Im Westen nichts Neues. Und im Osten?

Im Westen nichts Neues. Und im Osten?
 
Am 22. Februar fand eine Sitzung der Außenminister der Europäischen Union in Brüssel statt. Wichtigstes, von allen erwartet und befürchtet, war das Thema neuer Sanktionen gegen Russland. Vermutlich schauten alle im Westen nach Westen. Aber im Osten schauten alle nach Osten oder besser nach Süden, denn es gibt Wichtigeres, als die Sanktionen der Europäischen Union.
 
 
Natürlich haben Sie, meine lieben Zuschauer, die gestrige Berichterstattung der Medien Ihres Landes zum Thema neuerlicher Sanktionen gegen Russland durch die demokratische Staatengemeinschaft, auch bekannt als Europäische Union, aufmerksam mitverfolgt. Und …? Was haben Sie erfahren?
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Besonderheiten des nationalen Angelns“
 
Sie haben erfahren, dass es nicht zu den großformatigen und nun endlich den Endsieg bringenden Sanktionen gegen Russland gekommen ist. Wieder sollen personengebundene Sanktionen gegen irgendwelche russische Beamte verhängt werden … irgendwo hatte ich die Zahl vier gehört, vielleicht werden es aber auch vierzig werden. Wen interessiert das schon in Russland.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Erlasch“
 
Russische Beamte, zumindest der Ebene, die die Sanktionen treffen soll, dürfen schon lange nicht mehr ins Ausland reisen. So regeln dies die russischen Gesetze. Und ein russischer Beamter, der jetzt noch ein Konto oder sonst irgendwelche Aktiva im Westen unterhält, ist selber schuld. Man könnte ihn mit einem Eisangler vergleichen – ein beliebter Sport in Russland. Man sitzt auf einer Eisscholle und fängt Fische … bei zunehmenden Temperaturen sollte man sich schon in Sicherheit bringen, wenn man nicht baden gehen will.
 
Grafik: Eisangeln in Russland
 
Mit anderen Worten, die Europäische Union hat mal wieder gebellt, aber nicht gebissen.
 
Videoeinspielung: Agenturarchiv Kaliningrad-Domizil
 
Steht die Frage: Warum?
 
Russland ist, ob Sie es mir glauben oder nicht, kein hinterlistiges Land. Seine Politiker sind schlau, aber nicht hinterlistig. Ich lebe seit 30 Jahren in Russland und mir ist nicht immer alles gelungen, ich habe Fehler gemacht. Und wenn ich mich recht entsinne, habe ich immer Warnungen oder helfende Hinweise bekommen, die mich in die Lage versetzt haben, meinen Kurs rechtzeitig zu korrigieren. Man muss nur aufmerksam zuhören, wenn ein Russe mit einem spricht und man muss verstehen, den Russen zu verstehen. Wenn Sie so wollen: Man muss ein Russenversteher sein, wenn man Erfolg in und mit Russland haben will.
 
Videoeinspielung: Agenturarchiv Kaliningrad-Domizil
 
Das, was Lawrow vor ein paar Tagen in einem Interview gesagt hat, war schon keine Warnung mehr an den Westen. Die Zeit der Warnungen und helfenden Hinweise an die „westlichen Partner“ hat Russland schon hinter sich. Lawrow hat einen Warnschuss abgegeben. Und anscheinend versteht man im Westen nur eine derart grobe, direkte Zielansprache.
 
Videoeinspielung: Außenminister Lawrow im Interview – Februar 2021
 
Die gestrige Veranstaltung in Brüssel war also nur ein Halali … oder so ähnlich. Es wurde zum Rückzug geblasen. Was aber nicht bedeutet, dass Frieden herrscht. Russland und die Europäische Union befinden sich in der Mobilmachungsphase – wir wissen, dass ist die letzte Organisationsphase vor Beginn eines Krieges, begleitet von lautstarken Deklarierungen, Anschuldigungen, Provokationen.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Jemeljan Pugatschow“
 
Und was war gestern im Osten?
 
Eigentlich auch nichts Besonderes. Putin reiste mal wieder in das „Führungszentrum Süd“, also nach Sotchi. Er wollte dort mit Lukaschenko Schlitten fahren … nein, nicht das was Sie jetzt vielleicht denken. Es war, wenn man den Fotos von „Kommersant“ trauen kann, ein Treffen, wo Angenehmes mit Nützlichem verbunden wurde.
 
Foto (Kommersant): Putin und Lukaschenko zu Gesprächen im „Führungszentrum Süd“
 
Neidvoll schaute ich auf Putins Jeans … genau solche suche ich für mich schon lange und finde keine in Kaliningrad. Und das helle Jackett sollte wohl signalisieren, dass wir uns schon einer wärmeren Jahreszeit nähern – zumindest im Verhältnis zu Weißrussland.
 
Lukaschenko zog es vor, in dunklerer, aber lockerer Bekleidung, das Gespräch mit Putin zu führen.
 
Über was die beiden ganz konkret gesprochen haben, wurde noch nicht veröffentlicht. Aber Lukaschenko hatte angekündigt, über große, finanzintensive Dinge mit Putin sprechen zu wollen und natürlich über die Arbeiten am Staatenbund, also der Vereinigung beider Länder.
 
Wenn wir unsere Phantasie ein wenig bemühen, wird es natürlich auch um den Nachfolger von Lukaschenko gegangen sein und um Maßnahmen, wie man den westlichen Demokratien in Weißrussland das Leben noch ein wenig schwerer machen kann.
 
Dann ging Putin mit Lukaschenko Schlitten fahren … im wortwörtlichen Sinne. Ich denke mal, dass der Zweitsinn dieser Phrase schon nicht mehr zutrifft, denn Lukaschenko hat verstanden, dass er seinem Partner Russland vertrauen muss, sonst endet er wie gewisse ukrainische Politiker, die in einer spektakulären Nacht- und Nebelaktion aus ihrem eigenen Land evakuiert werden mussten und über die man heute nichts mehr hört und liest.
 
Foto (Kommersant): Putin und Lukaschenko fahren Schlitten
 
Interessant fand ich auch bei diesem Foto die Lösung der Bekleidungsfrage. Putin zeigte sich in den russischen Nationalfarben, während die Bekleidung von Lukaschenko doch eher düster aussah – naja, eben der Jahreszeit angepasst.
 
Foto (Kommersant): Putin und Lukaschenko in Sotchi bei bestem Wetter
 
Und das letzte Foto zeigt dem interessierten und in Sotchi nicht anwesenden Leser oder Zuschauer, einen zufrieden lächelnden Putin in sommerlicher Kleidung vor einer hohen Schneewand. Dem Foto ist nicht zu entnehmen, ob der Kompass hinter der Schneewand in Richtung Westen zeigt.
 
Und man sieht Alexander Lukaschenko, nun schon mit einigen optischen Details seiner Bekleidung, der dunklen Jacke mit Gitter- oder Zellenmuster, naja, oder hellen und dunklen Quadraten.
Die Ost-Politiker scheinen zufrieden zu sein. Und die West-Politiker?
 
Wir feiern heute erstmal den „Tag der Landesverteidiger“. Putin hat die Nacht zum 23. Februar, vermutlich auf dem Rückflug nach Moskau genutzt, um allen Landesverteidigern Glückwünsche auszusprechen. Leider werden nicht alle 147 Mio. Russen die Glückwünsche entgegennehmen, denn nicht alle verteidigen ihr Vaterland, einige sind bereit, es zu verkaufen.
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