lesen es – der demokratische Westen, der den Schutz des Eigentums in seinen Verfassungen oder Grundgesetzen verankert hat, betätigt sich als ganz gewöhnlicher Bankräuber. Man stiehlt der russischen Zentralbank 300 Mrd. Euro und vergreift sich auch an Konten von Privatpersonen, weil diese aus politischen Gründen mit Sanktionen belegt worden sind.
 
Was glauben Sie, wie lange sich der russische Staat dies gefallen lassen wird? Man wird natürlich auch in Russland auf Bankkonten ausländischer Staaten und dessen Einrichtungen zurückgreifen und letztendlich auch auf Eigentum von Privatpersonen. Was machen Sie dann mit Ihrem Geld in Russland? Wenn Sie in Russland als Ausländer leben, können Sie noch rechtzeitig reagieren. Aber wenn Sie nicht in Russland leben? Dann ist das Geld weg. Selbst wenn es Ihnen gelingt, das Geld noch rechtzeitig von Ihren Konten abzuheben … wie bekommen Sie es nach Deutschland, wo doch der Westen sämtliche Finanzlogistik gekappt hat?
 
Hinzu kommen noch die Probleme mit dem Wechselkursrisiko. Geldanlagen in Euro oder Dollar sind in Russland out. Sie bekommen, falls überhaupt noch Geldanlagen angeboten werden, kaum Zinsen. Sie müssen also ihre Euro oder Dollar in Rubel umtauschen. Wie der Kurs sich entwickelt, kann niemand voraussagen und so kann es durchaus sein, dass Sie nach Ablauf des Anlagezeitraumes für ihre Anlage, einschließlich der erhaltenen Zinsen, weniger Geld in Euro zurückbekommen, als sie einbezahlt haben.
 
Ich brauche mir diese Gedanken nicht zu machen, denn ich lebe in Russland und brauche kaum noch Euro. Für mich sind die gegenwärtigen finanziellen Vorgänge in Russland einfach nur „Feiertage“ – gefeiert wird das Ansteigen und das Fallen von Kursen und wenn es ganz schlimm kommt, dann weiß ich, wohin ich mein Geld investiere. Fürchten muss ich hier nichts, denn ich lebe nicht nur in Russland, sondern bin auch Staatsbürger dieses Landes und bin somit geschützt.
 
Somit kommen wir zu den Aktien, die viele Deutsche mögen und es gibt genügend Anfragen, wie man in Russland Aktien kaufen kann. Aber es gibt auch sorgenvolle Fragen, wie man russische Aktien wieder verkaufen kann.
 
Ich habe keine Ahnung, wie man in Russland Aktien kaufen kann, denn dies ist kein Geschäfts- oder Investmodell für mich. Ausländern würde ich heute auch nicht empfehlen, in russische Aktien zu investieren, denn dies ist genauso gefährlich und unsicher, als wenn ein Russe in deutsche, amerikanische, britische Aktien investieren würde. Das Geld ist praktisch verloren.
 
Viele ausländische Firmen verlassen jetzt Russland. Sie verlassen das Land, indem sie ihre Firmenanteile mit riesigen Verlusten, manchmal sogar zum symbolischen Preis von einem Rubel, irgendwelchen „Übernehmern“ überlassen. Ausländische Firmen, die ihren gesetzlichen Verpflichtungen nicht nachkommen, werden nationalisiert. Noch ist dies nicht geschehen, aber es wird kommen. Und was wollen Sie dann als Aktionär, vermutlich Mini-Aktionär, machen?
 
 
Wenn Sie aber heute Aktien kaufen von rein russischen Firmen, in der Hoffnung auf hohe Dividenden und diese Firma wird morgen sanktioniert? Vergessen Sie Ihre Dividenden und vielleicht auch ihre Aktien selber.
 
