Ihr Geld ist sicher – bald Slogan aller russischen Banken

Ihr Geld ist sicher – bald Slogan aller russischen Banken
 
Seit Mitte 2013 arbeitet die Leiterin der russischen Zentralbank Elvira Nabiulina an der Reformierung des russischen Bankensystems. Dies wurde nicht nur international anerkannt, sondern zeigt auch praktische Resultate im täglichen russischen Leben.
 
 
Diejenigen, die sich mit Russland beschäftigen, insbesondere dem modernen Russland seit 1992 – eine paradoxe Formulierung meinerseits, denn das wirklich moderne Russland begann sich erst zehn Jahre später zu entwickeln – weiß, dass das russische Bankensystem ein System war, dem man kein Geld anvertrauen konnte, zumindest nicht mittel- oder langfristig. Banken schossen in den 90er Jahren wie Pilze aus dem Boden und dienten in erster Linie für die persönliche Bereicherung des Besitzers. In anderen Ländern war dies ein Straftatbestand, in Russland verstand man dies als neue unternehmerische Freiheit und für den Verbraucher formulierte man den Begriff „marktwirtschaftliches Risiko“.
 
Damit war dann ab Mitte 2013 Schluss. Elvira Nabiulina nahm das Zepter in die Hand und begann mit dem großen Aufräumen. Noch im zweiten Halbjahr blies sie 41 Banken das Lebenslicht aus. Bis heute haben 463 Banken ihre Lizenz verloren.
 
Grafik: Lizenzentzüge der Zentralbank
 
Bis zum Jahre 2003 waren die Anleger in Russland völlig schutzlos, denn erst in dem Jahr wurde ein Einlagensicherungsfond geschaffen. Schrittweise wurde die Versicherungssumme den Bedürfnissen angepasst. Im Jahre 2013 betrug sie 700.000 Rubel – für die überwiegende Mehrzahl der Anleger ausreichend, um die volle Geldanlage, einschließlich Verzinsung zurückzuerhalten. Jetzt beträgt die Versicherungssumme 1,4 Mio. Rubel. Versichert sind nicht nur die Anlagen von Privatpersonen, sondern auch die Konten von Einzelunternehmern und Kleinstunternehmen.
 
Grafik: Banken im Einlagensicherungsfond
 
Die Praxis, vor allem aber die Statistik zeigt, dass die gegenwärtige Einlagensicherung eigentlich für den ganz normalen Durchschnittssparer ausreichend ist. Seit März 2019 sind die Geldanlagen der Bevölkerung um 9 Prozent gewachsen. Das durchschnittliche Konto hat 200.000 Rubel. Allerdings variiert die Geldsumme innerhalb der Regionen erheblich, wie die nachfolgende Karte zeigt:
 
Grafik: Durchschnittliche Geldanlagen in Russland nach ausgewählten Regionen
 
Übrigens ein weiteres Paradox in Russland, denn in den letzten Jahren wurde sogar von Offiziellen, im Widerspruch zu offiziellen Statistiken, immer wieder die Aussage getroffen, dass die Realeinkommen der Bevölkerung gesunken sind. Wenn die Realeinkommen beständig fallen, können doch eigentlich die Ersparnisse der Bevölkerung nicht wachsen?
 
Grafik: Entwicklung der Einkommen der Bevölkerung
 
Seit vergangenem Jahr überlegt nun aber die Zentralbank, weitere Schritte zur Absicherung der Geldanlagen der Bevölkerung zu unternehmen. Die Gefahr, dass eine Bank die Lizenz verliert, wird von Tag zu Tag geringer. Gegenwärtig ist eine Pause eingelegt – während der Corona-Krise sind Lizenzentzüge kontraproduktiv. Da die Gefahr eines Lizenzentzuges einerseits geringer wird, kann man aber anderseits das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung dadurch erhöhen, dass die Summe der Einlagensicherung weiter angehoben wird.
 
Grafik: Lizenzentzüge der Zentralbank im Jahre 2020
 
Eben darüber hat die Zentralbank nachgedacht und am gestrigen Tag wurde in der Staatsduma über einen Gesetzentwurf in zweiter Lesung beraten, welcher die Anhebung der Einlagensicherung auf 10 Mio. Rubel vorsieht.
 
Grafik: Entwicklung Einlagensicherungsfond Russland
 
Damit ist die Einlagensicherung in Russland größer, als die gesetzliche Einlagensicherung in Deutschland. Allerdings sichert die neue Summe nicht alle Einlagen ab, sondern konkrete Einzelfälle, die aber auch nicht so selten sind.
 
