Kein Wasser, keine Heizung, kein Geld – Erinnerungen eines exArbeitslosen aus dem Ural

Kein Wasser, keine Heizung, kein Geld – Erinnerungen eines exArbeitslosen aus dem Ural
 
Im Juni unternahm ich eine Reise in das Gebiet Kurgan. Bekannte meinten, dass ich in der „russischen Tiefe“ andere Dinge zu sehen bekomme und ich vielleicht mein Russlandbild danach ändern müsste. Und sie behielten recht – mein Russlandbild änderte sich wirklich.
 
 
Videoeinspielung: Iltjakow zur Rolle des Dorfes in Russland
 
Allerdings waren die Hinweise meiner Bekannten mehr in Richtung, dass das Kurganer Gebiet im gesamtrussischen Wirtschaftsrating keine Spitzenpositionen besetzt, die Menschen ärmlicher wohnen und die Versorgung nicht ganz so im Überfluss ist, wie in Kaliningrad. Ein wenig Sorgen machte ich mir schon nach diesen Hinweisen.
 
Informiert hatten mich verschiedene Bekannte, Bekannte, die niemals selber im russischen Mutterland waren und somit das große Russland nur aus dem Fernsehen und vom Hörensagen kennen – also, wie die meisten Deutschen auch.
 
Und mich informierten Bekannte, die in den benachbarten Regionen gelebt haben, also für mich doch eine wertvolle Informationsquelle waren. Man hatte mir auch den Kontakt zu einer jungen Frau angeboten, die bis vor kurzem noch in Kurgan gelebt hat … aber ich wollte mich nicht zu sehr beeinflussen lassen.
 
Genutzt habe ich natürlich die öffentlich zugänglichen Quellen, die emotionslos über Fakten informierten. Das Internet ist voll von Informationen über das Gebiet. Man findet die kleinsten Kleinigkeiten über das Gebiet, die Gebietshauptstadt, die Städte und Dörfer und natürlich über Sehenswürdigkeiten.
 
Alexander Wladimirowitsch Iltjakow ist eine der Sehenswürdigkeiten des Gebietes. Er ist fünffacher Familienvater, Duma-Abgeordneter seit 2011 und erfolgreicher Unternehmer. Er war es, der mich im Internet gefunden hat und sich mit mir näher bekannt machen wollte.
 
Zufall oder nicht Zufall, aber eine Reise in das Gebiet Kurgan war schon seit zwei Jahren geplant, wurde nur durch die Corona-Krise immer wieder verschoben. Nun aber gestatteten es alle Umstände, die Reise anzutreten.
 
Ich kannte Alexander Wladimirowitsch bis zu diesem Zeitpunkt nicht. Immerhin hat Russland 450 Duma-Abgeordnete, ein paar Dutzend weniger als im Deutschen Bundestag sitzen … trotzdem wird das Riesenland gut regiert. Und wie gut sich die Arbeit des Duma-Abgeordneten Iltjakow auf die Region auswirkt, konnte ich nun mit eigenen Augen sehen, mit eigenen Ohren hören.
 
Videoeinspielung: Einladung zum Frühstück im Unternehmen
 
Das Kurganer Gebiet selber besetzt im gesamtrussischen Rating keine Spitzenposition. Das ist schade, denn ich habe zwei Unternehmer, Leonid Nesterow, den ich Ihnen bereits vorgestellt habe und Alexander Iltjakow kennengelernt, die beweisen, dass man in historisch kurzer Zeit durch Eigeninitiative vieles erreichen kann. Sie haben Firmen aus dem Nichts aufgebaut und in Positionen geführt, auf die das Gebiet Kurgan stolz sein kann.
 
Videoeinspielung: Moskau ist weit und niemand wird helfen
 
Alexander Iltjakow hat aber nicht nur seine Firmengruppe „WELES“ aufgebaut, sondern auch einem vergessenen, unbekannten Dorf, mit einer Schul-Ruine, den Status einer Vitrinen-Siedlung gegeben.
 
Videoeinspielung: Die Dorfschule hat 550 Schüler
 
Häufig werden russische Entscheidungsträger, so auch Duma-Abgeordnete, beschuldigt, ihr Amt für eigene Interessen zu nutzen. Alexander Iltjakow gehört zu diesen Duma-Abgeordneten. Sein Interesse besteht in der Entwicklung des Dorfes Schastoosjorne – dem Dorf, das für sein Unternehmen Geburtsort wurde. Und das Unternehmen wiederum wurde Geburtsstätte für viele Arbeitsplätze und für einen gewissen Wohlstand in den Familien, die im Dorf wohnen.
 
