Korridore sind historisch negativ belastet. Der Suwalski-Korridor könnte dies ändern.

Korridore sind historisch negativ belastet. Der Suwalski-Korridor könnte dies ändern.

 

Viele Deutsche erinnern sich an den Danziger Korridor, einem Korridor, der Ostpreußen mit dem deutschen Mutterland verband. Heute existiert Kaliningrad und auch dieses Gebiet ist vom Mutterland Russland geographisch getrennt. Ein Korridor könnte dies ändern.

 

 

Vor einiger Zeit hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem Bekannten, der mir seine Gedanken darlegte, wie man den Exklave-Status des Kaliningrader Gebietes, im Interesse aller, lösen könnte. Ich war erstaunt, wie einfach und vorteilhaft dies sein kann, wenn der politische Wille besteht.

Der Suwalski-Korridor hat seine Bezeichnung durch die Stadt Suwalsk erhalten, die sich an dieser Lücke zwischen Kaliningrad und Weißrussland befindet. Diese „Lücke“ ist gleichzeitig die Grenze zwischen Polen und Litauen, oder, was den NATO-Überlegungen näher kommt, zwischen Polen und dem Baltikum, also den Ländern Litauen, Lettland und Estland.

Die NATO befürchtet gegenwärtig, dass im Konfliktfall die Kaliningrader Militärgruppierung diese „Lücke“ besetzen könnte und somit die baltischen Staaten sich in Isolierung befinden. Heranrückende NATO-Verbände können nicht in das Baltikum vorstoßen, um die drei NATO-Mitgliedsländer vor den heranrückenden russischen Verbänden aus dem russischen Mutterland zu schützen. Eine Unterstützung seeseitig, d.h. die Heranführung von NATO-Truppenverbänden über die Ostsee ist defacto, durch die flächendeckende Beherrschung russischer Raketensysteme, nicht möglich, d.h. die Ostsee wird in diesem Fall zum „Toten Meer“.

Seit 2017 werden somit NATO-seitig verschiedenste Szenarien trainiert, um diese Suwalski-Lücke unter der Herrschaft der NATO zu erhalten.

Nicht trainiert wird leider eine friedliche Variante für diese „Lücke“. Aber diese gibt es und wenn man diese „Lücke“ füllt, werden sich viele Goldene Nasen verdienen können.

Und mein Gesprächspartner begann vor ein paar Tagen, mir diese friedliche Lückenlösung bei einem angenehmen Glas Krim-Wein darzulegen.

Er sprach davon, dass man einen Geländestreifen von maximal einem Kilometer Breite benötige. Dieser Streifen verbindet das Gebiet Kaliningrad mit Weißrussland. Hier könnte Polen einen Streifen von 500 Metern Breite auf seinem Territorium zur Verfügung stellen und Litauen ebenfalls 500 Meter. Entlang dieses Streifens werden auf beiden Seiten Grenzsicherungsanlagen errichtet, so, wie es diese Staaten für richtig halten. Das zur Verfügung gestellte Territorium bleibt nach wie vor Hoheitsgebiet von Polen und Litauen, wird aber von beiden Ländern unter die Aufsicht der Europäischen Union gestellt.

Entlang dieser Strecke, wo eine zweigleisige Bahnlinie und eine Art Autobahn oder Schnellstraße gebaut wird, wird auch die dazugehörige Infrastruktur entwickelt, d.h. Tankstellen, Restaurants, Kioske usw. Betreiber dieser Infrastrukturobjekte sind polnische und litauische Bürger.

Russland organisiert den Transport seiner Bürger und Waren über diesen Korridor – natürlich unter Ausschluss des Transports von militärischen Gütern und Ausrüstungen.

Für die Nutzung des Korridors zahlt Russland eine Transitpauschale an Polen und Litauen.

Diese Transitpauschale könnte Litauen helfen, den bevorstehenden Logistikkollaps zu verhindern, den eine amerikanische Expertengruppe vorhergesagt hatte. Grund für diese pessimistische Prognose der Amerikaner war, dass Russland seine eigene Transport- und Hafenlogistik so ausgebaut hat, dass bald kein Transit über die baltischen Länder mehr nötig ist. Aber ein Großteil der Haushalte der baltischen Länder basiert auf diesen Transitzahlungen.

Mein Gesprächspartner berücksichtigte natürlich auch den militärischen Faktor und die natürlich vorhandenen Bedenken der Polen und Litauer und meinte lakonisch: Sollte es wirklich zu einem militärischen Konflikt kommen, wird an dieser Stelle niemand die russischen Panzer aufhalten, wenn es denn dort überhaupt russische Panzer geben sollte.

Ich fand diesen Gedanken des Verdienens von Goldenen Nasen recht interessant. Aber es gibt natürlich einen kleinen Haken: Es muss der politische Wille bestehen, eine solche Lösung umzusetzen.

Bisher besteht dieser Wille nicht. Aber man hat in den baltischen Staaten bereits die heraufziehenden dunklen finanziellen Wolken erkannt, denn die Regierungen dieser drei Länder haben sich, so berichtet es der Vorsitzende des Ausschusses für Informationspolitik im russischen Föderationsrat Alexej Puschkow, an die russische Regierung gewandt und gebeten, den Transit über ihre Länder nicht weiter einzuschränken.

Und Peschkow kommentierte über Twitter, dass diese Länder in erster Linie über ihre antirussische Politik nachdenken sollten, bevor sie derartige Bitten äußern. Der Transit wird so lange eingeschränkt, wie diese Länder ihre antirussische Rhetorik pflegen, eine harte Politik der Sanktionen betreiben und feindlich in internationalen Organisationen gegen Russland auftreten.

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Kommentare ( 1 )

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 24. Dezember 2019 15:57 pm

    Habe Tränen gelacht. Auf so etwas kann man auch nur bei Krim-Wein kommen ...

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