Kaliningrader Gouverneur über die wirklichen Pläne von BMW in Kaliningrad

Kaliningrader Gouverneur über die wirklichen Pläne von BMW in Kaliningrad
 
In der vergangenen Woche äußerte sich der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow zu den wirklichen Plänen von BMW im Kaliningrader Gebiet. Das, was der Kaliningrader interessierten Bevölkerung seit vielen Jahren durchaus klar war, fand jetzt seine offizielle Bestätigung.
 
 
Seit Ende der 90er Jahre arbeitet BMW im Rahmen der Fahrzeugholding „Avtotor“ und schraubt Fahrzeugmodelle in der ul. Transportnaja in der Stadt Kaliningrad zusammen, deren Einzelteile zuvor aus Deutschland angeliefert worden sind. Der Wertschöpfungsprozess ist relativ gering, was Russland nun schon seit Jahren nicht mehr zufriedenstellt.
 
„Avtotor“ hat eine gegenwärtige Gesamtkapazität von 250.000 Fahrzeugen. Produziert werden Fahrzeuge der Firmen KIA, Hyundai und BMW. BMW produzierte, nach vorläufigen Informationen, im Jahre 2021 12.500 Fahrzeuge. Im Jahre 2021 wurde beschlossen, eine Reihe von Fahrzeugen aus dem Produktionsprogramm zu streichen, da die Nachfrage in Russland zu gering ist.
 
 
Im Jahre 2012 hatte man, im Rahmen von Versprechungen, die BMW-Produktion in Russland zu lokalisieren, angekündigt, 50 Mio. Euro in den Aufbau eines völlig neuen, eigenständigen Werkes zu investieren. Gebaut werden sollten ebenfalls Ausbildungseinrichtungen, wo das Personal sowohl für die eigenen Produktionsstätten, wie auch für Drittinteressierte ausgebildet werden sollte. Weiterhin wollte BMW eine neue kleine Stadt mit kompletter Infrastruktur in der Nähe des neuen Werkes errichten. Von der Stadt wurde für ein „Danke“ ein großes Grundstück zur Verfügung gestellt.
 
Dann geschah nichts, außer mehr oder weniger unregelmäßiger Informationen, dass man an dem Projekt arbeite.
 
Im Januar 2017 fuhr der damals frisch gewählte Gouverneur Anton Alichanow nach München, um in der BMW-Zentrale die Wahrheit zu erfahren. Aber er erfuhr dort nicht die Wahrheit und wurde mit wagen Versprechungen und Informationen wieder nach Hause geschickt.
 
Seitens BMW erfolgten dann anscheinend einige Pseudo-Aktivitäten. Man suchte im russischen Mutterland nach geeigneten Produktionsstandorten. BMW fand im größten Land der Erde keinen Standort. Der Mitwettbewerber „Mercedes“ dagegen schon. In Jahresfrist wurde ein Werk gebaut und im Beisein des russischen Präsidenten Putin eingeweiht.
 
Letztendlich wurde 2020 bekannt, dass BMW nicht weiter in Russland investiert und sich auf das Zusammenschrauben der angelieferten Einzelteile in den Produktionshallen von „Avtotor“ beschränkt.
 
Nun hat sich der Kaliningrader Gouverneur zu den Plänen von BMW geäußert und kommentiert, dass BMW niemals wirklich geplant hatte, eine vollständige Lokalisierung der Produktion im Kaliningrader Gebiet vorzunehmen.
 
„Mir scheint, dass BMW niemals die Absicht hatte, eine Produktionslokalisierung vorzunehmen. Das waren alles nur Redereien mit dem Ziel, von uns weitere Unterstützung zu erhalten und im Gegenzug nur vage Versprechungen zu machen. Also wir haben die Möglichkeit erhalten, BMW im Verlaufe von zwei Jahren weiter zu unterstützen. Sie haben versprochen, in den zwei Jahren Geld in das Werk zu investieren. Die zwei Jahre sind vergangen und wir haben nicht gesehen, dass sie irgendetwas investiert haben. Jetzt arbeiten sie einfach nach den allgemeingültigen Regeln – und das war`s“, – so der Kaliningrader Gouverneur.
 
Das Verhalten von BMW ruft bei Menschen, die die Politik der Bundesrepublik Deutschland gegenüber Russland im Allgemeinen und gegenüber dem exdeutschen Gebiet Ostpreußen im Besonderen kritisch beobachten, besondere Nachdenklichkeiten auf.
 
BMW ist eine deutsche Firma mit hoher Reputation weltweit. Daran besteht kein Zweifel. Ein Engagement von BMW in Kaliningrad mit einem eigenen Investitionsprojekt, hätte mit Sicherheit auch andere potentielle Investoren zu Überlegungen angeregt, sich in Kaliningrad zu engagieren. Das wären Voraussetzungen für eine weitere, positive Entwicklung des Kaliningrader Gebietes. Aber dies ist nicht im Interesse der Bundesrepublik Deutschland, der Europäischen Union und schon gar nicht der militärischen NATO-Strukturen, die Kaliningrad als Dolch im Fleisch Europas bezeichnen.
 
Ein niedriges Lebensniveau, eine nicht entwickelte Wirtschaft und Landwirtschaft, eine kulturlose Kultur sind die besten Voraussetzungen, um eine Stimmung unter der Bevölkerung zu schaffen, die wir separatistisch nennen. In- und ausländische Kräfte, insbesondere aus Deutschland, begleiten diesen Separatismusprozess seit vielen Jahren. Es wurden die Begriffe „Germanisierung“ und „EndRussifizierung“ geboren.
 
Ein Engagement von BMW wäre also für die strategischen Pläne des Westens kontraproduktiv gewesen.
 
Schauen wir auf die heutige Situation in und um Kaliningrad, in und um Russland, so drängen sich auch Gedanken der Dankbarkeit gegenüber BMW, Deutschland und anderen westlichen Staaten auf. Denn hätten diese vor Jahren im größeren Umfang in Kaliningrad investiert und wären diese ausländischen Firmen in der Kaliningrader Wirtschaft dominant geworden, größte Arbeitgeber, größte Steuerzahler, so hätte ein plötzlicher Abzug der Investitionen das gesamte Kaliningrader Gebiet zum Zusammenbruch gebracht. Die erfolgten Investitionen wären aber für die westlichen Unternehmer nicht verloren, denn man rechnet ja mit der Heimholung des Gebietes, auch wenn dieses für Westeuropa als Produktionsstandort völlig uninteressant ist. Ostpreußen ist nur noch interessant als Militärstandort.
 

 

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