Videoeinspielung: Dorfszenen Schastoosjorne
 
Leben ist Geben und Nehmen – so ein bekanntes Sprichwort. Der Duma-Abgeordnete Iltjakow nimmt nicht nur die Möglichkeiten des föderalen Zentrums zur Entwicklung seines Dorfes und seines Gebietes, sondern gibt der Region und dem Land durch seine Arbeit auch Steuern, Steuern, die wiederum helfen, dass Land aus dem Sumpf der 90er Jahre zu führen, in dem es leider teilweise heute noch steckt.
 
Ihm ist es gelungen, das Vertrauen der Personen, die ihn seit 2011 gewählt haben, zu rechtfertigen. Wer ihn also beschuldigt, seine Funktion als Duma-Abgeordneter zu nutzen, um eigennützig sich um die Entwicklung seines Dorfes und seines Gebietes zu kümmern, hat natürlich recht.
 
Videoeinspielung: Ideen Iltjakows zur Entwicklung seines Dorfes
 
Nicht immer habe ich Menschen getroffen, die stolz auf ihren Abgeordneten sind und ihn und seine Tätigkeit loben. Es gab auch Menschen mit den üblichen gehässigen Bemerkungen und als ich diesen Menschen konkrete Fragen stellte, blieben sie mir eine Antwort schuldig. So ist mir heute immer noch nicht klar, warum Putin und andere Entscheidungsträger in Russland, Diebe sind. Niemand konnte mir bisher sagen, was diese Leute gestohlen haben.
 
Videoeinspielung: Russland ist heute ein anderes Land
 
Alexander Iltjakow hat nichts gestohlen. Er hat im Jahre 1994 die Kündigung durch seine Firma erhalten, in der er als Elektriker gearbeitet hatte. Er stand mit Nichts auf der Straße und dachte über einen Neustart nach. Bei mir war es ähnlich. Wir begannen fast zeitgleich mit dem Neustart.
 
Videoeinspielung: Aus den Anfängen des Unternehmens
 
Er begann im Jahre 1995 in einem kleinen angemieteten Raum, gemeinsam mit seinem Bruder, Wurst zu produzieren – nur wenige Kilo am Tag. Ich begann im Jahre 1995 an der Grenze des Kaliningrader Gebietes den Duty-Free-Handel im Auftrag russischer Aktionäre zu organisieren.
 
Videoeinspielung: Vorstellung des ersten Mitarbeiters der Firma
 
Er schaffte es vom einfachen, arbeitslosen Elektriker, hin zum Großunternehmer, Duma-Abgeordneten und fünffachen Familienvater. Ich schaffte es vom entlassenen und durch die Bundeswehr degradierten Offizier der NVA zu einem Kleinstunternehmer im russischen Kaliningrad.
 
Eine Woche gemeinsamer Erlebnisse und Gespräche im Gebiet Kurgan mit Alexander Wladimirowitsch brachten mich zu der Erkenntnis, dass, wenn Russland mehr solcher Bürger, solcher Unternehmer, solcher Familienväter, solcher Duma-Abgeordneten hätte, ich mir keine Sorgen mehr um meine neue Heimat machen muss.
 
Die Firma „WESLA“ – nein, es ist eigentlich keine Firma, es ist eine Unternehmensgruppe, gehört heute zu den führenden Fleisch- und Wurstproduzenten des Kurganer Gebietes. Die Unternehmensgruppe verfügt über eine Fleisch- und Wurstproduktion, eine eigene Schlachterei, eine Bierbrauerei und bereitet gegenwärtig den Aufbau einer Bäckerei vor.
 
Videoeinspielung: Alexander Iltjakow beantwortet die Frage zu Amortisierung und Gewinn
 
Vieles an Ausrüstungen, so betont Alexander Wladimirowitsch, kommt aus Deutschland. Er sieht das ganz pragmatisch.
 
Dass beste Bier kommt aus Deutschland. Also haben die Deutschen auch die besten Brauereianlagen. Und er wollte für sein Bier das Beste. Also kaufte er Anlagen aus Deutschland.
 
