Kein Tauwetter zwischen Deutschland und Russland – meint der deutsche Botschafter

Kein Tauwetter zwischen Deutschland und Russland – meint der deutsche Botschafter

 

Der neue Botschafter Deutschlands in Russland, Dr. Géza Andreas von Geyr, hat erstmalig russischen Journalisten der Zeitung „Kommersant“ ein Interview gegeben. Am Wochenende wurde es veröffentlicht. Es ist das Interview eines professionellen Diplomaten.

 

 

Dr. von Geyr ist seit September 2019 Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Moskau. Fast zeitgleich mit ihm reiste auch der neue deutsche Generalkonsul in Kaliningrad Herr  Hans Günther Mattern an seinen neuen Dienstort. Beide Herren haben mindestens zwei Gemeinsamkeiten: Zum einen sind es interessante Persönlichkeiten. Zu dem Schluss kommt man, wenn man die Lebensläufe liest, die auf der Internetseite der diplomatischen Vertretungen veröffentlicht sind. Zum anderen haben beide bisher keine Interviews in Russland gegeben. Wobei … vielleicht haben Interviews stattgefunden und sie sind nur nicht veröffentlicht worden.

Interessant war auch, dass der deutsche Botschafter im vergangenen Jahr bereits in Kaliningrad war. Irgendwo hatte ich darüber eine kleine Notiz gelesen. Auch auf der Internetseite des Gouverneurs gab es dazu eine Mitteilung. Aber als ich jetzt diese Informationen suchte, konnte ich nichts mehr finden. Vermutlich werde ich wohl meine Suchmaschine wechseln müssen.

Aber es gibt auch andere Personen des öffentlichen Interesses, die regelmäßig nach Kaliningrad reisen. Sie wollen, so hört man, einen Beitrag leisten, damit es zu dem Tauwetter kommt, welches der deutsche Botschafter in seinem Interview mit „Kommersant“ nicht bestätigen wollte. Und auch von diesen Personen und den möglichen Erfolgen ihrer Bemühungen in Kaliningrad liest und hört man nichts. Und leider werden auch Fragen nicht beantwortet.

Es ist also alles sehr geheimnisvoll um die Deutschen und ihre Aktivitäten im großen russischen Land.

Um so dankbarer ist man eben, wenn nun der deutsche Botschafter sich den russischen Medien nach fünf Monaten öffnet und Fragen von zwei Journalistinnen beantwortet. Liest man die Fragen und die Antworten ist klar: „Kommersant“ stellt Fragen, die den Botschafter nicht in Verlegenheit bringen und der Botschafter antwortet professionell – eben so, wie Diplomaten eben antworten.

 

 

Auf die Frage von „Kommersant“, ob es denn richtig ist, dass der Posten des Botschafters, bedingt durch die gegenwärtige Situation zwischen Deutschland und Russland, nicht besonders attraktiv ist, antwortete von Geyr, dass es hohe Forderungen an diese Funktion gäbe und dass sich das Verhältnis zu Russland ein wenig komplizierter gestalte. Aber er bedauere keine Minute seinen Entschluss.

Und dann fragten die JournalistInnen, ob der Besuch von Frau Merkel in Moskau, dem ersten seit fünf Jahren, das Signal für Tauwetter ist. Und der Botschafter antwortete mit 110 Wörtern auf die einfache Frage. Dann wurde nochmal nachgefragt, ob es denn nun Tauwetter gäbe oder nicht. Und mit weiteren 79 Wörtern kam der Botschafter letztendlich zu der Äußerung, dass man wohl nicht von Tauwetter sprechen könne.

Im weiteren wurden Fragen zur zwischenstaatlichen Zusammenarbeit, den verschiedensten, hier funktionierenden Formaten gestellt, zur Münchner Sicherheitskonferenz, zur Angelegenheit des in Deutschland verhafteten Selimhan Changoschwili/Зелимхан Хангошвили, zur Ausweisung russischer Diplomaten in diesem Zusammenhang und zum Projekt Nordstream-2.

Ein weiterer Themenkomplex betraf die militärpolitische Lage und den Vertrag über die Kurz- und Mittelstreckenraketen. Der Botschafter kommentierte, dass Russland – wer auch sonst – den Vertrag verletzt habe. Das ist eindeutig bewiesen. Russland hat hier Fakten geschaffen, die man so nicht akzeptieren kann.

Die Journalisten von „Kommersant“ haben leider vergessen die Fakten zu erwähnen, die das westliche Militärbündnis NATO geschaffen hat und dem Botschafter die Frage zu stellen, wie Russland sich denn zum Truppenaufmarsch der NATO rings um seine Grenzen verhalten soll?

Dann erkundigte sich „Kommersant“ zum Stand der Dinge, um die vor einem Jahr von der Bundesrepublik versprochenen 12 Millionen Euro für die Opfer der deutschen Blockade von Leningrad im Großen Vaterländischen Krieg. Diese Gelder sollten verwendet werden für die Einrichtung eines Krankenhauses für Veteranen mit medizinischer Technik. Der Botschafter glaubt, dass wohl schon bald diese Technik eintreffen wird. Den überlebenden Leningradern, von denen heute nicht mehr viele leben, bleibt somit zu hoffen, dass die Erfüllung des deutschen Versprechens, pro totem Leningrader 10,90 Euro zu zahlen, nicht 900 Tage in Anspruch nimmt.

Was die Frage der aktuellen Blockade ganz Russlands anbelangt, modern heute als Sanktionen bezeichnet und an denen Deutschland als eines der aktivsten Länder teilnimmt, meinte der Herr Botschafter, dass es noch zu früh sei, über eine Aufhebung zu sprechen.

Meine Beobachtungen in Russland zu dieser Thematik zeigen, dass in Russland niemand darauf rechnet, dass diese Sanktionen aufgehoben werden. Es ist wohl seitens Russlands doch nur politisches Theater, wenn immer mal wieder darauf hingewiesen wird.

Natürlich durfte nicht die Frage fehlen, ob jemand und wenn ja, wer denn zum 75. Jahrestag der Kapitulation Deutschlands im Zweiten Weltkrieg nach Moskau reisen wird. Und hier antwortete der Botschafter konkret: Das wissen wir noch nicht.

Und auf die Frage von „Kommersant“ zur Umschreibung der Geschichte des Zweiten Weltkrieges durch eine ganze Reihe von Ländern und die damit im Zusammenhang stehende Herabwürdigung der Rolle der Sowjetunion, antwortete der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Russland Dr. Géza Andreas von Geyr: „Ich finde es schade, dass es jetzt derart krasse verschiedene Auslegungen der Geschichte gibt.“

Und der Botschafter beendete das Interview mit der Antwort auf die Frage, was man in den zwischenstaatlichen Beziehungen in diesem Jahr erwarten kann. Wer sich dafür interessiert, kann im Originalinterview von „Kommersant“ nachlesen. Es sind nur wenige Zeilen.

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