Kaliningrader Gesellschaft empört über Auftritt des deutschen Generalkonsuls

Kaliningrader Gesellschaft empört über Auftritt des deutschen Generalkonsuls
 
Das Informationsportal „Eurasia-Daily“ informiert am Montag über Reaktionen der Kaliningrader Gesellschaft auf den Internetauftritt des deutschen Generalkonsuls Hans Günther Mattern während eines Diskussionsforums, welches durch die deutsche Außenhandelskammer in Russland organisiert worden war.
 
 
Das Verhalten des Generalkonsuls der Bundesrepublik Deutschland in Kaliningrad Hans Günther Mattern, während des Dialoges mit dem Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow, ist eine Provokation und für einen Diplomaten nicht zulässig. Diese Meinung äußerten Angehörige der Kaliningrader Gesellschaft und Mitglieder von Veteranenverbänden.
 
 
Der „Dialog mit dem Kaliningrader Gouverneur“ fand in der vergangenen Woche auf Einladung der deutschen Außenhandelskammer in Moskau statt. Neben Vertretern der deutschen Wirtschaft, war auch der deutsche Botschafter in Russland anwesend. Der Kaliningrader Generalkonsul, seit anderthalb Jahren in dieser Funktion tätig, wurde per Videoschaltung zugeschaltet.
 
Während seines Internetauftrittes äußerte sich der Generalkonsul überschwenglich zu den schönen altdeutschen Bauten, um dann anzumerken, dass das „Haus der Räte“ weniger schön ist.
 
 
Bei dem „Haus der Räte“ handelt es sich um eine Bauruine, die in der Kaliningrader Gesellschaft nicht unumstritten ist. Gegenwärtig ist die Kaliningrader Gesellschaft gespalten, d.h. ein Teil der Gesellschaft befürwortet einen Abriss, ein anderer Teil der Gesellschaft will das Gebäude, als Teil der architektonischen und gesellschaftlichen Historie, erhalten und zu Ende bauen. Weiterhin treffen bei der jetzigen, teilweise emotional geführten Diskussion, auch unterschiedliche bautechnische Meinungen aufeinander. Diskutiert wird auch die Finanzierung jedweder Entscheidung – sprich Abriss oder Rekonstruktion.
 
Die Kaliningrader Medien ignorierten zum größten Teil diese Veranstaltung und berichteten nur sehr wenig. Die wenigen Berichte die veröffentlicht wurden, betrafen eben die Äußerungen des deutschen Generalkonsuls zum Haus der Räte und die Lobhudelei in Richtung Gouverneur des Kaliningrader Gebietes.
 
 
„Kaliningrad-Domizil“ hatte bereits in der vergangenen Woche über den unpassenden Auftritt des deutschen Generalkonsuls Hans Günther Mattern berichtet. Hören wir nochmal in den Teil seiner Äußerungen hinein, auf den Teile der Kaliningrader Gesellschaft empfindlich reagierten:
 
Videoeinspielung: Auftritt des deutschen Generalkonsuls
 
Nach Ansicht eines Teiles der Kaliningrader Gesellschaft, erlaubte sich Hans Gunther Mattern,
 
Zitat:
 
"… unverschämt in ein komplexes innerrussisches politisches Problem einzugreifen, das im Zusammenhang mit dem vermutlichen Abriss des Hauses der Räte steht".
 
Die Initiativgruppe der Kaliningrader Gesellschaft wandte sich mit einem offiziellen Aufruf an die Abgeordneten der Gebietsduma und an den Staatsanwalt des Kaliningrader Gebietes:
 
Zitat:
 
„Wir bitten Sie, folgende Frage zu beantworten: „Ist das Verhalten des Generalkonsuls der Bundesrepublik Deutschland für einen Diplomaten inakzeptabel? Stellt seine Äußerung den Versuch einer Germanisierung der Bevölkerung des Kaliningrader Gebietes dar und ist dies eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Russischen Föderation?”
 
