Kant-Universität bleibt weiter Deutsch freundlich

Kant-Universität bleibt weiter Deutsch freundlich

 

Die föderale Kant-Universität in Kaliningrad hat einen neuen Rektor erhalten. Der alte Rektor erhielt gesichtswahrend die neu geschaffene Funktion des Präsidenten der Kant-Universität. Beide Rektoren haben eine deutschfreundliche Einstellung, aber ansonsten scheinen die Ansichten unterschiedlich zu sein.

Beginnen wir damit, dass ich, ungeachtet der offiziellen Bezeichnung „Föderale Universität“ immer den subjektiven Eindruck hatte, als ob die Kant-Universität doch aus den Regionalschuhen nicht herausgewachsen ist. Vielleicht hat es daran gelegen, dass der ehemalige Rektor Andrej Klemeschew in Kaliningrad geboren und aufgewachsen und nur für wenige Jahre nach St. Petersburg zum Studium gegangen ist. Danach ist er sofort wieder nach Kaliningrad und hat in der Universität auf dem kleinsten Level begonnen zu arbeiten, um sich bis zum Rektor hochzudienen. Und über 20 Jahre war er Rektor und hat die Universität und deren Entwicklung geprägt.

 

War er ein guter Rektor? Eigentlich wohl ja, denn ansonsten hätte er die Funktion nicht so lange inne gehabt. Das russische allwissende Wikipedia schreibt, dass er sehr staatsnah war und auch das Wort korrupt steht in diesem elektronischen Lexikon.

Kritisiert wird er auch wegen seines politischen Engagements. Seit 2016 ist er zudem noch Abgeordneter der Gebietsduma.

Und hier beginnen wohl die Unterschiede zum neuen Rektor Alexander Fedorow, der in der vergangenen Woche erklärt hat, dass er keine politische Figur ist. Niemand hatte ihn eigentlich gefragt, aber er hat es geäußert und es entsteht der Eindruck, dass er dies gesagt hat, um Unterschiede zu seinem Vorgänger herauszuarbeiten.

 

 

„Ich möchte unterstreichen – Rektor, das ist keine politische Figur. Rektor ist eine Führungspersönlichkeit, welche eine adäquate Entwicklung der Hochschuleinrichtung sicherzustellen hat.“

Man könnte das so deuten, dass er mit der politischen Arbeit seines Vorgängers nicht einverstanden ist. Und weitere Äußerungen von ihm, dass er sich gegenwärtig mit der Analyse des Zustandes der Universität beschäftigt, um dann eine Neuausrichtung vorzunehmen, scheinen zu unterstreichen, dass er wohl meint, dass sein Vorgänger – vielleicht bedingt durch seine politische Arbeit – keine adäquate Entwicklung der Universität gewährleistet hat.

Während der großen Pressekonferenz in der vergangenen Woche bestritt der neue Rektor allerdings Streitigkeiten mit seinem Vorgänger. Es gibt einen Meinungsaustausch – so informierte er und nicht immer sind wir einer Meinung. Aber wenn alle immer mit allen und alles einverstanden wären, so wären sie alle tot oder Nichtsnutze – so der neue Rektor.

Journalisten fragten, was er denn mit seinem Vorgänger so diskutiere. Antwort haben sie nicht erhalten.

 

 

Andrej Klemeschew informierte, dass die Führung der Universität nach wir vor nach dem Prinzip der Einzelleitung erfolgt: Rektor bleibt Rektor und dieser führt. Allerdings wird er als Präsident nicht nur repräsentieren. Er will seine Möglichkeiten nutzen, um Stabilität im Kollektiv zu gewährleisten. Das lässt aufhorchen, denn man könnte meinen, dass mit seinem Weggang und dem Einsatz des neuen Rektors in der Professorenschaft vielleicht gewisse negative Entwicklungen einsetzen – zumindest vermute ich dies aus seiner Äußerung.