Deutschland hat bereits begonnen, russisches Eigentum zu verstaatlichen – völlig egal, wie wir diese Vorgänge gegenwärtig bezeichnen – fremdverwalten, einfrieren, nationalisieren, einteignen oder einfach nur Diebstahl oder Raub. Russland wird ebenfalls so handeln und sich revanchieren. Es wird Ihnen nicht helfen, wenn Sie Aktienbesitzer in Russland sind und lautstark beteuern, dass Sie Russland lieben und schon lange den Wunsch haben, mit Putin Tee zu trinken. Sie sind Ausländer und somit Opfer der Politik Ihres Staates.
 
Einer meiner Zuschauer hat mir geschrieben:
 
„Für deutsche Staatsbürger, die am deutschen Aktienmarkt in russische Firmen investiert haben, gibt es aktuell gravierende Probleme. Verkürzt kann man sagen, dass aufgrund der verhängten Sanktionen diese Wertpapiere enteignet werden sollen. Die deutschen Banken und Aktienhändler/Agenturen sehen sich außerstande diese Papiere in originale russische Aktien umzutauschen und deutsche Kunden werden reihenweise benachrichtigt, dass ein "Zwangsverkauf" erfolgen wird.“
 
Mein Zuschauer bestätigt an sich das, was ich langatmig geschildert habe. Die westlichen Werte zu Fragen des Eigentums und der Wohlstandwahrung sind nichts wert. Die deutsche Politik wird die Deutschen ins finanzielle und materielle Unglück stürzen – also nicht nur die Besitzer von russischen Aktien, sondern auch von Aktien an deutschen Unternehmen in der Energie- und der Lebensmittelbranche. Selbst Aktien der Firma „Rheinmetall“ werden bald wertlos sein, denn die Firma wird für ihre gespendeten Panzer weder von der Ukraine, noch vom deutschen Staat Geld bekommen. Woher mein Pessimismus? Warten wir noch ein halbes Jahr und ich brauche meinen Pessimismus nicht weiter zu erklären.
 
Europa trennt sich von Russland und Russland trennt sich von Europa. Jeder muss seinen Platz finden und dann konsequent um sich herum eine neue Ordnung schaffen. Leider kann ich keinem Deutschen irgendetwas Tröstendes sagen. Ich kann nur Olaf Scholz, Robert Habeck oder „das Ännchen aus Berlin“ zitieren, die völlig richtig gesagt haben: Damit die Ukraine leben kann und damit die Russen nicht siegen können, müssen wir alle Opfer bringen.
 
Vergessen Sie also Russland als „rettendes Paradies“ für sich und Ihr Geld, wenn Sie nicht die Absicht haben, ständig in Russland zu leben. Und wer ständig in Russland leben will, sollte sich möglichst schnell von allen Aktiva im Westen trennen, denn wir stehen erst ganz am Anfang von großen wirtschaftlichen Verwerfungen. Und mit ungeklärten Aktiva den Westen zu verlassen, um im Osten neu zu starten, ist nicht ratsam. Man macht sich erpressbar.
 
 
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Kommentare ( 1 )

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 24. Mai 2022 13:20 pm

    Guter Beitrag!!
    Vieles stimmt sogar im hiesigen "Europa", was ja eigentlich nur die Hälfte ist, diese zusammengezimmerte "EU".
    Ob nun Anleger sein Geld zur Bank bringt, auf dem Giro- oder Tagesgeld- oder Festgeldkonto anlegt, egal, er verliert. Der Wertverlust ist stets höher als die, wenn überhaupt, mickrigen Zinsen. Hat doch der Draghi ganz gut hinbekommen, oder? Und seine dürre Nachfolgerin hört auch auf das Rauschen vom Atlantischen Funk.
    Und Aktien? Ach du meine Güte. Selbst in Fremd-Immobilien sollte man kein Geld mehr stecken. Die vom - Westen - verhängten Sanktionen greifen bereits hart - im Westen - ! Keine Rohstoffe, keine Materialien, keine Fachleute - Ebbe auf dem Bau. Man hatte sich eingebildet, man hat was. Hat man vielleicht sogar heute noch. Die Illusion vom freien Markt.
    Leute mit diesen Nichtskönnern, diesen transatlantischen Bücklingen in Brüssel und den übrigen europäischen Hauptstädten, fährt die EU, wie von Washington befohlen, mit Vollgas gegen die Wand.

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