Kleine Sünden bestraft Gott sogleich. Tinkoff verkauft Tinkoff

Kleine Sünden bestraft Gott sogleich. Tinkoff verkauft Tinkoff
 
Ein Sprichwort hat sich mal wieder als wahr erwiesen. Kleine Sünden bestraft Gott sogleich, die großen nach neun Monaten. Ein bekannter russischer Oligarch beklagt sich, dass er um viel Geld betrogen worden ist. Betrüger sollen Russen sein.
 
 
Der Name „Tinkoff“ ist in Russland bei allen bekannt. Selbst Kinder im Alter von 18 Monaten kennen Tinkoff, denn wenn sie mit dem Smartphone der Mama spielen, müssen sie die Reklame der Tinkoff-Bank einige Sekunden in regelmäßigen Abständen aushalten.
 
Oleg Tinkoff ist der Gründer dieser Bank und hält ein ziemlich großes Aktienpaket – 35 Prozent an der Bank und 35 Prozent an der gleichnamigen Versicherungsgesellschaft. Russland hat es ihm ermöglicht, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, zu einem der reichsten Menschen in Russland zu werden. Russland hat es auch ermöglicht, dass sein Name bisher für Solidität im Bankenwesen stand. Ich habe eine Reihe von Bekannten, die stolz darauf sind, Kunden der Tinkoff-Bank zu sein.
 
Nun sollte man erwarten, dass so ein Mann dem Staat dankbar ist, der ihm dies alles ermöglicht hat. Aber weit gefehlt. Ich erinnere mich an einen Ausspruch von Stalin der meinte: „Dankbarkeit ist so eine hündische Krankheit.“
 
 
Und Tinkoff zeigte keine Dankbarkeit gegenüber dem Staat, der ihm seine persönliche und unternehmerische Entwicklung ermöglicht hatte. Vermutlich hat der Staat auch in der Vergangenheit das eine oder andere Auge zugedrückt, um in schwierigen Zeiten dem Tinkoff-Unternehmen zu helfen. Und so sollte man erwarten, dass auch der Unternehmer seinem Staat in schwierigen Zeiten hilft.
 
 
Nein, er hat nicht geholfen, sondern ganz im Gegenteil Stellung gegen den Staat bezogen, in dem er öffentlich den Einsatz der russischen Soldaten zur Vernichtung des NAZIonalismus in der Ukraine verurteilte.
 
Am 19. April veröffentlichte der Bankier einen Kommentar, in dem er meinte, dass 90 Prozent aller Russen die Militäroperation nicht unterstützen. Woher er diese Zahl hat, bleibt sein Geheimnis. Offizielle Umfragen, sogar von Ausländischen Agenten, zeigen ein völlig anderes Ergebnis. Die Zustimmungsquoten nehmen wöchentlich zu.
 
Nachdem er sich derart geäußert hatte, soll angeblich der Kreml am 20. April mit der Geschäftsführung der Bank Kontakt aufgenommen haben. Der Bank wurde mit Nationalisierung gedroht, wenn diese nicht den Kontakt mit Oleg Tinkoff abbricht. Dies teilte Tinkoff in einem Interview, ausgerechnet mit der „The New York Times“ mit.
 
Am 22. April informierte die Tinkoff-Bank, dass man ein schon lange geplantes Re-Branding durchführen werde. Der Name „Tinkoff“ wird entfernt, denn „Tinkoff“ selber nimmt schon lange nicht mehr an der operativen Arbeit der Bank teil.
 
Dann informierte Tinkoff weiter, dass man ihn genötigt habe, seine Anteile an der Bank „… für´n Appel und ´nen Ei“ zu verkaufen. Nur drei Prozent des wirklichen Wertes seiner Aktien habe er erhalten. Wieviel diese drei Prozent in realem Geld sind, sagte er nicht. „Ich konnte nicht handeln, ich fühlte mich wie eine Geisel … nimm das, was man dir bietet. Ich konnte nicht verhandeln“, - so der exBankier.
 
Ob das wahr ist oder nicht – ich habe keine Ahnung. Tinkoff erzählte es so der amerikanischen Zeitung. Aber wenn es wahr ist, so sollte man doch daraus Schlussfolgerungen ziehen – richtige Schlussfolgerungen. Aber dies tut dieser erfahrene Russe nicht. Er legt nochmal nach und sagt, dass die Unternehmerelite in Russland, im privaten Kreis sich mit ihm solidarisch erklären und seine Position zur Ukraine unterstützen. Aber alle haben Angst, ihren Standpunkt laut zu äußern. Toll, dass die Meinung von Tinkoff mit der Meinung der kollektiven westlichen Medien übereinstimmt.
 
 
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Kommentare ( 1 )

  • Vogonendichter

    Veröffentlicht: 4. Mai 2022 12:28 pm

    Das Problem bei reichen Menschen ist, das sie meinen, sie hätten den Reichtum irgendwie verdient, hätten ihn sich selbst erarbeitet, der Reichtum stehe ihnen zu.
    Und alle Anderen wären nur zu "Dumm" oder zu "Faul", deswegen sind sie Arm.
    Oder auf Deutsch gesagt, sie verlieren irgend wann den Kontakt zum Boden der Realität.

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