Bei der Fleisch- und Wurstproduktion dachte er ähnlich pragmatisch. Man muss nicht, koste es was es wolle, das Fahrrad zweimal erfinden – so seine Meinung.
 
Videoeinspielung: Räucherofen – Technik aus Deutschland
 
Meine ängstliche Frage, was denn passiert, wenn eine der Anlagen mal kaputtgeht und die Sanktionspolitik es nicht gestattet, Ersatzteile und Spezialisten einzufliegen, beantwortete Alexander mit einem einfachen Gang in das Lager für Ersatzteile und die heiligen Hallen der Ingenieure der Firma: „Hier liegt alles was wir brauchen. Außerdem haben wir Mitarbeiter mit goldenen Händen, die notfalls Ersatzteile nachbauen und unsere Mitarbeiter nehmen jede Instandsetzung selber vor. Wir sind ein völlig unabhängig arbeitendes Unternehmen“, - so Alexander Iltjakow.  
 
Videoeinspielung: Alexander Iltjakow zur Ausbildung in Russland
 
Produziert wird aber nicht nur Fleisch in Form von Rind- oder Schweinefleisch, Schinken und Wurst, sondern auch Halbfertigprodukte, wie die beliebten Pelmeni oder Blinschiki.
 
Videoeinspielung: So werden Pelmeni in Russland geboren
 
Alexander führte uns durch seine gesamte Produktion und zeigte sich auch zu allen Einzelheiten der Produktion im Bilde. Ich hatte den Eindruck, als ob er jede Maschine selber aufgestellt hat und bedienen konnte.
 
Videobegleitung: Alexander Iltjakow erklärt die Elektronik seines Unternehmens
 
Seinem Lebenslauf kann man entnehmen, dass er auf seine persönliche Weiterbildung großen Wert gelegt hat. Heute ist der Kandidat der Technikwissenschaften – die akademische Vorstufe zum Doktortitel. In einem weiteren Studium qualifizierte er sich zum Juristen. Gegenwärtig besucht er einen Lehrgang, um die qualifizierten Voraussetzungen für die Führung einer Stadt zu erhalten.
 
Videoeinspielung: Alexander Iltjakow zur persönlichen Qualifizierung
 
Die Produktion entwickelte sich in den letzten Jahren äußerst erfolgreich, so dass man sich entschloss, eine eigene Schlachterei zu bauen. Jetzt, wo dieser Beitrag geschrieben wird, wird dieser neue Komplex wohl schon in Nutzung überführt sein. Während meines Besuches vor Ort, wartete man auf Spezialisten aus Deutschland, die die letzten Arbeiten durchführen sollten.
 
Videoeinspielung: Alexander Iltjakow stellt Schlachtbetrieb vor
 
Aber dabei bleibt es nicht. Die Pläne von Alexander sehen den weiteren Ausbau der Schlachterei vor. Sechs weitere Schlachtereien sollen in Kürze folgen …
 
Videoeinspielung: Alexander Iltjakow zu Investitionsplänen
 
… und Alexander träumt von insgesamt 70 Schlachtereien, die einerseits den Bedarf des Gebietes Kurgan decken und andererseits soviel Steuern in die Kassen des Kurganer Finanzministers spülen sollen, dass man mit Riesenschritten das Gebiet entwickeln kann.
 
Videoeinspielung: Alexander Iltjakow zu Steuerzahlungen und zur Gebietsentwicklung
 
Und Alexander berechnet den Gewinn für das Unternehmen, die daraus resultierenden Investitionsmöglichkeiten und die Steuern, die er dem Staat zahlt. Und er träumt davon, mit diesen Steuern das Dorf, sein Dorf, völlig neu errichten zu können.
 
Videoeinspielung: Alexander Iltjakow mit typischer Handbewegung
 
Alexander ist Vater von fünf Kindern. Der älteste Sohn Konstantin (1999) scheint den Vater besonders stolz zu machen, denn er tritt in dessen Fußstapfen. Während sich Alexander mit seinem Bruder um die Führung des Fleischkombinates kümmert, entwickelt Sohn Konstantin die Bierbrauerei, die mit deutscher Ausrüstung und nach deutschem Reinheitsgebot, Bier braut. Schade, dass die Zeit nicht ausreichte, um mit Konstantin ein ausführlicheres Gespräch zu führen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
 
Schwierigkeiten hat Alexander gegenwärtig mit Spezialisten, die sich auf das Brotbacken verstehen. Eine Bäckerei ist bereits vollständig aufgebaut, aber es finden sich keine Spezialisten, die die Technik bedienen können und leckeres Backwerk, einschließlich der notwendigen Brezeln, nach bayrischem Rezept backen können.
 