Das Schreiben an die Gebietsduma und den Kaliningrader Staatsanwalt wurde von insgesamt 13 Personen des Kaliningrader öffentlichen Lebens unterzeichnet.
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Kommentare ( 4 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 16. Februar 2021 02:11 pm

    Ich habe mir gerade diesen Beitrag des Generalkonsuls der BRD in Kaliningrad angehört. Da frage ich mich allerdings ganz ernsthaft, wo da die Provokation und der Grund für die Aufgeredheit der Kaliningrader Gesellschaft sein soll. Hier wird künstlich eine Prinzessin auf der Erbse geboren. Man sollte doch bitte die Kirche im Dorf lassen. Dieses Haus der Räte, worüber nun schon , man kann sagen, über Jahrzehnten gestritten wird und dieses Machwerk meiner Ansicht auch gruselig aussieht, sollte nicht mehr Geld für eine etwaige Sanierung verschlingen, sondern endlich - weg damit. Daß irgendwelche Leute aus KG dermaßen über eine private nachvollziehbare Meinung dieses Mannes so ausrasten, nein das ist künstlich erzeugt. Davor sollte sich die Gesellschaft in KG wirklich hüten. Man weiß nicht, wer dahinter steckt. Ich fand die Idee mit dem Kaffee "Kant" eigentlich recht gut. Mit dem Tourismus wäre eine klare Richtung und klare Voraussetzungen gewesen von polnischer Seite allerdings.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 16. Februar 2021 05:13

      ... wir hatten schon mal einen deutschen Diplomaten in Kaliningrad, der seine private Meinung zum Ausdruck gebracht hat. Dieser Diplomat hat damit einen Skandal ausgelöst, an dessen Folgen wir heute noch zu kauen haben. Es steht einem Diplomaten einfach nicht zu, derartige Wertungen vorzunehmen. Um die Problematik zu verstehen, muss man vielleicht die Situation insgesamt in und um Kaliningrad kennen. Für Außenstehende sicherlich nicht einfach ...

  • Gerald Hübner

    Veröffentlicht: 16. Februar 2021 19:19 pm

    Eine Äußerung einnes Generalkonsuls ist m.E. niemals eine persönliche! -- Wieso soll in Kaliningrad andere Regelungen für Gastronomen gelten, als im ach so föderalen Deutschland!

  • Werner Sachs

    Veröffentlicht: 21. Februar 2021 18:54 pm

    Aus den Worten des Generalkonsuls kann ich auch keine Provokation entnehmen, schon garnicht den Versuch der Germanisierung !
    Er erwähnt alte schöne Backsteinbauten in der Stadt (klar aus deutscher Zeit) und dieses Ungetüm Haus der Räte. Mal ehrlich, dieses Gebäude ist gruselig häßlich. Man soll doch nicht in die Aussage etwas hinein dichten, das nicht relevant ist.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 21. Februar 2021 19:00

      ... das Problem ist, das die Deutschen wie Deutsche denken und meinen, sich in Russland und der russischen Gefühlswelt besser auszukennen, als die Russen selber. Auf Schritt und Tritt hört man Belehrungen und "helfende Hinweise". Taktgefühl kennen nur wenige Deutsche in Russland. Deshalb sind sie auch von Tag zu Tag weniger beliebt und gerne gesehen.

  • Werner Sachs

    Veröffentlicht: 22. Februar 2021 10:29 pm

    Also ich war bereits mehr als 10x im Kaliningrader Gebiet. Bisher hatte ich nie Probleme, spiele nicht den Oberschlauen, bin immer mit den Russen gut ausgekommen. Öfters wurde ich sogar um meine Meinung gefragt (englisch). Und wenn man Fakten benennt, die ja auch sichtbar sind, gab es meißt Zustimmung.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 22. Februar 2021 10:32

      ... ja, es gibt solche Deutschen wie Sie. Es gibt aber auch andere Deutsche ... ich sehe diese seit 1995 ... und nicht wenige haben bei mir im Office gesessen und nicht seriöse Vorschläge unterbreitet.

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