Hoffnungsvolle Zeiten für russische Rentner – die Renten wachsen

Hoffnungsvolle Zeiten für russische Rentner – die Renten wachsen
 
Kaum ein russischer Rentner ist zufrieden mit seiner Rente – logisch, denn sie ist wesentlich niedriger, als das Gehalt, welches der Arbeitnehmer erhalten und mehr oder weniger ehrlich versteuert hat. Nun gab das Arbeitsministerium einen Ausblick auf die Entwicklung der Renten in Russland in den kommenden Jahren.
 
 
Ähnlich wie in Deutschland, wird die Rente auf der Grundlage der einbezahlten Beiträge und der Arbeitsjahre berechnet. In der Sowjetunion hat niemand damit gerechnet, dass die Sowjetunion zusammenbricht und alle waren davon überzeugt, dass die sozialistische sowjetische Rente sicher ist.
 
Und als die Sowjetunion doch zusammenbrach und die Privatisierung, also der Ausverkauf, also die Leichenfledderei in Russland begann, machte sich auch niemand Gedanken um seine Rente. In den 90er Jahren wurde sie häufig überhaupt nicht bezahlt, denn es gab kein Geld im Staatssäckel. Dafür sorgten die westlichen Wirtschaftsberater, die dem russischen Präsidenten Jelzin einflüsterten, dass er doch Kredite aufnehmen kann. Das tat Russland auch, verschuldete sich und zahlte irgendwie mehr schlecht als Recht die Renten.
 
Grafik: Entwicklung der Auslandsverschuldung Russlands
 
Aber auch das Rentensystem brach zusammen, denn es wurde getrennt, was eigentlich zusammengehört. Irgendjemand hatte viele Jahre in Kasachstan oder der Ukraine, Georgien oder den baltischen Staaten, also in einer der Sowjetrepubliken gearbeitet und lebte jetzt als russischer Bürger in Russland. Wie kam man an seine Rentendaten, die in diesen, jetzt ausländischen Staaten lagerten? Viele Betriebe waren abgewickelt, privatisiert, verschachert und die Unterlagen vernichtet. Andere Unterlagen verschwanden in irgendwelchen staatlichen Archiven und vieles war danach nicht mehr auffindbar. Die Berechnungsbasis für die Renten war für viele Rentner vernichtet worden. Daraus erklären sich heute u.a. die häufig sehr niedrigen Renten.
 
Grafik: Entwicklung Durchschnittsrenten
 
Es bleibt zu hoffen, dass unter diesem Aspekt die Worte des russischen Präsidenten Putin besser verstanden werden, der vor Jahren äußerte, dass der Zerfall der Sowjetunion die größte geopolitische Katastrophe des vergangenen Jahrhunderts war. Unqualifizierte westliche Politiker und Journalisten haben dann diesen Satz so verändert, wie er in die antirussische Diskreditierungspolitik der westlichen Demokratien passte.
 
Video: Zitat russischer Präsident Putin
 
Ein weiterer Grund, weshalb die Renten in Russland viele nicht zufriedenstellt, liegt wohl darin, dass der russische Staat, als er sich ab dem Jahre 2000 entschlossen hatte, seine verlorengegangene Souveränität wieder zu erlangen, seine Schwerpunkte auf die Reformierung des Staatsapparates, die Wiederherstellung der Arbeitsbereitschaft der Sicherheitsorgane und die Armeereform gesetzt hatte.
 
Der Sozialbereich leidet, wie immer in schwierigen Reformzeiten, unter dieser Schwerpunktsetzung. Jetzt scheinen diese Schwerpunkte fast abgeschlossen zu sein und der Staat widmet sich mehr und mehr der Reform des Bildungs- und Gesundheitswesens, welches wohl wesentlich schneller und weniger finanzintensiv vor sich gehen kann.
 
Wann man real mit der Reform des Rentensystems beginnt, ist schwer zu sagen. Ich gehe davon aus, dass sich die neue Staatsduma, die wir gerade erst gewählt haben, bis zum Jahre 2026 dieser Aufgabe stellen wird.
 
Wenn man sich dazu entschließen könnte, den Rentenfond als staatliche Behörde abzuschaffen und die dort konzentrierten Aufgaben dem russischen Steuerdienst übergibt, so werden große Geldsummen frei, die ansonsten für teure Immobilien und den laufenden Unterhalt sowie Gehaltszahlungen aufgewendet werden. Das der russische Steuerdienst eine hocheffizient arbeitende Behörde ist, haben die letzten Jahre gezeigt. Mit großen Schritten treibt der junge Leiter des Steuerdienstes Daniel Jegorow die Digitalisierung der Behörde voran und die Übernahme der Aufgaben des Rentenfonds dürfte kein unlösbares Problem für seinen Dienst sein.
 
Grafik: Vergleich durchschnittliches Gehalt und durchschnittliche Rente
 
Bis es aber zu prinzipiellen Änderungen kommt, müssen die Rentner mit dem leben, was der russische Staat zur Verfügung stellen kann. Und dies sind jährlich zwei Rentenanpassungen. Die erste Rentenanpassung erfolgt im Januar und basiert auf der Inflationsrate des Vorjahres, d.h. die Rente wird um die Inflationsrate, häufig sogar auch mehr, angehoben. Die Teuerungen im Verlaufe des Vorjahres führen somit nicht zur Verringerung der realen Kaufkraft der Rentner. In diesem Jahr erhielten die Rentner im Januar 6,3 Prozent mehr Rente.
 
Die zweite Rentenanpassung erfolgt im Mai auf der Grundlage der erreichten Wirtschaftsergebnisse des Vorjahres. Hier sind die Anpassungen äußerst unterschiedlich: zwei, drei, vier Prozent.
 
In den letzten zwei Jahren hat es sich so ergeben, dass Präsident Putin angeregt hatte, den russischen Rentnern mal so schnell zwischendurch eine Einmalzahlung zukommen zu lassen. 2020 waren es 5000 Rubel und 2021, wenige Tage vor den Wahlen, waren es 10.000 Rubel. Bei einer durchschnittlichen Rente von 16.789 Rubel monatlich doch recht erhebliche Einmalzahlungen.
 
Nun hat sich das Arbeitsministerium zu Wort gemeldet und angekündigt, dass man im Jahre 2022 die Rente um 5,9 Prozent anheben werde. Es geht um den Inflationsausgleich. Damit wird sich die Durchschnittsrente für einen nichtarbeitenden Rentner auf 18.521 Rubel erhöhen. Im Jahre 2023 wird die Durchschnittsrente 19.477 Rubel betragen und im Jahre 2024 soll der nichtarbeitende Rentner durchschnittlich 20.469 Rubel erhalten.
 
Die in Russland gezahlten Renten reichen natürlich nicht aus, um ein sorgenfreies Leben, ähnlich wie zu Zeiten des aktiven Arbeitslebens zu leben. Deshalb müssen auch in Russland die Rentner privat vorsorgen und zu Zeiten, wo sie ein gutes Einkommen erzielen, häufig auch mit Hilfe von Sozialbetrug und Steueroptimierung, Gelder für die Altersvorsorge privat anlegen. Wer dies nicht tut, hat im Alter das Nachsehen. Der erste Stellvertreter der russischen Zentralbank Sergej Schwezow kommentierte, dass der Staat gefragt ist, um ein System der privaten Rentenvorsorge zu schaffen.

 

 

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