Videoeinspielung: Alexander Iltjakow zur Arbeitsdisziplin und zur Gehaltszahlung
 
Von einer Nebenproduktion seines Unternehmens erfuhr ich nur so im Vorbeigehen. Alexander kauft von der örtlichen Bevölkerung Obst und Gemüse auf – entweder das, was sie im eigenen Garten anbauen oder aber in den umliegenden Wäldern sammeln. Es wird in Konserven verarbeitet und im Einzelhandel angeboten. Die Bevölkerung erhält Geld und bessert das Familienbudget auf, andere können in den örtlichen Geschäften Bio-Ware zu ganz normalen Preisen kaufen.
 
Videoeinspielung: Alexander Iltjakow erklärt die Zusatzproduktion
 
Neben der Entwicklung seines Unternehmens, als Grundlage für seinen eigenen Wohlstand, aber auch als Grundlage für die erfolgreiche Entwicklung des Dorfes als kommunale Einrichtung, kümmert sich Alexander Iltjakow auch um Belange der russisch-orthodoxen Kirche. Er hat den Bau einer Kirche in der Gebietshauptstadt Kurgan und den Bau des Kirchenkomplexes im Dorf Schastoosjorne mit Unternehmensgeldern ermöglicht.
 
Videoeinspielung: Alexander Iltjakow erklärt Unternehmensengagement im Sozialbereich
 
Besonders stolz ist Alexander auf die Dorfschule, die seit dem Jahre 1972 als Bauruine stand. Jetzt ist es eine moderne Schule mit allem, was sich das Schüler- und Lehrerherz wünscht. In einem gesonderten Beitrag werde ich Ihnen diese Dorfschule vorstellen.
 
Mein Material über Alexander Iltjakow ist sehr umfangreich und würde für eine ganze Serie von Beiträgen reichen.
 
Videoeinspielung: Alexander Iltjakow beschäftigt gesundheitlich eingeschränkte Mitarbeiter
 
Ich denke, ich werde auch weiterhin über Alexander Iltjakow berichten, denn seine erfolgreiche Arbeit als Unternehmer ist für mich hochinteressant und ich möchte Sie, meine lieben Zuschauer, über die Entwicklung seines Unternehmens informieren – vermutlich immer mit einem gewissen Bedauern, dass seine Firma nicht in Kaliningrad ansässig ist.
 
Und ich möchte ihn als Duma-Abgeordneten begleiten. Ich gehe davon aus, dass er bei den anstehenden Duma-Wahlen am 19. September von der Bevölkerung wieder gewählt wird und ich möchte ihn gerne bloggertechnisch begleiten, wenn er seinen Platz in der neuen russischen Staatsduma einnimmt.
 
Videoeinspielung: Iltjakow zu den Voraussetzungen eines Duma-Abgeordneten.
 
 
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Kommentare ( 1 )

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 17. Juli 2021 01:58 pm

    "Wer ihn also beschuldigt, seine Funktion als Duma-Abgeordneter zu nutzen, um eigennützig sich um die Entwicklung seines Dorfes und seines Gebietes zu kümmern, hat natürlich recht." Ich finde, das ist doch vollkommen richtig so. Sollen doch alle Duma-Abgeordneten so handeln, dann sieht das Land nach kurzer Zeit viel besser aus. Ganz ehrlich, ich finde, daß viel zuviel in die Metropolen Moskau und St. Petersburg an finanziellen Mitteln gepumpt wird. Im und hinter dem Ural liegt das größere Stück des russischen Kuchens. Das müßte viel mehr berücksichtigt werden, natürlich ohne den europäischen Teil zu vernachlässigen. Siedler, um die doch so stark geworben wurde und wird und denen 1 oder 2 Ha. Land vom Staat geschenkt bekommen haben, wollen sich doch aber nicht "irgendwo in der Taiga" niederlassen, sondern Anbindung zu wirtschaftlich aktiven Ortschaften haben.Dieser Alexander Iltjakow ist wohl die neue Generation von Heimat verbundenen Unternehmern.

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