Im Mai 2012 hat Fedorow die Leitung der Universität in Nischny Nowgorod übernommen. Sie gehörte damals zu den schlechtesten Hochschulen des Landes. Heute gehört die Universität zu den TOP-3 Universitäten zur Vorbereitung von Pädagogen im Land. Unter seiner Führung wurde eine neue Strategie der Entwicklung der Universität angenommen und umgesetzt. Seinen jetzigen Worten kann man entnehmen, dass er ähnliches mit der Kant-Uni vorhat, d.h. eine tiefgreifende Modernisierung.

 

 

Die Kant-Universität wird durch einen Teil der Kaliningrader Gesellschaft für ihre große Deutschfreundlichkeit kritisiert. Es fließen wohl viele Stiftungs- und Fördergelder aus Deutschland nach Kaliningrad und die Kant-Universität gebiert nicht nur russische Patrioten, sondern insbesondere die Philosophenfakultät scheint ein Ort für die Entwicklung extremer Ansichten zu sein – wie das Vorhandensein der Organisation BARS, Baltischer Vortrupp für den russischen Widerstand zeigt, deren Führungsmitglieder alle die genannte Fakultät abgeschlossen haben und heute sich in staatlichem Gewahrsam befinden.

An der deutschfreundlichen Einstellung der Universität wird sich wohl auch zukünftig nichts ändern. Alexander Fedorow spricht Deutsch und Französisch. Er schwärmt heute noch von den guten Beziehungen, die er in seiner alten Universität mit Deutschland geschaffen hat – er nannte das Goetheinstitut. Und er zeigte sich über Kant informiert, dass er an Gastritis gelitten, aber trotzdem gerne und gut gegessen hat. Die täglichen Spaziergänge, auf immer dem gleichen Weg, waren wohl Grundlage, dass Kant seine Gedanken sammeln und in eine neue Philosophie gießen konnte – meinte der neue Rektor der Kant-Universität im Interview.

Alexander Fedorow hat gedient, wenn auch nur als Wehrpflichtiger. Aber er steht dem Wehrdienst positiv gegenüber und formulierte: „Der Armeedienst ist für jeden von Nutzen.“ Er zeigt wenig Verständnis für diejenigen, die versuchen, per Studium sich vor dem Wehrdienst zu drücken. Der Wehrdienst ist für ihn eine Art zu zeigen, dass man sich seinem Staat verbunden fühlt.

Interessant ist, so schreibt das Regionalportal „rugrad“, dass der neue Rektor wohl jetzt weniger Einkünfte haben wird, als in seiner bisherigen Rektorfunktion. An seiner alten Universität deklarierte er ein Einkommen von 4,3 Mio. Rubel, also rund 60.000 Euro, während der Rektor der Kant-Universität nur 3,87 Mio. Rubel deklarierte, also nur 54.000 Euro.

Der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow bezeichnete den Führungswechsel an der Universität als „neue Etappe“.

 

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Kommentare ( 1 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 10. September 2019 00:20 pm

    Ganz ehrlich, Uwe? Die neue Domaine sieht auf den ersten Blick ganz "nett" aus, ist aber in der Praxis vollkommen unübersichtlich. Ihre Softwarespezialisten haben offensichtlich ihren Affen Zucker gegeben und sich - kreativ - ausgetobt, aber für den Anwender, so wie mich, ist es vollkommen unübersichtlich, was ist neu, was bereits seit längerem bekannt.
    Was Fedorow betrifft, nun ja, die Zukunft wird´s zeigen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 10. September 2019 05:36

      ... verstehe ich jetzt nicht. Die Gliederung ist sehr einfach und sehr übersichtlich. Es gibt einen Menüpunkt nur für Kaliningrad, einen Menüpunkt für föderale Nachrichten und einen Menüpunkt, wo ich kommentiere. Somit kann jeder aussuchen, was für ihn interessant ist. Früher war alles in einem Menüpunkt und zusätzlich gab es geschäftliche Menüpunkte. Das jetzige Portal ist maximal einfach. Allerdings arbeitet es noch nicht perfekt.

      Und alles was alt ist, befindet sich im Menüpunkt "Kaliningrad-Regional" und ist mich "Archiv" gekennzeichnet.

      Das Aktuelleste ist auf der Titelliste ersichtlich - das Portal ist somit nichts Exotisches, sondern eigentlich so aufgebaut, wie alle anderen Informationsportale auch.

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