Es geht um Anlagen, die Bürger tätigen, um für eine Immobilie zu sparen, um ein Auto zu kaufen. Es geht um unerwartete Geldeingänge im Erbschaftsfall. Der russische Finanzminister kommentierte allgemein, dass die neue Einlagensicherungssumme für diejenigen Anleger zutrifft, die sich in einer schwierigen persönlichen Lebenssituation befinden. Diese Formulierung ist natürlich für ein Gesetz völlig ungeeignet, denn alle Bürger dieser Welt befinden sich ständig in schwierigen persönlichen Lebenssituationen. Es bleibt also abzuwarten, wie das Gesetz diese Lebenssituationen definiert. Fakt ist aber schon jetzt, dass Russland einen weiteren qualitativen Schritt zur Absicherung seiner Bürger, aber auch möglicher Geldanlagen von Ausländern unternimmt, denn auch die Geldanlagen von Ausländern sind in Russland versichert – im gleichen Umfang wie für russische Bürger.
 
Russland ist auf dem richtigen Weg – auch im Bereich der privaten Geldanlagen. Wenn es jetzt noch gelingt, die erfolgreichen russischen Unternehmer, ehemals auch Oligarchen genannt, die in Russland viel Geld verdienen und dies ins Ausland verlagert haben, davon zu überzeugen und diese ihr, jetzt unsicheres Geld im Westen, nach Russland zurückbringen, dann wäre alles perfekt.
Reklame

Kommentare ( 3 )

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 13. Mai 2020 12:25 pm

    @UEN
    Das die Realeinkommen sinken (also die Kaufkraft) und der Nominal-Einlagen wachsen ist Dank einer Inflation nun kein Hexenwerk. Als bestes negatives Beispiel sei hier die Weimarer Republik genannt, in welcher in einem kurzen Zeitraum jeder Milliardär war, aber ein Brot auch ebensoviel kostete. Und die Werte selber - der Fluch des Durchschnitts. Viel Interessanter und auch wesentlich aussagekräftiger wäre der Median der Spareinlagen der Bevölkerung.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 13. Mai 2020 12:27

      ... dann lesen Sie den Beitrag nochmal und etwas genauer. Da steht geschrieben, dass die Spareinlagen der Russen 2019 um neun Prozent gewachsen sind. Und, wir befinden uns in Russland und nicht in der Weimarer Republik. In Russland befindet sich die Inflationsquote unter vier Prozent.

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 13. Mai 2020 12:41 pm

    @UEN
    Die Inflationsrate hängt nun auch mal mit der Zusammensetzung des Warenkorbs zusammen. Das kann für den einzelnen Haushalt erhebliche Unterschiede machen. Wenn er z.B. einen Fernseher enthält, welchen man aber nun nicht wöchentlich oder jährlich kauft, macht sich der Preisverfall dort zwar in einer niedrigeren Inflationsrate bemerkbar, hilft Max Mustermann oder Iwan Iwanowitsch nur bedingt, wenn Käse und Brot z.B. 20% teurer werden. Und wie gesagt - 9 % Zuwachs im Durchschnitt ist schön. Interessant wäre aber, wie sich der Zuwachs verteilt. Da gilt meist die Feststellung zu: wer viel hat, dem wird viel mehr gegeben ... Trifft in D genauso zu wie in RU ...

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 13. Mai 2020 12:45

      ... wissen Sie, ich schaue mir einfach nur das tägliche Leben an: In Kaliningrad hat sich die Anzahl der Autos in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Neubauwohnungen sind schon verkauft, bevor überhaupt die Grube ausgehoben ist. Jährlich wächst die Anzahl der Supermärkte und Restaurants ... Millionen Russen reisen jährlich ins Ausland um Urlaub zu machen. Weitere Millionen Reisen innerhalb des Landes. Und, wie im Beitrag geschrieben, der Einlagensicherungsfond wird den Spareinlagen angepasst ... warum? Weil es der Bevölkerung von Tag zu Tag schlechter geht?

  • Andreas Karl

    Veröffentlicht: 16. Mai 2020 06:19 pm

    Grundsätzlich geht es den Russen besser, mM hat sich vieles in den letzten 15 J positiv entwickelt, das Leben ist interessanter planbarer und sicherer geworden. Das es noch sehr viele Unterschiede in den Regionen gibt, dass die Zufriedenheit vieler Bürger auch wechselt , ist normal. Auch klappern gehört zum Geschäft. Ich sehe die Zukunft Russlands positiver wie die des alten Europas

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung